• Serie "Das neue Potsdam": Villenpark Groß Glienicke (6): Gartenzäune statt pompöser Schick

Serie "Das neue Potsdam": Villenpark Groß Glienicke (6) : Gartenzäune statt pompöser Schick

Teil 6 unserer Serie "Das neue Potsdam". Dieses Mal: Villenpark Groß Glienicke. Die Waldsiedlung entwickelt sich zu einem edlen Villenpark – nur Modedesigner Glööckler kommt wohl nicht.

Stefan Engelbrecht
Insgesamt 80 zweistöckige Einfamilienhäuser mit Garten stehen bereits...
Insgesamt 80 zweistöckige Einfamilienhäuser mit Garten stehen bereits...Johanna Bergmann

Potsdam wächst rasant, überall in der Stadt schießen neue Wohnviertel empor. Doch wie lebt es sich dort eigentlich? Die PNN besuchen die Quartiere und stellen sie in der Serie „Das neue Potsdam“ vor. Heute: Villenpark Groß Glienicke (Folge 6)

Groß Glienicke - Vielleicht ist der Villenpark in Groß Glienicke doch nicht pompös genug. Zumindest für den Modedesigner Harald Glööckler. Anders als zunächst geplant steht das Investment des extravaganten Promis, der sich gern auch „Prince of Pompöös“ nennt, in der ehemaligen Waldsiedlung nun wieder auf der Kippe. „Unser Lebensmittelpunkt hat sich durch den Umzug in die Pfalz verlegt“, so Glööckler auf PNN-Anfrage. Dadurch hätten sich die Prioritäten für ihn und seinen Partner Dieter Schroth verschoben. Wie berichtet hatte Glööckler im Sommer 2014 sechs Grundstücke im Villenpark im Norden Potsdams gekauft. Seitdem liegen die 1,4 Millionen Euro teuren Flächen brach. „Für die Grundstücke gibt es verschiedene Möglichkeiten“, sagte Glööckler nun ausweichend, entschieden sei aber noch nichts.

Ob Glööckler nun kommt oder nicht – die meisten Eigentümer im Villenpark Groß Glienicke fühlen sich wohl hier. Die frühere Kaserne liegt recht versteckt und einsam in einem Waldstück zwischen der Bundesstraße 2 und der Landesstraße 20. Von den 185 Grundstücken wurden nach Angaben des Investors Bernd Wolfgang Steuten bereits 155 verkauft. Insgesamt stehen schon rund 80 zweistöckige Einfamilienhäuser mit Garten, 40 weitere befinden sich im Bau.

Die meisten Eigenheimbesitzer arbeiten in Berlin

Mittlerweile leben Menschen aus zwölf Nationen im Villenpark. Eine Generalkonsulin soll darunter sein, auch ein Mitglied der Geschäftsführung des Berliner Nobel-Kaufhauses KaDeWe. Die meisten Eigenheimbesitzer arbeiten im nahen Berlin – über die L20 ist man mit dem Auto in knapp zehn Minuten in Spandau.

Einer der ersten Käufer war Thomas von Oehsen. Der Berater für Investoren zog vor rund zwei Jahren mit seiner Frau und den neun und zwölf Jahre alten Kindern in das neue Haus. „Wir fühlen uns hier ausgesprochen wohl“, sagt er den PNN. Man lebe direkt im Grünen und sei trotzdem schnell in Berlin oder Potsdam. Zwar gebe es nach wie vor eine rege Bautätigkeit. „Aber das wusste man ja vorher.“

Auch die Eigentümergemeinschaft funktioniere gut, sagt von Oehsen. Viele Familien wohnten hier. Künftig könnten die Kinder auf den Privatstraßen spielen. Was noch fehle, sei vielleicht eine kleine Einkaufsmöglichkeit. Laut Steuten soll das frühere Trafohäuschen der früheren Kaserne zu einem Café umgebaut werden.

