• Serie | Barberini - die Kunst hinter der Kunst: "Ab und zu muss man sich in den Arm kneifen"

Serie | Barberini - die Kunst hinter der Kunst : "Ab und zu muss man sich in den Arm kneifen"

Im Museum Barberini läuft der Umbau zur Schau "Impressionismus in Russland". Die PNN stellen Menschen vor, die daran beteiligt sind. Teil 4: Haustechnik-Chef Carsten Loeper.

Carsten Loeper ist verantwortlich für Temperatur und Luftfeuchte - und die übrige Haustechnik.
Carsten Loeper ist verantwortlich für Temperatur und Luftfeuchte - und die übrige Haustechnik.Foto: Andreas Klaer

Potsdam - Klimazentrale heißt der riesige Raum, der sich unter dem Innenhof und der breiten Freitreppe zur Alten Fahrt befindet. Im Sommer wird hier Kälte produziert, im Winter Wärme. „Abluft“ und „Zuluft“ ist auf den teils mannsdicken Rohren zu lesen, die aus dem Museum hier herunterreichen – und in die Ausstellungsräume hinauf. Von den zwei Kältemaschinen tut an diesem Augusttag eine mit Dröhnen das, was sie tun soll: Die aus den Museumsräumen heruntergeleitete Luft kühlen und entfeuchten.

Die Anlage arbeitet vollautomatisch - nur bei Extremwetterlagen muss Loeper nachsteuern.
Die Anlage arbeitet vollautomatisch - nur bei Extremwetterlagen muss Loeper nachsteuern.Foto: Andreas Klaer

Das funktioniere wie beim Wärmeaustauscher im Auto, erklärt Carsten Loeper. Kaltes Wasser wird in Rohren durch die Abluft geführt – dadurch kondensiert das Wasser aus der Luft, die Luft wird trockener und kühler. Im Winter dagegen ist ein Dampfluftbefeuchter im Einsatz, der über 100 Grad heißes Wasser in die Anlage sprüht. Sonst wäre die Luft zu trocken.

Wohlfühlklima für Kunstwerke und Menschen

Rund 50 Prozent Luftfeuchte ist der Sollwert im Museum, im Sommer wie im Winter. Das ist nicht nur für die Kunstwerke optimal und wird von den Leihgebern so erwartet, sondern auch angenehm für die Gäste, erklärt Carsten Loeper: „50:20 gilt als Wohlfühlklima für den Menschen.“ Die 20 steht für Grad Lufttemperatur. Die gelten aber nur für die Wintermonate. Jetzt im August ist die Temperatur in den Ausstellungsräumen auf 24 Grad eingestellt. Die Anlage arbeitet vollautomatisiert. Nur bei extremen Wetterlagen muss Loeper nachsteuern: Etwa, als es im Juni schon 35 Grad Außentemperatur gab.

Die Anlage kann bis zu 60.000 Kubikmeter Luft in einer Stunde umwälzen.
Die Anlage kann bis zu 60.000 Kubikmeter Luft in einer Stunde umwälzen.Foto: Andreas Klaer

Mit seinen beiden Kollegen ist der 55-jährige gebürtige Potsdamer aber nicht nur für die Klimaanlage verantwortlich, sondern für die gesamte Haustechnik – von den Sanitäranlagen bis hin zur Bewässerung der Pflanzen im Innenhof. Auch die wird über eine Anlage gesteuert. Loeper hat – mit externer Unterstützung - dort auch ein Auge darauf, dass der Buchsbaumzünsler, sich nicht auf den Buchsbaumhecken einnistet. Das Schadinsekt treibt die Gärtner der Schlösserstiftung seit einigen Jahren zur Verzweiflung. „2020 hatten wir dreimal Einsätze wegen des Zünslers – in diesem Jahr noch keinen“, sagt Loeper.

