• Serie | Krisentagebuch: Jörg Schröder (60) freut sich über die kleinen Dinge des Lebens

Serie | Krisentagebuch : Jörg Schröder (60) freut sich über die kleinen Dinge des Lebens

Wie erleben Potsdamerinnen und Potsdamer die Coronakrise? Das erzählen sie im Krisentagebuch der PNN. Heute berichtet Jörg Schröder, Chef der DRK Wohn- und Werkstätten für Menschen mit Behinderung in Potsdam.

Jörg Schröder.
Jörg Schröder.Foto: privat

Wie erleben Potsdamerinnen und Potsdamer die Coronakrise? Wie kommen sie im neuen Alltag zurecht? Was bewegt sie - und was macht ihnen Freude? Wir führen ein Krisentagebuch und fragen nach, wie es den Menschen in unserer Stadt geht.

Wie sieht Ihr neuer Alltag aus?
Mit einem runden 60. Geburtstag verbindet man oft Pläne für Veränderungen im neuen Lebensabschnitt oder auch etwas mehr Ruhe im Alltag. Diese jedoch mit einem Kontaktverbot zu meinem Enkel, Freunden und Bekannten umzusetzen, war nicht mein Plan. In meinem Arbeitsalltag als Geschäftsführer der DRK Wohn- und Werkstätten entfiel zwar der Druck vieler Termine – aber urplötzlich musste ich mit meinem Leitungsteam von null auf hundert für 270 Menschen die Arbeits- und Lebensbedingungen auf einen neuen Alltag umbauen. Ich freue mich zwar, immer noch nicht im Homeoffice sitzen zu müssen, aber der neue Alltag ist alles andere als Routine. Notbetrieb einrichten, Hygieneregeln beachten und immer die Sorge, dass jemand bei aller Vorsicht das Coronavirus in die Wohneinrichtungen einschleppt. Da die neuen Umgangsregeln nicht immer auf Verständnis bei unseren Bewohnern und deren Angehörigen stoßen, lädt sich der Frust schon mal bei uns ab – also bei denen, die die Regeln durchsetzen müssen. In unserem iCafé in Drewitz gibt es seit März auch keinen selbstgebackenen leckeren Kuchen mehr, sondern nur noch selbstgenähte Stoff-Mund-Nase-Masken.

Was fällt Ihnen in der momentanen Situation am schwersten?
Als pragmatisch veranlagter Mensch fällt es mir schwer, die tägliche Flut von Rundschreiben, Hinweisen und neuen Bestimmungen durchzuarbeiten und umzusetzen. Insbesondere dann, wenn diese für mich nicht praxistauglich erscheinen.

Was ärgert Sie am meisten?
Das Treiben der Verschwörungstheoretiker. Und das Wirtschaftsmanager nun Rettungsschirme aus Steuermitteln fordern und gleichzeitig hohe Dividenden ausschütten wollen.

Worüber haben Sie sich in den letzten Tagen gefreut?
Darüber, dass es uns in der Einrichtung gelungen ist, trotz der verordneten Einschränkungen, für unsere Heimbewohner durch Schaffung eines kleinen „Minisupermarktes“ die Freude am Shoppen zu ermöglichen und dass es in den letzten Wochen das Wetter mit uns gut gemeint hat, die Stimmung hoch zu halten.

Ihr persönlicher Tipp zum Umgang mit der Krise?
Ich finde, dass es wichtig ist, der Krise mit einer gewissen Ruhe, aber auch dem nötigen Respekt zu begegnen. Mit dem richtigen Abstand lassen sich auch wieder Kontakte zu Freunden pflegen. Und man sollte sich auch ruhig mal wieder über die kleinen Dinge des Lebens freuen.

Sie möchten selbst mitmachen oder kennen jemanden, den wir für unser Krisentagebuch in den kommenden Tagen befragen sollten? Schicken Sie uns eine E-Mail an [email protected], wir freuen uns über Ihre Nachrichten!

Alle Teile unserer Serie zum Nachlesen

Teil 1: Christian Neusser über kleine Freuden im Corona-Alltag

Teil 2: Bei Eszter Kalmár ist bisher alles entspannt

Teil 3: Jann Jakobs über nervige Ignoranten und Panikmacher

Teil 4: Jihan Alam nutzt die Zeit mit ihren Töchtern

Teil 5: Ute Parthum freut sich über Kulturangebote im Internet

Teil 6: Wolfgang Bivour ärgert sich über Hamsterkäufer

Teil 7: Uta Gerlant freut sich über Menschen mit Improvisationstalent

Teil 8: Susanne Halke (41) tut der Dank der Kunden gut

Teil 9: Julien Norman Melke (26) meistert den harten Alltag

Teil 10: Jenny Gartemann (32) hat endlich Zeit zum Planen

Teil 11: Christine Anlauff (49) entdeckt Park Sanssouci neu

Teil 12: Ariane Füchtner (53) setzt auf Hüpfen und Yoga

Teil 13: Sven Stricker (49) bleibt ruhig und freundlich

Teil 14: Susanne Fienhold Sheen (53) wünscht sich mehr Contenance

Teil 15: Matthias Michel (49) behält seinen Galgenhumor

Teil 16: Lydia Poppe (59) geht gegen Ängste vor

Teil 17: Gisela Rüdiger (72) beschäftigt sich viel im Garten

Teil 18: Mathias Selbach (43) wünscht sich Licht am Ende des Tunnels

Teil 19: Björn O. Wiede (58) fehlen die Proben mit dem Nikolaichor

Teil 20: Marie-Luise Glahr (48) hat gut zu tun

Teil 21: Renate Schmidt-Reichstein hört auf das Glockenläuten

Teil 22: Marcus Golter (54) freut sich über Selfies und Spargel

Teil 23: Mytran Xhyra (44) hofft, dass weniger gemeckert wird

Teil 24: Else Vösgen (92) fehlen Umarmungen

Teil 25: Simon Plate (33) blickt zum Himmel

Teil 26: Anna Tauschke (38) geht raus in die Natur

Teil 27: Jenne Baule-Prinz (53) hat eine Liste zum Freuen

Teil 28: Christoph Freytag (37) ärgert sich über Panikmache

Teil 29: Jan Kretzschmar (49) versucht Ruhe zu bewahren

Teil 30: Carolin Huke (33) engagiert sich vielseitig

Teil 31: Nadja von Saldern (53) übt sich in Selbstliebe

Teil 31: Julia Förster (26) kommen die Belange der Kinder zu kurz

Teil 32: Fabian Vallone ruft zu Unterstützung auf

Teil 33: Erich Benesch (57) radelt in Ruhe

Teil 34: Nina Gummich (28) hat ihre letzte Gage gespendet 

Teil 35: Andrea Peters (56) freut sich, wenn es wieder losgehen kann

Teil 36: Matthias Müller (56) ist im Tiefschlaf

Teil 37: Anne Braun (34) gestaltet den Balkon opulent

Teil 38: Christine Handke (53) fehlt die Mimik

Teil 39: Claire Dörfer (43) wird nicht resignieren

Teil 40: Ludger Brands (63) steigt aufs Rennrad

Teil 41: Marianne Seibert (71) fehlt der Kontakt zu anderen Menschen

Teil 42: Thomas Drachenberg (57) bleibt gelassen

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