• Streit um Soziokultur in Potsdam: Freiland-Plenum kritisiert Stadtwerke

Soziokultur in Potsdam : Freiland-Plenum kritisiert Stadtwerke

Nach dem Kompromiss zum Pachtvertrag des Jugendzentrums kritisieren Freiland-Nutzer das Agieren der Stadtwerke. 

Das Freiland: Nun sollen unter anderem die Stadtverordneten beraten, wie es mit dem Jugendzentrum weitergehen könnte. Ziel: Eine langfristige Lösung.
Das Freiland: Nun sollen unter anderem die Stadtverordneten beraten, wie es mit dem Jugendzentrum weitergehen könnte. Ziel: Eine...Foto: A. Klaer

Teltower Vorstadt - Nach der lange umstrittenen Verlängerung des Pachtvertrags für das alternative Freiland-Jugendzentrum melden sich die Nutzer des Areals zu Wort – mit harscher Kritik an den kommunalen Stadtwerken als Eigentümerin des Geländes. Diese hätten das Projekt gefährdet, heißt es in einer aktuell verbreiteten Erklärung des Freiland-Nutzerplenums: „So wurde durch die Zuständigkeitsverweigerung der Stadtwerke der rechtliche und offizielle Status des Kulturzentrums aufs Spiel gesetzt.“ Zudem sei im Ergebnis eines erst in letzter Minute gefundenen Kompromisses das Gelände verkleinert worden, beschweren sich die Nutzer.

Nutzer: Zusammenarbeit mit den Stadtwerken wurde immer schwieriger

Das Freiland war 2011 nach langen Debatten auf dem Gelände der Stadtwerke eröffnet worden, als Reaktion auf eine Krise in der Soziokultur, nachdem andere Klubs hatten schließen müssen. Doch infolge der Unstimmigkeiten und Skandale bei den Stadtwerken sei die Zusammenarbeit immer schwieriger geworden, so das Plenum. Tatsächlich hatte der amtierende Stadtwerke-Chef Horst Müller-Zinsius den Pachtvertrag nicht mehr verlängern wollen – er sieht Freiland als städtische Aufgabe. Das Zentrum wird von 50 Vereinen genutzt, die Stadt zahlt 190 000 Euro pro Jahr. Allerdings hatten die Stadtverordneten im Juni mit einem Beschluss verfügt, dass der Pachtvertrag noch ein Jahr verlängert werden muss – bis eine andere Lösung gefunden wird. Doch hätte die Führung des Unternehmens danach Freiland „mit unzumutbaren und komplett neuen Forderungen hingehalten“, so das Plenum, das von einem „Ausbluten“ auf verwaltungstechnischem Wege spricht.

Die Stadtwerke reagierten am Montag versöhnlich. Ein Sprecher sagte auf PNN-Anfrage, der neue Vertrag sei von allen Seiten unterzeichnet worden, auch vom Freiland-Betreiber. Der neue Vertrag gebe nun allen Seiten Rechtssicherheit und ausreichend Zeit, eine langfristige Lösung für Freiland zu finden

Begleitgremium gebildet

Bis Ende des Jahres sollen wie berichtet Szenarien und Handlungsempfehlungen für eine langfristigen Weiterführung des alternativen Jugendzentrums „Freiland“ vorliegen. Das hat das Kulturamt zuletzt den Stadtverordneten mitgeteilt. Für die Lösungssuche wird demnach ein Gremium unter Führung des Kulturdezernats von Noosha Aubel (parteilos) konstituiert, in dem Rathaus, die Stadtwerke als Eigentümer des Grundstücks, die „Freiland“-Betreiber und -Nutzer sowie Stadtverordnete sitzen.