Potsdam : Sonnenlaube erträumt

Restaurierter Gartenpavillon wurde eingeweiht

Erhart Hohenstein

Restaurierter Gartenpavillon wurde eingeweiht Sanssouci - Die Sonnenlaube nahe dem Freundschaftstempel hat Prof. Jörg Thiede entdeckt, als er Anfang der 90er Jahre abends von einem Termin an der Universität durch den Park zurücklief. Da hatte er den Traum, diesen Gartenpavillon zum Treffpunkt eines akademischen Gesprächskreises zu machen. Im Gehölz versteckt, bot das unter König Friedrich dem Großen 1770 aufgestellte Bauwerk allerdings einen traurigen Anblick. Das eiserne Gitterwerk zeigte sich beschädigt und ohne Farbe, die Musikinstrumente und Blüten darstellenden Festons waren verloren gegangen. Auch die goldenen Sonnen über den Eingängen fehlten. Thiede, der in Babelsberg ein Unternehmen für Systemberatung führt, erfüllte sich den Traum trotzdem. Er spendete über seine Dr. Jörg-Thiede-Stiftung eine namhafte Summe, die die Restaurierung der Laube ermöglichte. Gitterwerk, Sonnen und Festons, von denen teilweise noch Fragmente vorhanden waren, wurden durch die Hofschmiede der Domäne Dahlem und den Berliner Kunstschmied Helmich erneuert. Den grünen Anstrich erhielt die Laube durch die Maler des Schirrhofs zurück. Auch die Bänke wurden wiederhergestellt. Dafür übernahm der Potsdamer Steinmetz Kamann die Naturstein-, der Berliner Tischler Tober die Holzarbeiten. Die Kosten betrugen einschließlich des Eigenanteils der Stiftung Preußische Schlösser und Gärten 237 000 Euro. Bei der Einweihung der Laube dankte Stiftungs-Generaldirektor Hartmut Dorgerloh Prof. Thiede für dessen Engagement. Er wies darauf hin, dass gleichzeitig die umliegende Parkpartie einschließlich ihrer Wegeführung wieder hergestellt worden ist. Sie war 1767 in der damals überraschend modernen Form eines „englischen Gangs“ angelegt und von Lenné überformt worden. Die Partie verlor ihr Gesicht, als die Flächen im Zweiten Weltkrieg 1940 umgebrochen und für den Anbau von Wintergemüse genutzt wurden. Bei der Rekonstruktion kam den Gartendenkmalpflegern um Gerd Schurig ein Plan Gustav Meyers zugute, auf dem auch die Gehölzarten vermerkt waren. Auf der Einweihungsfeier, die durch den Flötisten Ulrich Roloff mitgestaltet wurde, hielt Prof. Dr. Jörg Thiede einen Kurzvortrag „Antimachiavell - ein Traum“. In diesem in Rheinsberg verfassten Jugendwerk hatte Kronprinz Friedrich als oberstes Ziel eines Herrschers bezeichnet, für das Wohl des Volkes zu wirken und dessen erster Diener zu sein. Damit erntete er Bewunderung bei führenden Vertretern der europäischen Aufklärern, so Voltaire. Als König folgte er in seiner auch durch Eroberungskriege gekennzeichneten Regierungspraxis dieser Maxime nicht. Sie blieb ein Traum. Im Anschluss an die Feier folgten zahlreiche Eröffnungsgäste der Einladung Prof. Jörg Thiedes zu einem Abschiedstoast in die von ihm als Wohn- und Firmensitz genutzte Saltzmann-Villa in Babelsberg.Erhart Hohenstein

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