• Statistikbericht für Potsdam: Immer mehr, immer mehr, immer mehr ...

Statistikbericht für Potsdam : Immer mehr, immer mehr, immer mehr ...

Potsdams Statistikbericht für 2016 ist da – mit lauter tollen Zahlen. Aber auch einigen weniger schönen. Wir geben einen Überblick.

Potsdam geht es glänzend. Der Beleg für diese an sich ja nicht neue Information wird Jahr für Jahr aufs Neue geliefert – im statistischen Jahresbericht. Mehr Einwohner, mehr Studenten, Schüler und Kita-Kinder, höhere Lebenserwartung, weniger Arbeitslose – und ein Wechsel bei den beliebtesten Vornamen für Babys, das sind nur einige der zahllosen Infos in dem 308 Seiten starken Papier für das Jahr 2016, das Oberbürgermeister Jann Jakobs (SPD) und die Chefstatistikerin im Rathaus, Heike Gumz, am Dienstag vorstellten. Wir geben einen Überblick.

Ungebremster Zuzug

Potsdams Beliebtheit steigt von Jahr zu Jahr und mit ihm die Bevölkerung. 12 705 Neu-Potsdamer registrierte das Einwohnermeldeamt im vergangenen Jahr, gut 600 mehr als 2015. Damit verzeichnete die Landeshauptstadt zum zweiten Mal in Folge den größten Zuzug seit dem Ende des Zweiten Weltkriegs. Die meisten Neu-Potsdamer (gut 2600) kamen aus Berlin, die zweitgrößte Gruppe stellten mit 2576 Menschen Zuzügler aus dem Ausland. Das ist die höchste Zahl seit 1992. Grund dafür ist nicht zuletzt die Zuwanderung aus Bürgerkriegsländern wie Syrien. 12 888 Ausländer lebten Ende 2016 insgesamt in Potsdam, ihr Anteil an der Gesamtbevölkerung stieg damit um ein Prozent auf siebeneinhalb Prozent.

Die Bevölkerung wächst weiter

2016 hat Potsdam erstmals die 170 000- Einwohner-Marke geknackt, zum Jahresende lebten 171 597 Menschen in der Landeshauptstadt. Natürlich ist diese Zahl schon längst wieder überholt. Die aktuellste lieferte Gumz: Mit Stand gestern waren 174 272 Einwohner mit Hauptwohnsitz in Potsdam gemeldet, bis zum Jahresende werde man die 175 000er-Schwelle überschreiten, sagte Gumz. Nachzulesen ist das dann in einem Jahr im nächsten Statistikbericht.

Die Kirche profitiert nur wenig

Sowohl die katholische als auch die evangelische Kirche haben vergleichsweise wenig vom Bevölkerungswachstum. So stieg die Zahl der Katholiken in Potsdam 2016 zwar um gut 200 und die der Protestanten um knapp 240, am größten aber wuchs der Anteil der Menschen sonstiger oder ganz ohne Konfession – um gut 3500 auf insgesamt fast 140 000.

Mehr Geburten, neue Lieblingsnamen

War die Zahl der Geburten 2015 noch leicht zurückgegangen, wurde das im vergangenen Jahr von Potsdams Eltern wieder wettgemacht. 1977 Babys erblickten 2016 das Licht der Welt, fast 200 mehr als im Vorjahr. Am häufigsten wurde bei den Jungen der Vorname Karl vergeben (24-mal), gefolgt von Oskar und Henry, bei den Mädchen führten die Namen Anna und Greta (je 19-mal) das Ranking an, dahinter lagen ebenfalls gleichauf Johanna, Emilia und Hanna.

Immer älter

Nach einem leichten Knick – zumindest bei den Männern – im Jahr 2015 ist die durchschnittliche Lebenserwartung im vergangenen Jahr wieder leicht gestiegen. Statistisch gesehen haben alle 2016 geborenen Jungen die Chance, 78,6 Jahre alt zu werden (2015: 78,3), bei den Mädchen sind es exakt fünf Jahre mehr. Die Zahl der Todesfälle ging 2016 zurück: Mit 1601 starben 19 Menschen weniger als 2015. Seit 2002 hat Potsdam damit einen positiven Geburtensaldo, das heißt, es werden mehr Kinder geboren, als Ältere sterben.

Pendlerzahlen steigen

Potsdam ist eine Stadt der Berufspendler. Dabei bietet die Landeshauptstadt mehr Menschen Arbeit als umgekehrt das Umland den Potsdamern: Die Zahl der Landeshauptstädter, die nach Berlin oder anderswo zur Arbeit fahren, stieg im vergangenen Jahr leicht auf gut 32 000, im Gegenzug pendelten knapp 48 000 Umländer zum Job nach Potsdam.


