• "Seine Verdienste sind nicht bestreitbar": So erlebten Potsdamer und Brandenburger Manfred Stolpe

"Seine Verdienste sind nicht bestreitbar" : So erlebten Potsdamer und Brandenburger Manfred Stolpe

Manfred Stolpe ist tot. Der SPD-Politiker starb im Alter von 83 Jahren. Die PNN haben sich umgehört, was die Bürger mit dem früheren Ministerpräsidenten verbinden.

Carsten Holm
Manfred Stolpe (SPD) ist im Altervon 83 Jahren gestorben. 
Manfred Stolpe (SPD) ist im Altervon 83 Jahren gestorben. Foto: Jörg Carstensen/dpa

Potsdam - Brandenburg trauert um Manfred Stolpe. Der frühere Ministerpräsident starb im Alter von 83 Jahren in der Nacht zum Sonntag im Kreise seiner Familie. Stolpe litt seit Jahren an Krebs. Zahlreiche Politiker und die Kirchen würdigten den SPD-Politiker

Viele Potsdamer und Brandenburger nahmen Stolpe als Landesvater wahr, doch seine Kontakte mit der Stasi weckten kritische Reaktionen. Die PNN haben sich in der Brandenburger Straße in Potsdam umgehört und Reaktionen auf den Tod Stolpes eingeholt.

Michael Hertel (60/Taxifahrer): "Ich hatte immer das Gefühl, dass er ein prima Kerl geblieben ist, auch als er zum Ministerpräsidenten aufgestiegen war. Er hat nach der Wende viel in Gang gesetzt, und er wollte die Leute zusammenbringen. Ich glaube, er hat gute Arbeit für Brandenburg geleistet, kein Wunder, dass er für uns hier zu einer Vaterfigur geworden ist."

Michael Hertel (60).
Michael Hertel (60).Foto: Carsten Holm

Gabriele Bernhardt (73/ Diplom-Archivarin): "Manfred Stolpe hat auf mich immer den Eindruck eines in sich ruhenden, klugen Mannes gemacht. Er hat als erster Ministerpräsident versucht, Brandenburg zu stabilisieren und einen Ausgleich zwischen den Parteien zu schaffen. Das ist ihm nach meinem Eindruck nicht so gut gelungen."

Gabriele Bernhardt (73).
Gabriele Bernhardt (73).Foto: Carsten Holm

Salome Bölke (29/Verkäuferin): "In meiner Generation wissen nicht mehr so viele, wer Stolpe war. 2008 hab' ich die Schule verlassen, da war er nie ein großes Thema. Aber meine Oma hat mir viel über Politik erzählt, und die hat mir immer gesagt: das ist ein guter Mann."

Salome Bölke (29).
Salome Bölke (29).Foto: Carsten Holm

Matthias Böning (58/Bauingenieur): "Wir kommen aus dem Eichsfeld in Thüringen und haben heute Morgen in Potsdam von Stolpes Tod erfahren. Was hat man nicht alles über seine Stasi-Kontakte geredet! Wissen Sie, ich fand das alles völlig überzogen. Wer wie wir in der DDR gelebt hat, wusste doch, dass man mit den Experten dieser Firma in irgendeiner Form zusammenarbeiten musste, wenn man wie Stolpe hoch aufgestiegen ist. Und es steht doch außer Frage, dass er sich für Oppositionelle eingesetzt hat."

Matthias Böning (58).
Matthias Böning (58).Foto: Carsten Holm

Axel Neuendorff (54/Fleischermeister): "Stolpe ist trotz seiner Karriere immer bodenständig geblieben. Deswegen konnte er in den letzten Jahren unser alter Landesvater sein. Und dann war er auch ein ausgesprochener Fuchs, wenn er Probleme wie die Standortsuche nach dem neuen Flughafen charmant vor sich hergeschoben hat. Er hätte vielleicht noch mehr Ansehen in der Bevölkerung bekommen, wenn er sich wie seine Parteifreundin Regine Hildebrandt 1999 einer Koalition mit der CDU verweigert hätte."

Axel Neuendorff (54).
Axel Neuendorff (54).Foto: Carsten Holm

Julia Gronke (55/Sonderpädagogin): "Für mich war immer klar, dass Stolpe ein Mann der Kirche und nicht ein Mann der Stasi war. Wir haben eine Zeitlang etwas mehr über ihn erfahren, etwas persönliches. Einer unserer Nachbarn war Stolpes Bodyguard, und der hat uns erzählt, wie er Manfred Stolpe aus der Nähe erlebt hat: immer entspannt, immer locker, menschlich auch mit Untergebenen. So behalte ich ihn in Erinnerung: als Mensch, der immer Optimismus ausstrahlte."

Julia Gronke (55).
Julia Gronke (55).Foto: Carsten Holm

Traudel Notz (72) Steuerfachangestellte: "Wir sind aus Baden-Württemberg nach Potsdam gekommen und besuchen unsere Tochter in Teltow. Wir haben heute Morgen gelesen, dass Herr Stolpe gestorben ist, und wir haben uns daran erinnert, dass er als Politiker aus dem Osten auch bei uns im Westen sehr beliebt war. Er ist eben nicht ein abgehobener Politiker gewesen, sondern hat immer ein vertrauenerweckendes Auftreten gehabt. Ich glaube, er hat in Brandenburg etwas bewegt."

Traudel Notz (72).
Traudel Notz (72).Foto: Carsten Holm

Sigrid Imme (55/Anwältin aus Brandenburg (Havel)): "Meine Erinnerung an Manfred Stolpe ist gespalten. Wir sind vor 25 Jahren aus Bremen nach Brandenburg gekommen und haben ihn noch als Landesvater erlebt. Doch es hing ihm immer dieser Schatten in seiner Biografie nach, die Frage, wie belastet er durch seine Zusammenarbeit als Repräsentant der Kirche mit der Stasi war. Aber seine Verdienste sind nicht bestreitbar. Was ihn auszeichnet hat ist, dass er immer die Regionen des Landes besucht und Kontakt zu den Bürgern gesucht hat."

Sigrid Imme (55).
Sigrid Imme (55).Foto: Carsten Holm


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