• Serie "Potsdam schenkt": PNN-Leser haben fast alle Wünsche erfüllt

Serie "Potsdam schenkt" : PNN-Leser haben fast alle Wünsche erfüllt

Geben bringt Segen: Bei der PNN-Aktion „Potsdam schenkt“ haben Leserinnen und Leser der PNN viele Wünsche erfüllt – wir danken ihnen von Herzen!

Jouline-Kim Luers (2.v.rechts) freut sich über Konzertkarten für Sarah Connor in der Berliner Waldbühne. Der Spender Mario Auping überbrachte mit seinen Kindern auch Kinderkleidung und einen Gutschein.
Jouline-Kim Luers (2.v.rechts) freut sich über Konzertkarten für Sarah Connor in der Berliner Waldbühne. Der Spender Mario Auping...Foto: Andreas Klaer

Potsdam - Der Kühlschrank war am kompliziertesten, die Konzerttickets erreichten die Empfängerin am schnellsten – und die Trainingslager-Kosten wurden um das Doppelte übertroffen: So unterschiedlich die Geschichten der sechs Teilnehmer an der PNN-Aktion „Potsdam schenkt“ waren, so unterschiedlich verlief auch die Erfüllung ihrer Wünsche. Dank engagierter Leserinnen und Leser der PNN, die oftmals viel Geld in die Hand nahmen und nicht selten großen Aufwand betrieben, um einem Mitmenschen zu helfen, konnte am Ende jedem das ersehnte Weihnachtsgeschenk übergeben werden – zumindest fast. 
Den Anfang hatte Jouline-Kim Luers gemacht, eine 19-jährige Mutter eines sechsmonatigen Jungen, die in einer betreuten Wohngruppe am Schlaatz lebt. Sie hat schon viel Leid erfahren, wurde von der Mutter vernachlässigt, vom Vater abgeschoben, leidet unter Magersucht und einer Borderline-Persönlichkeitsstörung. Sie hatte sich Tickets für ein Konzert von Helene Fischer oder Sarah Connor gewünscht – Fischer ist zurzeit nicht auf Tour, aber Connor tritt im Mai in Berlin auf. 

Kurz nach Erscheinen des Textes meldete sich Mario Auping in der Redaktion. Der Potsdamer, der ein Möbelgeschäft in Berlin betreibt, wollte den Wunsch erfüllen und Jouline-Kim persönlich ein Konzertticket übergeben. Er hielt Wort und brachte schon wenige Tage später nicht nur zwei Karten, sondern auch noch einen Gutschein für einen Bio-Bäcker und eine Kiste mit Babykleidung mit in die Wohngruppe. Und als es auf das Thema Weihnachten kam, versprach er ihr auch gleich noch einen Weihnachtsbaum, den er noch am selben Tag besorgen und bringen wollte. 

Von der Waldbühne hat sie noch nie gehört 

Jouline-Kim nahm all diese Großzügigkeit dankend an, unterstützt von ihrer besten Freundin aus der Wohngruppe. Sie ist es auch, die mit ihr zum Sarah-Connor-Konzert darf. Es findet in der Berliner Waldbühne statt – einem Ort, von dem Jouline-Kim zuvor noch nie gehört hatte. 
Auch ein weiterer Potsdamer wird an diesem Tag in der Waldbühne sein, ein Ehrenamtlicher aus dem Spendenladen „Schatztruhe“ der Arbeiterwohlfahrt Potsdam (Awo). Nach Mario Auping hatte sich noch ein weiterer PNN-Leser gemeldet, der auch dann noch bereit war, eines der teuren Tickets zu spenden, als er erfuhr, dass Jouline-Kims Wunsch schon erfüllt war. Er überließ es der Awo, eine Person dafür auszusuchen. Und so wurde es ein Ehrenamtlicher aus der „Schatztruhe“ – jemand, „der selber nicht viel hat, aber immer für andere da ist“, wie Awo-Chefin Angela Schweers sagt. 

Vom Kantor der Nikolaikirche kam die größte Spende

Lieselotte Froese freut sich über den neuen Kühlschrank.
Lieselotte Froese freut sich über den neuen Kühlschrank.Foto: Andreas Klaer

Auch das Schicksal von Lieselotte Froese berührte viele Leser. Die 38-jährige Deutsch-Botsuanerin ist seit dem Tod ihres Mannes allein für die drei Kinder verantwortlich, der älteste Sohn ist behindert. Für ihren Neustart in Potsdam hatte sie sich einen großen Kühlschrank für die vierköpfige Familie gewünscht. Mehrere Leser wollten dazu etwas beisteuern, doch das großzügigste Angebot kam von Björn O. Wiede, dem Kantor der Potsdamer Nikolaikirche. Er bot an, einen großen Kühlschrank zu bestellen und liefern zu lassen: neu, 400 Euro wert. „Oh my gosh“, war die spontane Reaktion der Beschenkten, als sie davon am Telefon hörte. „Ist das Ihr Ernst?“. 