Unklare Zukunft für die Preußenhalle

Emotional wird von Oehsen beim Thema Preußenhalle. Die frühere Sport- und Freizeithalle der Soldaten gammelt seit Jahren vor sich hin – sie ist Eigentum der Stadt Potsdam, ein Kaufangebot des Investors Steuten lehnte sie ab. Der Geschäftsmann wollte die Halle günstig kaufen, um sie dann zu sanieren und dort unter anderem einen Kiosk und eine Arztpraxis unterzubringen. Er verstehe nicht, warum hier keine Einigung möglich sei, zürnt von Oehsen. Angesichts des Denkmalschutzes und der hohen Restaurierungskosten könne dafür nur ein symbolischer Preis gezahlt werden. „Wenn keiner was macht, wird die Halle irgendwann zusammenbrechen.“ Das sei ein „Schlag ins Gesicht“ der Leute, die hier investierten.

Investor Steuten, der das Areal vor Jahren erwarb und jetzt vermarktet, will in Sachen Preußenhalle jedenfalls nicht aufgeben. Er sei immer noch an einem Kauf interessiert, sagt er. Das könnte aber schwierig werden. Ein Verkauf der Halle werde zurzeit zwar vorbereitet, so eine Stadtsprecherin auf PNN-Anfrage. Allerdings könne das Gebäude nebst Grundstück nur im Rahmen einer „öffentlichen Höchstgebotsausschreibung“ veräußert werden.

Anklage wegen Bestechung gegen Investor Steuten

Die Preußenhalle und das Areal haben eine bewegte Geschichte hinter sich. Schon seit rund 300 Jahren wird sie als Kaserne genutzt, zuletzt waren hier die DDR-Grenztruppen untergebracht. Nach der Wende sollte sie zunächst durch die Berliner Gewobag entwickelt werden. Es tat sich aber nichts, bis Steuten 2010 die Waldsiedlung übernahm. 2014 sah es fast so aus, als würde auch er scheitern. Die Berliner Staatsanwaltschaft erhob Anklage gegen ihn wegen Bestechung. Bei Steuten war ein Zettel mit der Aufschrift „Schmiergeld“ gefunden worden. Der Investor wies die Vorwürfe stets zurück. Er habe nur aus Ärger darüber, in Rechnung gestellte Maklergebühren zahlen zu müssen, dummerweise den Vermerk auf einen Beleg gekritzelt, rechtfertigt sich der Investor. Seitdem schwebt das Verfahren.

Steuten muss 2014 das Wasser bis zum Hals gestanden haben. Er habe schlaflose Nächte gehabt, räumt er ein. Doch nun, begünstigt durch die Zugezogenen in Potsdam und den Immobilienboom, ist das alles fast vergessen. Nur 30 der zwischen 650 und 1750 Quadratmeter großen Grundstücke seien noch nicht verkauft, sagt Steuten. Bis 2018 würden überall Häuser stehen. „Die Leute wollen endlich ihre Ruhe haben und nicht mehr den Baulärm ertragen.“ Im vorderen Bereich des Villenparks sind schon fast alle zweistöckigen Einfamilienhäuser gebaut, vereinzelt sind noch Handwerker unterwegs. Der südliche Abschnitt hingegen wird gerade erschlossen. Die Straßen, teils als Alleen angelegt mit jungen Bäumen, gehören anteilig den Eigentümern und sind nicht öffentlich. 2017 soll noch die ehemalige Panzergarage am Südrand des Areals zu sogenannten TownHouses umgebaut werden. 14 Reihenhäuser sollen dort entstehen. Die Baracke ist denkmalgeschützt.

Große Hilfsbereitschaft für Geflüchtete

Ohnehin fühlt sich Steuten verantwortlich für die Siedlung – als eine Art inoffizieller Bürgermeister. So schaffte er es, dass sich die Anwohner nach erster Skepsis und gerichtlichen Auseinandersetzungen mit dem 2015 dort eröffneten Flüchtlingsheim arrangierten. In Groß Glienicke entstand sogar mit dem Verein Hilfe zur Selbsthilfe eine der lebendigsten Hilfsgemeinschaften.

Sauer wird Steuten, wenn man sich nicht an die Regeln hält. Wie der Lieferwagen, der mit Affenzahn die frisch angelegte Allee entlangrast. „Der spinnt wohl“, raunt er, springt vor dem Wagen auf die Straße und hebt die Hand in Polizeimanier. Der Wagen bremst, ein kurzes Palaver, ein Wort gibt das andere, dann fährt der Fahrer missmutig auf eine der Baustellen. Steuten schüttelt den Kopf. „Hier sollen doch die Kinder bald spielen.“

 

 

 

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