• Stark steigende Corona-Zahlen in Potsdam: Bundeswehr hilft wieder im Gesundheitsamt

Stark steigende Corona-Zahlen in Potsdam : Bundeswehr hilft wieder im Gesundheitsamt

In Potsdam sind vor allem Schulkinder vom dynamischen Anstieg der Zahl der Neuinfektionen betroffen. In manchen Stadtteilen werden schon die Schnelltests in den Läden knapp.

Die Brandenburger Straße in Potsdam.
Die Brandenburger Straße in Potsdam.Foto: Ottmar Winter

Potsdam - Die Corona-Zahlen in Potsdam steigen rasant weiter. Am Mittwoch meldete die Stadt 87 neue Infektionen innerhalb von 24 Stunden – so hoch war der Wert zuletzt Mitte Januar. Die Sieben-Tage-Inzidenz liegt nun bei 227,9 Neuinfektionen auf 100.000 Einwohner innerhalb der vergangenen sieben Tage. Das sind rund 70 Prozent mehr als vor einer Woche. In ganz Brandenburg wuchs die Zahl der Neuinfektionen im gleichen Zeitraum um rund 90 Prozent.
Zudem wurden am Mittwoch in Potsdam zwei Verstorbene im Zusammenhang mit einer Covid-Erkrankung gemeldet. Es waren die ersten Corona-Todesfälle seit Mitte Oktober. Damit liegt die Zahl der mit oder am Coronavirus gestorbenen Menschen in Potsdam nun bei 250 seit Beginn der Pandemie – bei mehr als 9000 Erkrankten.

Bergmann-Klinikum verschiebt Operationen

In den Kliniken der Stadt steigt die Zahl der Covid-Patient:innen derzeit langsamer – 32 infizierte Menschen werden behandelt, davon sieben auf der Intensivstation. Vor einer Woche waren es 26 Betroffene. Das Bergmann-Klinikum hat wegen der Lage bereits wieder eine Covid-Station mit 21 Normal- und zehn Intensivbetten eingerichtet – und nach eigenen Angaben in den vergangenen drei Tagen rund 15 bis 20 Prozent aller planbaren Operationen verschoben. Allerdings würden Notfälle, Krebs-OPs sowie Behandlungen von Erkrankten mit einem hohen Risiko der Verschlechterung des Krankheitsbildes ohne Einschränkung durchgeführt, sagte Klinikumchef Hans-Ulrich Schmidt den PNN am Mittwoch auf Anfrage. Mit anderen Krankenhäusern im Land fänden regelmäßige Telefon- und Videokonferenzen zur Abstimmung statt, hieß es weiter.

Die Bundeswehr hilft wieder

Unterdessen hilft im Potsdamer Gesundheitsamt, das zuletzt mit seinen 25 Mitarbeitenden in der Kontaktverfolgung erneut an personelle Grenzen gestoßen war, wieder die Bundeswehr aus. Die ersten zehn Soldat:innen sollen am Donnerstag (11.11.) ihren Dienst aufnehmen, sagte eine Stadtsprecherin auf PNN-Anfrage. Die Abstimmung über weitere Kräfte erfolge mit dem Gesundheitsministerium des Landes, das wieder die zentrale Steuerung der Hilfeersuchen der Kommunen übernommen habe.

1768 Kinder in Quarantäne

Vor allem in Kitas und Schulen ist die Lage angespannt. Von insgesamt 43.592 Kindern und Jugendlichen in diesen Einrichtungen in Potsdam seien aktuell 220 Kinder und 22 Mitarbeitende positiv auf das Virus getestet, rund 60 Prozent davon aus Grundschulen. Am Montag waren es noch rund 200 Personen aus dem Bereich. Zugleich seien nun 1768 Kinder und Jugendliche als Kontaktpersonen in Quarantäne – 170 mehr als noch am Montag. Die Betroffenen müssen nun ohne die Möglichkeit des verfrühten Freitestens zehn Tage ab Kontakt mit einer infizierten Person isoliert zu Hause bleiben. An nunmehr sechs Grundschulen – quer verteilt über das Stadtgebiet – gelte wegen erhöhter Fallzahlen wieder eine vom Gesundheitsamt erlassene Maskenpflicht, so die Stadtsprecherin.

Besonders betroffen ist derzeit das Bornstedter Feld, allein für die dortige Karl-Foerster-Grundschule hatte die Stadtverwaltung mehr als 30 Infektionsfälle melden müssen. Das hat nun auch andere Folgen: So berichteten Anwohner den PNN und in den sozialen Medien davon, dass vor Ort in den Drogerien und Supermärkten die Corona-Schnelltests zur Neige gehen oder schon ausverkauft sind. Auch in den „dm“-Drogeriemärkten im Hauptbahnhof und im Stern-Center gab es am Mittwoch Schnelltests nur noch in begrenzten haushaltsüblichen Mengen zu kaufen, berichteten Leser den PNN.

Personalkrise in manchen Kitas

Zu schaffen macht die aktuelle Lage auch Kitaträgern. So bestätigte ein Sprecher der in Potsdam mit knapp einem Dutzend Einrichtungen vertretenen Fröbel-Gruppe, dass sich die Personalsituation zuspitze. „Aktuell sind rund elf Prozent unserer Mitarbeitenden in Potsdam krankheitsbedingt nicht im Dienst“, hieß es auf PNN-Anfrage. Man habe den Eindruck, dass auch die normale Erkältungswelle in diesem Jahr etwas stärker zuschlage als in der Vergangenheit. Dazu kämen die derzeitigen Corona-Quarantänen und Erkrankungen.

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