Doch was erst einfach klang, sollte noch etwas komplexer werden. So musste nicht nur ein Termin für die Lieferung gefunden, sondern auch das schwere Gerät mithilfe zweier PNN-Mitarbeiter in die Küche geschleppt werden. Und als beim Auspacken ein Transportschaden festgestellt wurde, der dafür sorgte, dass der Kühlschrank gehörig wackelte, landete die Angelegenheit erneut in der PNN-Redaktion, die den Schaden über Wiede an die Spedition meldete. Der Ausgang war bis Montagnachmittag ungewiss – die Feiertage muss Familie Froese also noch mit dem alten Gerät bestreiten. Immerhin dürfte das Essen festlich werden: Gleich drei Leser haben, als sie erfuhren, dass der Kühlschrank-Wunsch schon erfüllt ist, Supermarkt-Gutscheine gespendet – um die erste Befüllung zu finanzieren. Zwei Gutscheine über 50 und einen über 100 Euro bekam Lieselotte Froese geschenkt. 

Gutscheine für den einstigen Obdachlosen

Gutscheine bekam auch Heiko Mahler, auch er gleich drei Stück. Der Potsdamer hat fast 15 Jahre auf der Straße und dann für einige Zeit im Obdachlosenheim der Awo am Lerchensteig gelebt – seit wenigen Wochen hat er erstmals wieder eine eigene Wohnung. Für diese hatte er sich eine Schrankwand gewünscht, und von den insgesamt 220 Euro, die er nun bei einem günstigen Möbelgeschäft gut hat, kann er sich eine solche auch leisten. 

Doch einige Leser versorgten ihn auch mit anderen Dingen, die Mahler gerne für seine noch spärlich ausgestattete Wohnung annahm. So konnte er sich bei Leserin Janina Paulus einen Staubsauger und allerhand Küchenutensilien abholen, eine andere Potsdamerin bot ihm einen Wohnzimmertisch und Regale an. Zur Wahrheit gehört aber auch, dass eine andere Übergabe von gebrauchten Dingen für seine Wohnung nicht ganz so reibungslos verlief – nicht immer ging also alles glatt. 

Judi und Masih mussten zum Wünschen überredet werden

So gab es auf die Texte über zwei junge Flüchtlinge weniger Resonanz als erhofft, nämlich jene über Judi Sulaiman aus Syrien und Massiullah Mollahzada aus Afghanistan. Beide haben eine beschwerliche Flucht hinter sich, sind ohne Eltern in Potsdam aber dank ihrer Zielstrebigkeit schon sehr weit gekommen. Judi und Masih mussten bei ihren Besuchen in der Redaktion regelrecht dazu überredet werden, sich etwas zu wünschen. Bei Judi wurde es schließlich ein Gutschein für einen Elektronikmarkt, um sich Zubehör für seine Kamera zu besorgen – er filmt leidenschaftlich gerne. 

Leserin Andrea Müldener ließ ihm einen Gutschein über 30 Euro zukommen. „Wir hoffen sehr, dass Judi es schafft, seine Träume zu verwirklichen und zu leben“, schrieb sie im Namen ihrer Familie. Dass nicht mehr Menschen für ihn gespendet hatten, machte sie traurig – Judi aber war fast erstaunt, überhaupt etwas zu bekommen. 

Bei Masih hingegen hatte sich die Redaktion entschieden, für den Besuch eines Modekurses zu sammeln – die Branche interessiert ihn und bald steht bei Masih die Wahl des Berufsweges an. Eine Leserin nahm sogar Kontakt zu der vorgeschlagenen Modeschule in Berlin auf und bekam von dort die Zusage, dass Masih einen Rabatt von 100 Euro bekommen würde, wenn die restlichen 440 Euro an Spenden zusammenkämen. Doch dazu fehlte bis Weihnachten noch ein ganzes Stück – die PNN werden weiter versuchen, auch diesen Wunsch zu erfüllen. 

Für Ghazale spendeten manche hohe Beträge

Ghazale mit ihrem Sohn Yashar (M.) und dem Trainer Felix Kaminski. 
Ghazale mit ihrem Sohn Yashar (M.) und dem Trainer Felix Kaminski. Foto: Katharina Wiechers

Die Reaktionen auf die Geschichte von Ghazale Mohseni-Yosofi, die aus dem Iran geflohen ist, übertrafen hingegen alle Erwartungen der PNN-Redaktion. Sie hatte sich Hilfe für ihren Sohn Yashar gewünscht, der im Sommer ein Trainingslager seines Fußballvereins FSV Babelsberg 74 besuchen will. Am Ende kam so viel Geld zusammen, dass nicht nur das Camp, sondern auch eine komplette neue Fußballausrüstung davon bezahlt werden kann. 

Mehrere Leserinnen spendeten hohe Beträge: 250 Euro, 150 Euro, 100 Euro. 
Zu ihnen zählte auch Andrea Geibel, die ein paar Tage später noch in aller Frühe zwei Päckchen mit Plätzchen und Kosmetik in der Redaktion vorbeibrachte – für Ghazale Mohseni-Yosofi und Lieselotte Froese. „Die beiden Mütter haben sich nichts für sich selbst, sondern etwas für ihre Kinder gewünscht. Deswegen wollte ich ihnen gerne noch etwas schenken, was nur für sie ist“, sagte sie. (mit mar/sca)


In Yashars Mannschaft spielen noch mehr Jugendliche, die Unterstützung gut gebrauchten könnten. Wer helfen will, kann sich per E-Mail an [email protected] an den Trainer wenden. 


Alle Folgen von "Potsdam schenkt": 

Mama von 11 bis 22 Uhr 

Der Junge vom Film

Managerin des Alltags

Masihs Weg

Nach 20 Jahren die erste eigene Wohnung

Im Iran fühlte sie sich nicht frei