• Statistischer Jahresbericht: Potsdam wächst langsamer

Statistischer Jahresbericht : Potsdam wächst langsamer

Laut Statistischem Jahresbericht der Landeshauptstadt gab es in Potsdam 2018 mehr Autos, einen höheren Wasserverbrauch – aber auch mehr Hebammen.

Die Potsdamer haben 2018 acht Liter mehr Wasser pro Person verbraucht als im Vorjahr.
Die Potsdamer haben 2018 acht Liter mehr Wasser pro Person verbraucht als im Vorjahr.Foto: Andreas Klaer

Allen Bekundungen zum Klimaschutz zum Trotz ist die Zahl der Autozulassungen im vergangenen Jahr gestiegen. Rund 75.400 Pkw waren 2018 in Potsdam registriert, fast 2200 mehr als im Jahr zuvor. Damit waren 423 Autos pro 1000 Einwohner zugelassen, sechs mehr als im Vorjahr. Das geht aus dem Statistischen Jahresbericht hervor, den Oberbürgermeister Mike Schubert (SPD) und die Leiterin des Bereichs Statistik Heike Gumz am gestrigen Freitag der Presse vorstellten. Auch der Wasserverbrauch ist wenig klimaschonend deutlich gestiegen: Pro Tag verbrauchte jeder Einwohner 123 Liter Wasser, acht Liter mehr als ein Jahr zuvor. Ein Grund ist sicher der heiße und trockene Sommer. 

Weniger Familiennachzug

Ein Blick auf die Einwohnerzahl in Potsdam zeigt: Etwa 178350 Menschen wohnten zu Jahresende 2018 in der Landeshauptstadt, 2650 mehr als im Vorjahr. Die Stadt wächst weiter, aber langsamer als prognostiziert. Der Unterschied liegt laut Gumz daran, dass es mehr Wegzüge aus Potsdam gab. „Viele Ausländer sind zurückgezogen, auch haben wir weniger Familiennachzug verzeichnet als angenommen“, so Gumz. 

„Auch ein etwas langsameres Wachstum stellt uns vor große Herausforderungen im Bereich Wohnen und Infrastruktur wie Schulen und Kitas“, sagte Oberbürgermeister Schubert. Für diese Probleme müsse man gemeinsam mit Berlin und den Umlandgemeinden nach Lösungen suchen. „Wir müssen weiter am Gesamtwohnungsmarkt arbeiten“, betonte Schubert. Die Entwicklung stehe dabei in einem Spannungsfeld zwischen nachhaltiger Klimapolitik, dem Erhalt der Identität der Stadt und dem Bedarf nach Wohnraum. „Das ist ein komplexer Abwägungsprozess, der Zeit braucht“, so der Oberbürgermeister. Er gab zu bedenken, dass das Potsdamer Stadtgebiet zu elf Prozent aus Gewässer bestehe, zu 30 Prozent aus landwirtschaftlicher Fläche und zu 25 Prozent aus Wald. Nur 23 Prozent seien Siedlungsfläche. 

Bauland wurde wesentlich teurer

Das Haushaltsnettoeinkommen der Potsdamer ist in den vergangenen drei Jahren mit 2050 Euro gleich geblieben. Allerdings sind im gleichen Zeitraum die Kosten und Preise insbesondere im Bereich Wohnen deutlich gestiegen. Bauland ist 2017 zu 2018 massiv teurer geworden: Der Quadratmeter kostete 2017 durchschnittlich 304 Euro, 2018 waren es schon 410 Euro. Innerhalb von fünf Jahren haben sich die Baulandpreise nahezu verdoppelt. 
Beim Thema Beschäftigung ist die Lage gut: Die Arbeitslosenquote lag mit 5,7 Prozent auf dem niedrigsten Stand seit der Wiedervereinigung. Ein Drittel der Beschäftigten arbeitet im öffentlichen Dienst – beim Land und seiner Verwaltung als größter Arbeitgeber der Stadt, bei der Bundespolizei oder der städtischen Verwaltung. 2440 Personen arbeiten für die städtische Verwaltung. Wie berichtet sucht das Rathaus mehr Fachkräfte für die Verwaltung, hat aber Schwierigkeiten, offene Stellen zu besetzen. „Wir stehen zu den anderen öffentlichen Arbeitgebern in Konkurrenz“, sagte Schubert – in Potsdam, aber auch in Berlin. „Wenn etwa die Bundespolizei einen neuen, modernen Standort baut, ist das für uns als Stadt derzeit ein Wettbewerbsnachteil“, erklärte er mit Blick auf manch marodes Gebäude des Verwaltungscampus an der Friedrich-Ebert-Straße. „Wenn wir ein attraktiver Arbeitgeber sein wollen, müssen wir auch attraktive Bedingungen bieten“, so Schubert. Dazu gehörten auch zeitgemäße Arbeitsplätze.

Mehr Brände und mehr Hebammen

Der Statistische Jahresbericht, den die Stadt seit 28 Jahren jährlich veröffentlicht, dient der Verwaltung, aber auch den Politikern der Stadt als eine Grundlage für Entscheidungen, als Indikator für Entwicklungen und Trends. Der mehr als 300-seitige Bericht umfasst nicht nur Zahlen zu Bevölkerungsentwicklung und Wirtschaft, sondern auch viele Einzelindikatoren. So geht aus dem Bericht auch hervor, dass die Zahl der Hebammen in der Stadt deutlich gestiegen ist. 66 Geburtshelferinnen waren in Potsdam registriert, 21 und damit fast ein Drittel mehr als noch 2017. 
Die Zahl der Feuerwehreinsätze ist gesunken – allerdings stieg die Zahl der Brände massiv. 427-mal musste die Feuerwehr zu einem Brand ausrücken, 110-mal mehr als im Vorjahr. 
Auch die Zahl der Unfälle mit Verletzten ist gestiegen, die Statistiker verzeichneten einen Zuwachs um 14,4 Prozent. So wurden 126 Personen mehr als im Vorjahr verletzt. Besonders häufig betroffen waren Radfahrer: 414 Radler wurden bei Verkehrsunfällen verletzt, das waren 81 mehr als im Vorjahr.