• Stadtplanung: Sozialwohnungen in Potsdams Mitte

Stadtplanung : Sozialwohnungen in Potsdams Mitte

Pro Potsdam will ein Angebot für das geplante Karree am Bildungsforum abgeben. An anderer Stelle könnte bereits 2018 gebaut werden.

Wie soll Potsdams Mitte künftig aussehen? Vorschläge gibt es in der Infobox am Alten Markt.
Wie soll Potsdams Mitte künftig aussehen? Vorschläge gibt es in der Infobox am Alten Markt.Foto: Andreas Klaer

Innenstadt - Für den weiteren Wiederaufbau der Potsdamer Mitte schlägt die kommunale Pro Potsdam die nächsten Pflöcke ein. Für den sogenannten Block IV, die spätere Neubebauung rund um das Bildungsforum, will das Unternehmen der Stadt ein Angebot für den Bau von Sozialwohnungen unterbreiten. Das sagte Pro-Potsdam-Chef Bert Nicke den PNN auf Anfrage.

Zunächst gehe es um insgesamt 41 Wohnungen, die auf drei Grundstücken an der Friedrich-Ebert-Straße entstehen sollen – zwischen Bildungsforum und geplantem Acht-Ecken-Haus an der verlängerten Schwertfegerstraße. Wenn das Land das Vorhaben fördere ließen sich Nettokaltmieten von 5,50 Euro pro Quadratmeter für Besitzer eines Wohnberechtigungsscheins (WBS) realisieren, so Nicke.

Anzahl Sozialwohnungen könnte ausgebaut werden

Auf einen WBS hat Anspruch, wer weniger als 1000 Euro im Monat verdient. Für die zweite, sogenannte WBS-plus-40-Stufe, soll es ebenfalls Wohnungen geben, die dann für sieben Euro pro Quadratmeter vermietet werden sollen. Das betrifft Menschen mit Einkommen von monatlich unter 1400 Euro. Möglicherweise könne der Anteil der Sozialwohnungen im Block IV auch noch ausgebaut werden, sagte Nicke. Dies werde derzeit noch geprüft.

Wann die Ausschreibung der insgesamt neun Grundstücke des Blocks IV startet, ist noch unklar. Derzeit läuft bekanntlich das Verfahren für den Block III zwischen Altem Markt, Friedrich-Ebert-, Schwertfeger- und Kaiserstraße. Letztere soll nach historischem Vorbild von der Straße Am Kanal zum Alten Markt führen, dort entlang, wo sich bis vor Kurzem noch die Grünanlagen des Staudenhofs befanden.

Die Karrees der Blöcke III und IV entstehen weitgehend auf dem Areal der aus DDR-Zeiten stammenden Fachhochschule, deren Abriss vor wenigen Wochen offiziell begonnen hat und der im Herbst 2018 beendet sein soll. Geplant sind bekanntlich Neubauten historischer Kubatur, teilweise auch mit originalgetreuen Fassaden. Die von den Bietern eingereichten Entwürfe sind noch bis zum morgigen Samstag in der Roten Infobox am Alten Markt zu besichtigen.

Erste Auswahl in wenigen Wochen

Anfang Dezember werde die Fachjury aus den 37 Entwürfen eine Auswahl treffen, die Bewerber können ihre Konzepte dann weiter konkretisieren. Er sei erfreut über die Qualität der eingereichten Arbeiten, sagte Baudezernent Bernd Rubelt gestern den PNN. Wie berichtet haben sich auch drei große Potsdamer Wohnungsgenossenschaften um Grundstücke beworben. Neben historischen oder historisierenden Fassadenentwürfen gibt es auch moderne, darunter solche, die die Wabenelemente der Fachhochschule aufgreifen. Im März will die Jury entscheiden, wer den Zuschlag erhält, noch vor der politischen Sommerpause sollen die Stadtverordneten die Wahl absegnen.

Nicke rechnet danach mit rund einem Jahr Planungszeit, bevor sich wohl ab 2019 dort die Baukräne drehen. Damit angesichts der unterschiedlichen Bauherren und des begrenzten Platzes kein Chaos entsteht, hat die Pro Potsdam ein Konzept für die Baulogistik erarbeiten lassen, an das sich alle Bauherren verbindlich zu halten haben.

Bis ins Kleinste sei dort ausgearbeitet, wo für jedes Grundstück die Baucontainer, die Kräne und die Lagerflächen zu finden sind, erklärte Nicke. Für die Anlieferung von Baumaterial habe man sogar ein Ticketsystem entwickelt, das die Zufahrt der Lkw auf die Baustellen regele, damit sich die Laster nicht in der Innenstadt stauen. Das System erlaube es sogar, dass alle Bauherren gleichzeitig loslegten, so Nicke. Wenn alles gut läuft, könnte das Karree 2021 fertig sein. Block IV soll mit einem zeitlichen Abstand von zwei Jahren folgen.

Zukunft des Staudenhof-Blocks noch offen

Noch offen ist die Zukunft des sogenannten Blocks V, der das Areal des heutigen Staudenhof-Wohnblocks umfasst. Der genießt noch bis 2022 Bestandsschutz. Ob eine Sanierung wirtschaftlicher wäre als ein Abriss und anschließender Neubau in historischer Struktur, wird noch untersucht. Die Linke hatte diese Prüfung im vergangenen Jahr zur Bedingung für ihre Zustimmung zum Mitte- Kompromiss gemacht.

Von den gut 180 Wohnungen im Staudenhof-Wohnblock seien derzeit noch 80 unbefristet, 97 Mietverträge enden am 31. Dezember 2022, sagte ProPotsdam- Sprecherin Anna Winkler. Sollte der Wohnblock abgerissen werden, muss die ProPotsdam im Umfeld für Ersatz sorgen, so hatten es die Stadtverordneten beschlossen. Möglich sei etwa, dass ein Teil der Bewohner in die im Block IV geplanten Sozialwohnungen umzieht, so Nicke.

An anderer Stelle der Potsdamer Mitte sollen sich bereits im kommenden Jahr die Baukräne drehen. Die Bürgerstadt AG, die den Zuschlag für den Wiederaufbau des Acht-Ecken-Hauses an der Friedrich-Ebert-/Ecke Schwertfegerstraße und das benachbarte Grundstück an der Ecke zur Schloßstraße bekommen hat, steht offenbar kurz vor dem Baustart. Für das Acht-Ecken-Haus, in dem Wohnungen für Musiker entstehen sollen, wurde die Baugenehmigung bereits erteilt.

Die Bürgerstadt AG will das Gebäude möglichst zeitgleich mit dem Eckgrundstück zur Schloßstraße entwickeln, dessen Bebauung sich an dem Vorgängerbau, dem Wirtshaus „Zum Einsiedler“ mit seinem markanten Portikus, orientieren soll. Im „Einsiedler“ will die Mittelbrandenburgische Sparkasse eine Filiale eröffnen, zudem sind acht Wohnungen geplant.