Gewerbe nehmen zu, Arbeitslosigkeit ab

Mehr als 13 000 Gewerbe waren Ende 2016 in Potsdam angemeldet, ein Plus von knapp 380 gegenüber 2015. Fast 81 500 Potsdamer hatten im vergangenen Jahr einen sozialversicherungspflichtigen Job, gut 1200 mehr als 2015. Das freut auch die Arbeitsagentur: Die Arbeitslosenquote sank von sieben auf 6,7 Prozent. Aktuell ist sie sogar noch niedriger: 5,9 Prozent waren Ende August 2017 ohne Job. Besonders positiv entwickelte sich die Situation bei den Ausländern. Dort stieg der Beschäftigtenanteil um 20 Prozent.

Mehr Sozialhilfeempfänger

Es ist eine der wenigen schlechten Nachrichten im Jahresbericht. Die Zahl der Potsdamer, die Sozialleistungen, etwa Hartz IV, bekommen, stieg 2016 um fast acht Prozent. Besonders zugenommen hat die Zahl jener, die vom Staat Hilfe in besonderen Lebenslagen bekommen – nämlich um etwa 900 auf gut 2400, ein Plus von 56 Prozent. Dieser starke Anstieg sei ebenfalls eine Folge der Aufnahme von Flüchtlingen, sagte Jakobs. Diese Menschen bekämen einmalige Hilfen, etwa für den Kauf von Möbeln. Auch der Anteil von Wohngeldempfängern ist gestiegen – um 40 Prozent. Um 20 Prozent rückläufig waren hingegen die ausgezahlten Leistungen für Asylbewerber.

Auch die Bildung wächst

Fast 22 000 Schüler wurden im Schuljahr 2016/17 in Potsdam unterrichtet, auch dies ein Rekord. Fast jeder vierte besuchte eine Schule in freier Trägerschaft, was ebenfalls eine Zunahme bedeutet. Die Zahl der Kinder, die in Kita oder Hort betreut wurden, kletterte um fast 290 auf exakt 15 629. Auch die Studierendenzahlen stiegen erneut: 24 870 waren an einer der Hoch- und Fachschulen eingeschrieben, gut 120 mehr als im Vorjahr. Beliebteste Fachrichtungen waren Jura, Betriebswirtschaftslehre und Germanistik.

Mehr Autos, mehr Unfälle

90 084 Kraftfahrzeuge waren Ende 2016 in Potsdam registriert, davon waren 71 502 Autos, deren Zahl somit um knapp 1800 stieg. 1133 Potsdamer bekamen einen Führerschein, 100 mehr als im Vorjahr. Auch mehr Unfälle mit Verletzten hat es gegeben, vor allem bei Fahrradfahrern. 330 Radler wurden verletzt, 33 mehr als 2015. „Das spricht dafür, dass wir noch mehr für die Sicherheit von Radfahrern tun müssen“, sagte Gumz, was Jakobs nicht unwidersprochen ließ: „Vor allem müssen die aber selber aufpassen“, grummelte der Rathauschef.

Sanssouci vor Filmpark

Größter Touristenmagnet war 2016 Schloss Sanssouci mit 331 341 Besuchern, ganz knapp gefolgt vom Filmpark mit 330 000. Steigern konnte sich die Biosphäre: Fast 152 000 Menschen pilgerten in die Tropenhalle, gut 4000 mehr als im Jahr zuvor. Im nächsten Statistikbericht dürfte das Ranking allerdings von einer anderen Einrichtung angeführt werden, die erst in diesem Jahr eröffnet wurde – dem Museum Barberini, das bereits stramm auf die 500 000-Besucher-Marke zusteuert.

Sport frei!

Potsdam wird auch immer sportlicher: Die Zahl der Vereine wuchs das fünfte Jahr in Folge auf inzwischen 157, in denen insgesamt 30 354 Potsdamer organisiert sind – auch dies ein neuer Rekord und ein Plus von fast fünf Prozent. Besonders stark ist der Zuwachs bei den Kleinsten: 1733 Kinder zwischen null und sieben Jahren waren 2016 Mitglied in einem Sportverein, das ist eine Steigerung um 37 Prozent gegenüber dem Vorjahr.

Das liebe Geld

Das durchschnittliche Nettoeinkommen der Potsdamer Haushalte ist ebenfalls gestiegen – um 150 Euro auf 2050 Euro. Bei einem Viertel aller Haushalte liegt der Nettoverdienst allerdings deutlich höher, nämlich jenseits von 3200 Euro. Auf der anderen Seite haben elf Prozent der Haushalte monatlich weniger als 900 Euro zur Verfügung.