• Serie | Krisentagebuch: Marcus Golter (54) freut sich über Selfies und Spargel

Serie | Krisentagebuch : Marcus Golter (54) freut sich über Selfies und Spargel

Wie erleben Potsdamerinnen und Potsdamer die Coronakrise? Das erzählen sie im Krisentagebuch der PNN. Heute berichtet Marcus Golter (54), freischaffender Bildhauer mit Atelier in Potsdam West.

Marcus Golter (54).
Marcus Golter (54).Foto: privat

Wie erleben Potsdamerinnen und Potsdamer die Coronakrise? Wie kommen sie im neuen Alltag zurecht? Was bewegt sie – und was macht ihnen Freude? Wir führen ein Krisentagebuch und fragen nach, wie es den Menschen in unserer Stadt geht.


Wie sieht Ihr neuer Alltag aus?

Eigentlich nicht so viel anders als sonst auch. Ich gehe jeden Tag in mein Atelier in der Zeppelinstraße 21 und mache meine Arbeit. Ich treffe mich bloß nicht mit Leuten, das ist schade. Freie Kunst zu verkaufen, wird sicher schwierig in den nächsten Jahren.

Was fällt Ihnen in der momentanen Situation am schwersten?

Aufs gemeinsame Kochen mit Freunden zu verzichten. Da geht es ja nicht nur ums Essen, sondern auch um Gespräche, das Beisammensein.

Was ärgert Sie am meisten?

Mich ärgert die Art und Weise, wie unsere Freiheitsrechte Schritt für Schritt eingeschränkt werden. Nicht nach einem einheitlichen System, sondern jedes Bundesland macht es so, wie es will. Warum kann das nicht einheitlich passieren? Jetzt soll es zwar Lockerungen geben, aber dafür die Maskenpflicht: Zuckerbrot – und dann gleich wieder die Peitsche. Für meine Begriffe ist das zu viel. Ich denke, dass wir uns alle diszipliniert verhalten sollten. Aber irgendwann, wenn der Koller zu groß wird, wird es schwierig. Ich würde mir wünschen, dass man sich wieder in kleinen Gruppen treffen dürfte.

Worüber haben Sie sich in den letzten Tagen gefreut?

Über das schöne Wetter! Und dass wir dieses Jahr so früh Spargel gekriegt haben wie noch nie, weil die ganzen Restaurants geschlossen haben. Ich freue mich an meiner Frau und natürlich an meiner Arbeit! Momentan arbeite ich an einer Porträtserie, die ich „analoge Selfies“ nenne. Das sind ziemlich realistische Porträts von Freunden im Miniformat – drei bis vier Zentimeter groß und in Steinguss. Vorbild dafür sind Fotos, Selfies.

Ihr persönlicher Tipp im Umgang in der Krise?

Viel telefonieren und spazieren gehen – in den Potsdamer Parks oder am Fluss, wenn man Leute vermeiden will. Es ist schon toll, dass wir diese Parks haben.


Alle Teile unserer Serie zum Nachlesen

Teil 1: Christian Neusser (42) über kleine Freuden im Corona-Alltag

Teil 2: Bei Eszter Kalmár (44) ist bisher alles entspannt

Teil 3: Jann Jakobs (66) über nervige Ignoranten und Panikmacher

Teil 4: Jihan Alam (44) nutzt die Zeit mit ihren Töchtern

Teil 5: Ute Parthum (54) freut sich über Kulturangebote im Internet

Teil 6: Wolfgang Bivour (70) ärgert sich über Hamsterkäufer

Teil 7: Uta Gerlant (54) freut sich über Menschen mit Improvisationstalent

Teil 8: Susanne Halke (41) tut der Dank der Kunden gut

Teil 9: Julien Norman Melke (26) meistert den harten Alltag

Teil 10: Jenny Gartemann (32) hat endlich Zeit zum Planen

Teil 11: Christine Anlauff (49) entdeckt Park Sanssouci neu

Teil 12: Ariane Füchtner (53) setzt auf Hüpfen und Yoga

Teil 13: Sven Stricker (49) bleibt ruhig und freundlich

Teil 14: Susanne Fienhold Sheen (53) wünscht sich mehr Contenance

Teil 15: Matthias Michel (49) behält seinen Galgenhumor

Teil 16: Lydia Poppe (59) geht gegen Ängste vor

Teil 17: Gisela Rüdiger (72) beschäftigt sich viel im Garten

Teil 18: Mathias Selbach (43) wünscht sich Licht am Ende des Tunnels

Teil 19: Björn O. Wiede (58) fehlen die Proben mit dem Nikolaichor

Teil 20: Marie-Luise Glahr (48) hat gut zu tun

Teil 21: Renate Schmidt-Reichstein hört auf das Glockenläuten

Teil 22: Marcus Golter (54) freut sich über Selfies und Spargel

Teil 23: Mytran Xhyra (44) hofft, dass weniger gemeckert wird

Teil 24: Else Vösgen (92) fehlen Umarmungen

Teil 25: Simon Plate (33) blickt zum Himmel

Teil 26: Anna Tauschke (38) geht raus in die Natur

Teil 27: Jenne Baule-Prinz (53) hat eine Liste zum Freuen

Teil 28: Christoph Freytag (37) ärgert sich über Panikmache

Teil 29: Jan Kretzschmar (49) versucht Ruhe zu bewahren

Teil 30: Carolin Huke (33) engagiert sich vielseitig

Teil 31: Nadja von Saldern (53) übt sich in Selbstliebe

Teil 32: Julia Förster (26) kommen die Belange der Kinder zu kurz

Teil 33: Fabian Vallone (24) ruft zu Unterstützung auf

Teil 34: Erich Benesch (57) radelt in Ruhe

Teil 35: Nina Gummich (28) hat ihre letzte Gage gespendet 

Teil 36: Andrea Peters (56) freut sich, wenn es wieder losgehen kann

Teil 37: Matthias Müller (56) ist im Tiefschlaf

Teil 38: Anne Braun (34) gestaltet den Balkon opulent

Teil 39: Christine Handke (53) fehlt die Mimik

Teil 40: Claire Dörfer (43) wird nicht resignieren

Teil 41: Ludger Brands (63) steigt aufs Rennrad

Teil 42: Marianne Seibert (71) fehlt der Kontakt zu anderen Menschen

Teil 43: Thomas Drachenberg (57) bleibt gelassen

Teil 44: Jörg Schröder (60) freut sich über die kleinen Dinge des Lebens

Teil 45: Max Schäfer (17) empfiehlt, sich ein Projekt zu suchen

Teil 46: Annette Paul (49) will mehr lachen

Teil 47: Raimund Jennert (59) genießt die Pausen im Garten

Teil 48: Jaro Samuel Abraham (17) vermisst den politischen Protest

Teil 49: Antje Michel (46) simuliert ihren Arbeitsweg

Teil 50: Karin Junkel (69) bleibt gelassen

Teil 51: Werner Ruhnke (73) handelt tatkräftig

Teil 52: Herrmann A. Kremer (76) freut sich über die neue Atmosphäre

Teil 53: Daniel Vetter (39) genießt die kleinen Momente

Teil 54: Gunnar Belden (46) kann wieder mit den Kollegen Mittag essen

Teil 55: Matthias Noack (33) grüßt täglich das Murmeltier

Teil 56: Julia Ziemann (26) bringt die Tropenwelt ins Netz


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