• Sportgerichtsurteil: Jakobs stellt sich hinter den SV Babelsberg 03

Sportgerichtsurteil : Jakobs stellt sich hinter den SV Babelsberg 03

Der Potsdamer Oberbürgermeister Jann Jakobs (SPD) stellt sich im Streit um ein Sportgerichtsurteil des Nordostdeutsches Fußballverbandes (NOFV) hinter den SV Babelsberg 03.

Alexander Fröhlich
Potsdams OB Jann Jakobs (SPD) hat sich nach seiner Abstimmung im Kuratorium der Garnisonkirche-Stiftung gerechtfertigt.
Potsdams OB Jann Jakobs (SPD) hat sich nach seiner Abstimmung im Kuratorium der Garnisonkirche-Stiftung gerechtfertigt.Foto: A. Klaer

Potsdam - Der Potsdamer Oberbürgermeister Jann Jakobs (SPD) hat sich als Vorsitzender des Bündnisses „Potsdam bekennt Farbe“ im Streit um eine Sportgerichtsurteil des Nordostdeutsches Fußballverbandes (NOFV) solidarisch mit dem Regionalligisten SV Babelsberg 03 erklärt. „Es kann nicht sein, dass der Verein dafür bestraft werden soll, weil sich seine Anhänger gegen rechtsradikale und fremdenfeindliche Gesänge und Parolen von Gästefans im Karl-Liebknecht-Stadion gewehrt haben“, sagte Jakobs am Freitag den PNN.


Wie berichtet hatte das Sportgericht den SVB zu einer Strafe von 7000 Euro verdonnert – weil 03-Fans am 28. April beim Spiel gegen den FC Energie Cottbus im Karl-Liebknecht-Stadion rund hundert Rechten und Neonazis im Gästeblock von FC Energie Cottbus zugerufen haben: „Nazischweine raus“ – und weil Pyrotechnik abgefackelt wurde. Der SVB hatte gegen das Urteil protestiert – ohne Erfolg. Eine Berufungsverhandlung wurde abgelehnt, ebenso eine Wiederaufnahme des Verfahrens.

Jakobs würdigte Babelsbergs Engagement gegen Rassismus

Dem FC Energie hingegen, dessen Fans ebenfalls Raketen und Böller zündeten, vor allem aber den Hitlergruß gezeigt und „Arbeit macht frei, Babelsberg 03“ skandiert hatten, wurde ein Teil der Strafe erlassen. Die Babelsberger sollen mehr zahlen als der FC Energie. Wie berichtet zieht der SVB nun vor ein Zivilgericht.


Jakobs stellte sich nun am Freitag hinter den SV Babelsberg 03 und würdigte das Engagement des Vereins gegen Rassismus und Rechtsextremismus. So wie das Bündnis „Potsdam bekennt Farbe“ sich dafür engagiere, „dass Nazis und Rechtsextreme keinen Fuß in die Stadt bekommen und sich bei rechten Aufmärschen und Kundgebungen in vorderster Reihe der Widersacher und Protestbewegung einreiht, so sehr schätzt das Bündnis das Engagement des SV Babelsberg 03 für Vielfalt und Toleranz“, sagte Jakobs. „Wegen dieser Werte ist der SV Babelsberg 03 Mitglied im Bündnis ,Potsdam bekennt Farbe‘“. Und deshalb „stehen wir hinter dem Verein, wenn er diese Werte verteidigt.“

Resonanz auf PNN-Artikel war enorm

Die PNN hatten sich in dieser Woche in einem Beitrag mit dem Titel „Skandalöse und eklatante Ungerechtigkeit“ den Vorgängen beim Sportgericht gewidmet. Im Internet und in den sozialen Medien war die Resonanz enorm. Der SV Babelsberg selbst erklärte danach: „Wir lassen uns nicht verbieten, sich gegen Nazis zu wehren.“ Dabei bezog sich der Verein auf eine Erklärung des Deutschen Fußballbundes (DFB). Der hatte nach „Sieg Heil“-Rufen deutscher Fans bei einem Länderspiel Anfang September in Prag erklärt, man werde niemals faschistische und rassistische Kommentare dulden. Der SVB wirft dem NOFV-Gericht nun Willkür vor. Es mache mit seinem Urteil rechtes Gedankengut in Fußballstadien salonfähig. Wie berichtet hatte das Amtsgericht Potsdam Ende August einen Cottbus-Fan wegen des Zeigen des Hitlergrußes zu einer Geldstrafe von 3600 Euro verurteilt.