• Stadtentwicklung in Potsdam: Wie im Bornstedter Feld ein neuer Stadtplatz entsteht

Stadtentwicklung in Potsdam : Wie im Bornstedter Feld ein neuer Stadtplatz entsteht

Bislang war das Projekt nur wenig bekannt: Investoren planen am neuen Annemarie-Wolff-Platz 30 Wohnungen für Familien. In dem neuen Zentrum sollen sich auch Ärzte ansiedeln.

Auf der Baustelle Georg-Herrmann-Allee/Kiepenheuer Straße werden derzeit die Tiefgaragen gebaut – bis 2020 soll das Karree entwickelt sein.
Auf der Baustelle Georg-Herrmann-Allee/Kiepenheuer Straße werden derzeit die Tiefgaragen gebaut – bis 2020 soll das Karree...Foto: Andreas Klaer

Potsdam - Potsdams Norden bekommt ein neues Zentrum: Auf der nordöstlichen Ecke der Kreuzung Kiepenheuerallee/Georg-Hermann-Allee im Bornstedter Feld soll ein großer öffentlicher Platz entstehen. Diese Idee gibt es zwar schon lange, doch das Vorhaben ist bislang wenig bekannt. Am Donnerstagabend stellten die beiden Potsdamer Investoren Christian Daniel und Rainer Rothkegel das Projekt auf der Sitzung der Interessenvertretung Bornstedter Feld vor.

Im Herbst 2020 soll der Platz fertig sein

Neben dem neuen Platz sollen auf dem 4800 Quadratmeter großen Grundstück auch drei etwa 15 Meter hohe Häuser entstehen, die durch ein gemeinsames Sockelgeschoss miteinander verbunden sein werden. Die Bauarbeiten für die beiden ebenfalls geplanten Tiefgaragen laufen bereits. Weithin sichtbar sind derzeit die zwei Baukräne, die schon auf dem Grundstück stehen. Im Herbst 2020 sollen die Gebäude und der Platz fertig sein.

Wie Christian Daniel erläuterte, werden etwa 40 Prozent der Fläche des Gesamtgrundstücks überbaut. Zur Investitionssumme wollten sich Rothkegel und Daniel nicht äußern. Man wolle das Anwesen im eigenen Bestand halten und die Wohn- und Gewerbeeinheiten vermieten. Welche Firmen in die Gewerbeflächen einziehen, steht zum großen Teil noch nicht genau fest. Zwei Allgemeinärzte haben laut Daniel bereits zugesagt. Derzeit suche man noch nach weiteren Medizinern. Wahrscheinlich werde sich auch eine Apotheke ansiedeln. Ein Café mit Backshop ist den Investoren zufolge ebenfalls gut denkbar. Dies stieß jedoch bei der Vorstellung der Pläne am Donnerstag bei einigen Teilnehmern der Runde auf Skepsis. Man habe in der Umgebung genügend Backshops. Gebraucht werde vielmehr ein richtiges Restaurant. Matthias Finken (CDU), Vorsitzender der Interessenvertretung Bornstedter Feld, sagte, es gebe derzeit kein Lokal in der Umgebung, in dem man abends noch gemütlich zusammen sitzen könne.

Geplant sind 30 Wohnungen

In den drei neuen Häusern, die oberhalb des gemeinsamen Sockelgeschosses drei weitere Stockwerke besitzen werden, sind außer den Gewerbeeinheiten auch rund 30 Wohnungen geplant. Der Fokus liege dabei auf den Bedürfnissen von Familien, sagt Daniel. Daher soll es viele Drei- und Vierzimmerwohnungen geben. Aber es sind auch möblierte „Mikroappartements“ mit lediglich 18 bis 25 Quadratmetern Wohnfläche vorgesehen.

Entworfen hat die Häuser der Berliner Architekt Yves Päschke. Der Entwurf sieht für die drei oberen Stockwerke bodentiefe Fenster und Putzfassaden vor. Im Erdgeschoss wird die Fassade aus Holz sein.

Auch ein Name ist schon gefunden

Der neue Stadtplatz vor den Häusern, entworfen vom Berliner Landschaftsarchitekturbüro Klein, wird den Namen Annemarie Wolff tragen, benannt nach der Heilpädagogin Annemarie Wolff-Richter. Eigentlich trägt das Areal bereits seit 20 Jahren diesen Namen. Doch erst nach Abschluss der Bauarbeiten wird die Fläche als gestalteter Stadtplatz erlebbar sein.

Wolff-Richter wurde im Jahr 1900 in Breslau geboren und 1945 im Konzentrationslager Jasenovac in Kroation ermordet. Die Heilpädagogin betrieb ab Mitte der 1920er-Jahre ein Kinderheim in Berlin, in dem psychisch kranke und gesunde Kinder lebten. Viele Sprösslinge aus intellektuellen und jüdischen Kreisen fanden hier Aufnahme. Von den Nazis wurde Wolff-Richter verfolgt. Man hatte ihr eine jüdisch-marxistische Haltung vorgeworfen. Daraufhin emigrierte Wolff-Richter nach Prag und dann nach Kroatien. Der nun entstehende Platz in Potsdam soll auch optisch an einige ihrer Lebensstationen erinnern.