• Semmelhaack-Bauprojekt in Fahrland: Ortsbeirat riskiert Zehn-Millionen-Euro-Projekt

Semmelhaack-Bauprojekt in Fahrland : Ortsbeirat riskiert Zehn-Millionen-Euro-Projekt

Gremium besteht auf strenge Energiestandards bei geplanten Semmelhaack-Häusern in Fahrland. Der Investor droht mit dem Stopp der Investition. Nun will das Rathaus verhandeln.

Fahrland - In Fahrland wagt der gewählte Ortsbeirat die Kraftprobe mit dem Bauunternehmen Semmelhaack. Eine knappe Mehrheit in dem Gremium stimmte am Dienstagabend dafür, dass für ein Neubauprojekt der Immobilienfirma strenge Energiestandards gelten sollen. Wie berichtet hatte das Unternehmen zuvor gedroht, einen städtebaulichen Vertrag für mehr als 30 Einfamilienhäuser und Doppelhaushälften an der Ketziner/ Weberstraße nicht zu unterschreiben. Das Zehn-Millionen-Euro-Projekt wäre damit zunächst geplatzt.

Die Entscheidung vorangetrieben hatte Beiratsmitglied Stefan Matz (parteilos), der für die Linken in dem Beirat sitzt. Er hatte unter anderem den Passus gefordert: „Alle errichteten Wohngebäude haben mindestens den Standard eines ‚KfW-Effizienzhaus 40' oder besser zu erfüllen.“ Solche Häuser sind luftdicht und nutzen möglichst regenerative Energien – statt Gas und Öl, wie eigentlich geplant. Semmelhaack hatte das abgelehnt: Letztlich könnten die Kosten dadurch derart steigen, dass die Häuser am Markt nicht erfolgreich platziert werden könnten. Beirat Matz dagegen argumentiert mit dem Klimaschutzkonzept der Stadt. Darin heißt es, anders als viele schrumpfende Städte sei Potsdam nicht darauf angewiesen, „potenzielle Bauherren mit Dumping-Angeboten zu locken.“ Stattdessen könne man auch tendenziell anspruchsvollere Gebäudestandards – etwa die Nutzung von Solarenergie – fordern. Wie beim Denkmalschutz solle Potsdam auch auf die klimaschutzorientierte Qualität seiner Gebäude achten, heißt es in dem Konzept.

Bereits Ende März hatte der Ortsbeirat daher mit einer knappen Mehrheit die Energiestandards beschlossen. Danach berief Ortsvorsteher Claus Wartenberg (SPD) die besagte Sitzung am Dienstag ein, um noch einmal über den strittigen Passus abzustimmen. Doch es blieb dabei: Im Ortsbeirat votierten mit Matz die beiden Vertreter der Grünen und der SPD-Mann Karsten Etlich. Die anderen drei SPD-Vertreter, auch Wartenberg, stimmten gegen den strittigen Passus. Die CDU enthielt sich.

Die Reaktionen sind zurückhaltend. Ein Rathaussprecher sagte lediglich: „Wir hoffen, dass wir in weiteren Gesprächen noch zu einer guten Lösung kommen.“ Noch vor der Ortsbeiratssitzung hatte die Bauverwaltung erklärt, ohne Vertrag bleibe auch eine längerfristige Bebauungsplan-Aufstellung für das Projekt möglich. Die Firma Semmelhaack verwies auf PNN-Anfrage auf die früheren Aussagen, den Vertrag unter diesen Umständen nicht zu unterschreiben. Zugleich stellte das in dem Ortsteil bereits vielfach aktive Unternehmen klar, alle „laufenden Projekte in Fahrland“ würden selbstverständlich fortgeführt, „auch im Interesse der Gemeinde.“ Vor dem Votum zu den Energiestandards hatte Ortsvorsteher Wartenberg noch vor „Auswirkungen auf dringende Infrastrukturmaßnahmen“ vor Ort gewarnt, sollte der Beirat nicht seiner Pro-Semmelhaack-Linie folgen.

Zu diesen Infrastrukturprojekten gehört auch eine Kita, die Semmelhaack nach Verhandlungen mit Sozialdezernent Mike Schubert (SPD) vor Ort bauen will. Das bestätigte eine Firmensprecherin. Allerdings dauert das Projekt nach Angaben der Stadt noch einige Jahre, auch weil ein Bebauungsplan geändert werden muss. Um dringend benötigte Kitaplätze vor Ort zu schaffen, hat die Stadt nun den provisorischen Bau einer Kita in Containerbauweise für 90 Kinder zugesagt, der nächstes Jahr fertig sein soll – und zwar an der Ecke Gartenstraße/Mühlenring. Zuletzt hatte sich eine Bürgerinitiative in dem schnell wachsenden Ortsteil gegründet, die die fehlende Infrastruktur vor Ort kritisiert. So hatte bereits im vergangenen Jahr die bestehende Kita vor Ort längst nicht mehr gereicht. Henri Kramer