• Sportstätten in Potsdam: "Nowawiese" steht unter Wasser

Sportstätten in Potsdam : "Nowawiese" steht unter Wasser

Der neue Sportplatz Nowawiese wurde erst im September eröffnet - und ist jetzt wieder gesperrt. Es ist nicht das einzige Sportstättenproblem in Potsdam.

Gesperrt. Die Nowawiese.
Gesperrt. Die Nowawiese.Foto: C. Freytag

Wer billig baut, muss mit Problemen rechnen: Der erst im September eröffnete Sportplatz „Nowawiese“ am Babelsberger Park ist schon wieder gesperrt – seit mehreren Wochen. Grund: Der für knapp 500 000 Euro errichtete Rasenplatz steht unter Wasser, nachdem der Kommunale Immobilienservice (Kis) aus Kostengründen auf eine funktionierende Drainage zur Entwässerung verzichtet hat. „Es ist eingetreten, was wir befürchtet haben“, sagte am Montag der Vorsitzende des Fußballvereins Concordia Nowawes, Alexander Kallenbach, den PNN auf Anfrage. Der Verein sei nun wieder auf Notlösungen angewiesen, um Trainingszeiten zu gewährleisten – und das in der ohnehin angespannten Lage für Potsdams Sportvereine, da in der wachsenden Stadt zu wenig Sportflächen vorhanden sind.

Schon während der Bauzeit hatte der Verein vor einem Sportplatz ohne Drainage gewarnt – weil dadurch erheblich höhere Folgekosten zu befürchten seien, wie es schon im März 2015 in einer Mitteilung von Concordia hieß. Denn unter dem Platz befindet sich eine Menge Bauschutt, der das Abfließen von Wasser behindert. Daher hatte die Stadt zunächst eine voll funktionsfähige Drainage für 100 000 Euro erwogen, dann aber wieder verworfen. Kallenbach sagte, seit den Regenfällen im Oktober stehe der Platz unter Wasser. Es sei daher zu befürchten, dass der Platz künftig nur einige wenige Monate im Jahr zur Verfügung stehe.

Stadt: Die Sportler seien selbst verantwortlich

Die Stadt wies die Vorwürfe zurück – und schob den Schwarzen Peter zu den Stadtverordneten. Ein „DIN-konformer Platzausbau“ hätte Zusatzkosten von 100 000 Euro verursacht, sagte Rathaussprecher Markus Klier. Der Kis habe die Kommunalparlamentarier vor Baubeginn darauf hingewiesen, dass der Platz bei einem von der Norm abweichenden Aufbau bei „bestimmten Witterungssituationen empfindlicher auf Nässe reagiert und somit im Vergleich zu anderen Plätzen etwas längere Ruhezeiten benötigt“. Nicht zuletzt liege das an den Bodenverhältnissen. Allerdings hätten die Stadtverordneten das Projektbudget im Zuge des Doppelhaushalts 2015/2016 nicht um die erforderliche Summe erhöht, so Klier. Für die Unbespielbarkeit des Platzes machte der Sprecher aber auch die Sportler selbst verantwortlich: Die Nowawiese habe auch deswegen gesperrt werden müssen, weil auf der Anlage über die festlegten Nutzungszeiten hinaus gespielt worden sei.

Die Nowawiese ist nicht der einzige Platz, wegen dem speziell der Kis in der Kritik steht. Ärger gibt es auch um den Sportplatz Am Kahleberg, der als öffentliche Sportanlage von vier Vereinen und einer Schule genutzt wird. Zugleich stehen auf dem Areal vier Baucontainer, die als Abstellkammer, Toilette, Umkleide- und Vereinsraum dienen – und die sich laut Linke-Kreischef Sascha Krämer in untragbarem Zustand befinden würden. Unter anderem seien die sanitären Anlagen defekt, sowie das Dach des Umkleidecontainers undicht. Der Kunstrasenplatz selbst sei an manchen Stellen schon löchrig. Mit einer Kleinen Anfrage an die Stadtverwaltung erkundigte er sich nun über mögliche Gegenmaßnahmen.

Nur Reparaturen, keine Sanierung

Doch die Antwort des Kis enttäuschte Krämer: „Das zeugt von Unkenntnis.“ Der Kis hatte erklärt, eine Prüfung vor Ort habe ergeben, dass keine Defekte an den Sanitäranlagen zu verzeichnen seien. Ein Austausch der Container sei ebenso nicht möglich, für 2017 wurde einzig ein zusätzlicher Lagercontainer in Aussicht gestellt. Auch die Schäden an dem Platz selbst seien nur gering – daher seien nur Reparaturen, aber keine Sanierung geplant. Zugleich aber beklagt der Kis, unsachgemäße Nutzungen und Vandalismus hätten zu einem starken Verschleiß der Anlage geführt.

Der Platz beschäftigt aktuell auch die Stadtverordneten, weil dessen Sanierung eine der zentralen Forderungen des Bürgerhaushalts ist. Auch hierzu hatte die Stadtverwaltung schon festgestellt, eine Generalsanierung sei erst mittelfristig erforderlich. Dagegen hat der Bildungsausschuss der Stadtverordneten bereits mindestens Teilsanierungsmaßnahmen gefordert – und eine Platzbeleuchtung. Dem müssen noch die Stadtverordneten ihren Segen geben, ein Beschluss könnte im Januar gefasst werden.

Solche Sportplätze sind freiwillige Aufgaben der Stadtverwaltung

Immer wieder beklagen Sportler, dass in Potsdam zu wenig Plätze vorhanden sind – oder diese sich in schlechtem Zustand befinden. So wird schon seit Jahren erfolglos die Sanierung des Vereinsheims von Fortuna Babelsberg auf dem Sportplatz „Am Stern“ gefordert, auch hier gilt der Sanitärtrakt als Hauptproblem. Allerdings sind solche Sportplätze freiwillige Aufgaben der Stadtverwaltung, wie zuletzt Finanzdezernent Burkhard Exner (SPD) bei der Vorstellung der Haushaltspläne für Potsdam betonte. Gleichwohl würden speziell für den Schulsport, damit aber auch für Freizeitvereine, bis 2020 neue Hallenkapazitäten gebaut: Insgesamt 29 Hallenfelder würden dann zusätzlich zur Verfügung stehen, wie es im aktuellen Sportförderbericht steht. Im Vergleich mit den anderen kreisfreien Städten im Land stelle Potsdam deutlich mehr Zuschüsse für den Sport zur Verfügung – bis zu 15 Millionen Euro im Jahr. Allerdings sind in der Rechnung auch knapp 5,4 Millionen Euro für den Sportpark Luftschiffhafen und 1,7 Millionen Euro für die Stadtbäder enthalten. Zum Vergleich: Für 21 einfache Sportplätze und Hallen zahlt Potsdam nach einer Aufstellung aus dem Rathaus jährlich bloß knapp 1,1 Mio Euro Betriebskosten.

 

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