Potsdam : Schulgarten im Stasi-Gelände

Die Montessori-Schule möchte ihr Außengelände am Schlänitzsee ausbauen

Ein düsterer Anblick. Verfallene Bungalows mit eingeschlagenen Fensterscheiben stehen zwischen hochgewachsenen Pappeln. Doch mitten in diesem Verfall zeichnet neues Leben seine Spur: Kleine Obstbäume wachsen dicht gedrängt in einem Beet. Schilder mit den Sortenbezeichnungen hängen an ihren Ästen. Wenige Meter daneben recken junge Pflänzchen ihr Grün in die Höhe: Erdbeeren, Liebstöckel und Salat.

Einst verbrachten Mitarbeiter der DDR-Staatssicherheit auf diesem abgeschiedenen Gelände am Ufer des Schlänitzsees ihre Freizeit. Ideal: Ringsherum nur Wiesen und Wasser, die nächste Ansiedlung weit entfernt. Für das einstige Geheimdienstdomizil zwischen den Stadtteilen Marquardt und Grube vermerkt der Stadtplan den Namen „Ausbau“. Das Areal ausbauen möchte auch die Potsdamer Montessori-Schule, die auf dem Gelände die „Jugendschule am Schlänitzsee“ betreibt. Schüler der siebenten und achten Klassen lernen hier das Leben und Gestalten in der Natur. So erfahren die Schüler etwa, wie man einen Bauerngarten anlegt oder was beim Anbau von Getreide zu beachten ist, erzählt Montessori-Schulleiterin Ulrike Kegler.

Zusammen mit der Breuninger-Stiftung will die Schule diese Art der Umweltbildung am Schlänitzsee ausbauen. „Wir wollen dort Landwirtschaft betreiben“, sagt Kegler. Nicht nur um Bäume und Pflanzen soll es dabei gehen, auch Tiere wie Schafe, Bienen und Esel wolle man in kleiner Zahl halten. Voraussetzung für das Engagement in der Natur sei aber, dass auf dem Grundstück auch ein wenig Gebäude-Infrastruktur vorhanden ist, erklärt Tobias Hipp von der Breuninger-Stiftung.

Und genau hierin liegt momentan das Problem. Auf der jüngsten Ortsbeiratssitzung von Grube berichtete Hipp von einer bestehenden Rückbauverpflichtung. Demnach müssten die ruinösen Stasi-Bungalows wohl abgerissen werden. Hipp hofft jedoch, ein wenig Bausubstanz retten zu können oder zumindest in Teilen auf den alten Grundrissen etwas Neues bauen zu dürfen. Nichts Großes wolle man hier errichten, versicherte Schulleiterin Kegler dem Ortsbeirat.

Doch Markus Beck, Leiter des Potsdamer Bauamtes, erläuterte, dass es nicht nur ein Problem mit der Rückbauverpflichtung geben könnte. Vielmehr liege das Areal auch im baurechtlichen Außenbereich und sei zudem Bestandteil des Landschaftsschutzgebietes. Dort sei eine Bebauung nur ausnahmsweise erlaubt. Beck deutete jedoch an, wie eine Lösung aussehen könnte: Ein Landwirt müsste die Fläche in eigene Bewirtschaftung übernehmen. Im Rahmen dieses Landwirtschaftsbetriebes dürften dann auch Gebäude mit „betriebsnotwendigen Einrichtungen“ errichtet werden. Und der Landwirt wiederum könne dann die Schulklassen aus der Montessori-Schule empfangen. Der XXL-Schulgarten wäre so möglicherweise zu retten. „Es ist ja nicht verboten, dass der Landwirt seinen Gästen Getränke anbietet“, machte Beck die wohlwollende Haltung des Bauamtes deutlich. Die Verwaltung jedenfalls unterstütze das Projekt. Holger Catenhusen

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