In Umbauphasen finden wichtige Wartungsarbeiten statt

Das Haustechnik-Team beginnt normalerweise sehr früh mit der Arbeit, erzählt er: „Wenn Besucher da sind, sind viele Arbeiten nicht möglich.“ In Umbauphasen kann er mit seinen Kollegen wichtige Wartungsarbeiten angehen. So muss zum Beispiel das Parkett in regelmäßigen Abständen gepflegt werden, was eine Spezialfirma übernimmt: Die erneuert nach gründlicher Reinigung die sogenannte Verschleißschicht, die das Holz schützt. „Damit darf man nicht zu lange warten, weil die Abnutzung sonst ins Holz geht und das Parkett nachgeschliffen werden müsste“, erklärt Carsten Loeper. Wenn die neue Schutzschicht aufgetragen ist, darf das Parkett einen Tag lang nicht betreten werden.

Fenster dürfen nur geöffnet werden, wenn keine Kunstwerke im Raum sind

Auch Absprachen mit dem Maler stehen während des Ausstellungswechsels an. Wenn die Wände neu gestrichen werden, muss in dem Raum die Lüftung abgestellt werden. Auch die Klimasensoren, die man nur bei genauem Hingucken in den Wänden bemerkt, müssen dann herausgezogen werden, damit sie keine Farbe abbekommen. Loeper stellt mit seinem Team außerdem die Türen nach. Er wartet die Fenster, die praktisch nur geöffnet werden können, wenn keine Kunstwerke im Raum sind. Er hilft bei der Beleuchtung und dem Aufbauteam beim Verschieben von Wänden oder Hängen von Bildern, er kontrolliert die Toiletten und gibt auch mal eine Rohrspülung in Auftrag. „Man muss immer am Ball bleiben – eine Verstopfung will man nicht haben.“

Neben den Klimasensoren in der Wand gibt es auch Thermohygrographen-Geräte, die die Werte auf Papier aufzeichnen - zur Absicherung.
Neben den Klimasensoren in der Wand gibt es auch Thermohygrographen-Geräte, die die Werte auf Papier aufzeichnen - zur...Foto: Andreas Klaer

Im Barberini ist Carsten Loeper schon von Anfang an dabei. Er konnte seit April 2016 das Haus im Rohzustand kennenlernen. „Ich weiß, was hinter jeder Wand ist.“ Davor war er zehn Jahre als Haustechniker im Berliner Kunstmuseum Hamburger Bahnhof tätig. Der gelernte KfZ-Schlosser wechselte nach der Wende in die Lüftungsbranche und studierte berufsbegleitend auch zum Betriebswirt. Beim Umbau des Bodemuseums auf der Berliner Museumsinsel begleitete er Anfang der 2000er Jahre den Einbau der Lüftungsanlage als leitender Obermonteur – so kam er in die Museumswelt. Die Ausstellungen im Barberini „guckt man sich gerne an – immer wieder“, sagt Loeper. Besonders die Impressionisten, das Herzstück der Sammlung Plattner, findet er spannend.

Als Jugendlicher auf der Freundschaftsinsel gefeiert

Wie sich die Potsdamer Mitte entwickelt hat, freut den Technikexperten. Er kenne die Gegend noch von früher, erinnert sich an seine Jugendweihe-Feier im heutigen Alten Rathaus und an Partys im „Würfel“ auf der Freundschaftsinsel. „Das ist eine schöne Ecke geworden“, sagt der 55-Jährige: „Und wenn man dann hier arbeiten darf, muss man sich ab und zu wirklich in den Arm kneifen.“ Auch wenn er mittlerweile in Beelitz lebt, habe er nie aus seiner Heimat weggehen wollen, sagt er. Eine Karriere in Westdeutschland sei für ihn nicht in Frage gekommen: „Weil es so schön hier ist.“

Das Museum Barberini ist Potsdams meistbesuchte Kultureinrichtung. Mit hochkarätigen Ausstellungen zieht es ein Publikum aus der ganzen Republik und darüber hinaus an. Aber welche konzeptionellen, handwerklichen und logistischen Herausforderungen sind für die Vorbereitung einer Schau eigentlich zu bewältigen? Die PNN begleiten den Umbau für die Ausstellung „Impressionismus in Russland. Aufbruch zur Avantgarde“ und stellen die Menschen vor, die daran beteiligt sind – ein Einblick in die Kunst hinter der Kunst.

Teil 1: Museumsdirektorin und Kuratorin Ortrud Westheider

Teil 2: Malermeister Frank Herber

Teil 3: Vermittlung und Rahmenprogramm mit Achim Klapp, Andrea Schmidt und Julia Teller

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