• Senkung der Mehrwertsteuer: Potsdamer Geschäftsleute: Steuersenkung nicht nur positiv

Senkung der Mehrwertsteuer : Potsdamer Geschäftsleute: Steuersenkung nicht nur positiv

Auch wenn die Mehrwertsteuersenkung im Zuge der Coronakrise der richtige Weg sei, kritisieren viele den kurzen Zeitraum und fordern, dass die Steuer für Jahre gesenkt bleibt.

Um für mehr Käufer in den Läden und Geschäften zu sorgen, wird für ein halbes Jahr die Mehrwertsteuer gesenkt.
Um für mehr Käufer in den Läden und Geschäften zu sorgen, wird für ein halbes Jahr die Mehrwertsteuer gesenkt.Foto: Ottmar Winter

Potsdam - Grundsätzlich, da sind sich die Handelsvertreter und Ladeninhaber in Potsdam einig, ist die Senkung der Mehrwertsteuer eine gute Idee. „Das ist ein Konjunkturgeschenk, an sich ist das sinnvoll“, sagt beispielsweise Detlef Gottschling, Sprecher der Industrie- und Handelskammer (IHK) Potsdam. Gleichzeitig fürchten aber viele, dass der Aufwand für die Umstellung der Kassen und der Neubeschriftung von Preisschildern zu hoch ist. „Wir haben deshalb die Hoffnung, dass der Aufwand, den man jetzt betreiben muss, sich auch länger lohnt“, sagt Gottschling. Er hofft, dass die Mehrwehrsteuer für einen längeren Zeitraum abgesenkt wird und nicht nur, wie geplant, bis Ende des Jahres.

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Ab 1. Juli werden auf Produkte und Dienstleistungen anstatt der üblichen 19 Prozent, nur 16 Prozent Mehrwertsteuer aufgeschlagen. Der ermäßigte Satz soll von sieben auf fünf Prozent reduziert werden. Die Umstellung könnten viele große Ketten oftmals leichter bewerkstelligen als kleine Läden oder Dienstleister, so Gottschling. „Bei Media Markt wird niemand händisch die Preise ändern, das läuft alles digital. Bei kleineren Geschäften ist das anders.“

Die Umstellung sei sehr zeitintensiv

Bärbel Schälicke von der AG Innenstadt Potsdam kritisiert zudem den kurzen Zeitraum, den Gewerbetreibende nun haben, um ihre Kassen umzustellen und Preise neu auszuschildern. „Die Umstellung ist sehr arbeitsintensiv, das kennen viele noch von der Mehrwertsteuererhöhung 2007. Damals hatte man aber mehr Vorlaufzeit.“ Damit eine Senkung sinnvoll ist, müsste man den gesenkten Steuersatz für die nächsten ein bis zwei Jahre beibehalten, so Schälicke. Im Moment sei der Kaufanreiz mit Rabatten auf die Sommerware ohnehin groß. „Es gibt überall 20 bis 30 Prozent Rabatt, da macht die Senkung der Mehrwertsteuer von drei Prozent nicht viel Unterschied. Im Herbst beginnt erst die Zeit, in der man mit so einer Maßnahme einen Kaufanreiz setzen kann“, so Schälicke. Grundsätzlich freue man sich aber natürlich über jede Senkung.

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Bärbel Schälicke, Vorsitzende der AG City Potsdam, fordert, dass die Mehrwertsteuer bis zu zwei Jahre gesenkt bleibt.
Bärbel Schälicke, Vorsitzende der AG City Potsdam, fordert, dass die Mehrwertsteuer bis zu zwei Jahre gesenkt bleibt.Foto: Andreas Klaer

Einen reduzierten Steuersatz wird es auch für die gebeutelte Gastronomie geben. So wird die Mehrwertsteuer von 19 auf sieben Prozent für ein Jahr bis Juni 2021 herabgesetzt. Das gilt allerdings nur für Speisen, nicht für Getränke. Die Reaktionen dort sind, ähnlich wie bei den Geschäften, verhalten. Jörg Downer vom Restaurant „Zum Fliegenden Holländer“ spricht von „unendlich viel Mehrarbeit“ bei der Umstellung. „Ich hätte mir gewünscht, dass eine Senkung über mehrere Jahre geht, am besten fünf. Damit wird dem Mittelstand wirklich geholfen und nicht nur den Großkonzernen.“


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