• Serie | Krisentagebuch: Susanne Halke (41) tut der Dank der Kunden gut

Serie | Krisentagebuch : Susanne Halke (41) tut der Dank der Kunden gut

Wie erleben Potsdamerinnen und Potsdamer die Coronakrise? Das erzählen sie im Krisentagebuch der PNN. Heute berichtet Susanne Halke, Einzelhandelskauffrau in einem Potsdamer Supermarkt.

Susanne Halke findet, dass der Zusammenhalt in Familien größer wird.
Susanne Halke findet, dass der Zusammenhalt in Familien größer wird.Foto: privat

Potsdam - Wie erleben Potsdamerinnen und Potsdamer die Coronakrise? Wie kommen sie im neuen Alltag zurecht? Was bewegt sie – und was macht ihnen Freude? Wir führen ein Krisentagebuch und fragen nach, wie es den Menschen in unserer Stadt geht.

Wie sieht Ihr neuer Alltag aus?

Letztlich hat der sich gar nicht so sehr verändert. Mein Mann ist Kältetechniker für Lebensmittel- und Datenkühlung, ich arbeite im Lebensmitteleinzelhandel – damit sind wir beide in systemrelevanten Berufen und haben genug zu tun. Unser sechsjähriges Kind ist deshalb in der Kita- Notbetreuung. Für mich heißt es nach wie vor 3.30 Uhr aufstehen für die Frühschicht, um 5 Uhr ist Arbeitsbeginn. Die vergangenen Tage hat es sich im Markt glücklicherweise etwas beruhigt. Die Tage nach der Schließung von Kitas und Schulen waren selbst für erfahrene Mitarbeiter unfassbar. Die Kunden waren aufgewühlt, teils hysterisch, weil sie Angst hatten, nichts mehr kaufen zu können. Es war ein Ausverkauf wie im Weihnachtsgeschäft – nur im März. Natürlich haben wir uns im Markt auf die jetzige Situation eingestellt. Es gibt Spuckschutz an den Kassen, dazu Hinweisschilder, Abstand zu halten. Auch unsere Sicherheitsmitarbeiter weisen Kunden auf Abstand hin.

Was fällt Ihnen in der momentanen Situation am schwersten?

Zu akzeptieren, dass der regelmäßige Kontakt zu Familienangehörigen fehlt. Meine Mutter gehört zur Risikogruppe, die Eltern meines Mannes ebenso. Damit fallen die Besuche derzeit aus. Auch der Körperkontakt zu Freunden, das Umarmen fehlt mir. Die frühere Unbeschwertheit ist weg. Und es tut mir weh, wenn ich mein Kind leiden sehe, weil es seine ganzen Freunde nicht treffen kann.

Was ärgert Sie am meisten?

Die Unvernunft bei viel zu vielen Menschen. Es macht mich wütend, wenn ich ganze Familien im Markt sehe, ein Einkauf in diesen Zeiten ist kein Familienausflug. Die Gefahr der Virusverbreitung steigt mit jedem Menschen. Nicht zuletzt ärgere ich mich, wenn die Gefahr von Corona verharmlost wird.

Worüber haben Sie sich in den letzten Tagen gefreut?

Der Zusammenhalt in Familien wird größer. Ich freue mich, wenn ich Eltern mit ihren Kindern draußen beim Radeln oder Rollern sehe. Was außerdem gut tut, ist der Dank, den wir durch viele Kunden erfahren. Da spürt man, dass es auch viele Menschen gibt, die dankbar für unsere Arbeit sind und uns das zeigen.

Ihr persönlicher Tipp für den Umgang mit der Krise?

Bitte, soweit wie es möglich ist, zuhause bleiben, damit die Krise bald ein Ende hat.

Sie möchten selbst mitmachen oder kennen jemanden, den wir für unser Krisentagebuch in den kommenden Tagen befragen sollten? Schicken Sie uns eine E-Mail an [email protected], wir freuen uns über Ihre Nachrichten!

Teil 1: Christian Neusser über kleine Freuden im Corona-Alltag

Teil 2: Bei Eszter Kalmár ist bisher alles entspannt

Teil 3: Jann Jakobs über nervige Ignoranten und Panikmacher

Teil 4: Jihan Alam nutzt die Zeit mit ihren Töchtern

Teil 5: Ute Parthum freut sich über Kulturangebote im Internet

Teil 6: Wolfgang Bivour ärgert sich über Hamsterkäufer

Teil 7: Uta Gerlant freut sich über Menschen mit Improvisationstalent

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