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Schülerin im Bergmann-Klinikum : Verdacht auf Coronavirus in Potsdam

Eine junge Patientin aus China mit Verdacht auf Coronavirus wird im Potsdamer Klinikum behandelt. Es handelt sich um eine Schülerin des Schiller-Gymnasiums. Am Donnerstag soll das Ergebnis des Virus-Schnelltests vorliegen.

Laboruntersuchungen zur Abklärung des Coronavirus vorgenommen. 
Laboruntersuchungen zur Abklärung des Coronavirus vorgenommen. Foto: Hans Punz/dpa

Potsdam - Eine Zehntklässlerin des Potsdamer Schiller-Gymnasiums, die aus China stammt, wird seit Mittwochabend mit Verdacht auf Infektion mit dem Coronavirus im Potsdamer Klinikum "Ernst von Bergmann" behandelt. Über den Verdachtsfall informierte Potsdams Oberbürgermeister Mike Schubert (SPD) in der Stadtverordnetenversammlung am Mittwochabend.

Das Schiller-Gymnasium nahm am späten Abend auf seiner Homepage Stellung zu dem Fall. Da die betroffene Schülerin "schon mehrere Tage nicht in der Schule war, besteht keine Ansteckungsgefahr durch Aufenthalt im Schulgebäude", schreibt dort der vormalige Schulleiter Andreas Mohry. 

Die Schülerinnen und Schüler, mit denen die möglicherweise mit dem Virus infizierte junge Frau zusammen wohne, blieben vorsichtshalber zu Hause, teilte die Schule weiter mit. Es sei keine Schulschließung angeordnet worden. Zudem habe es abgesehen von der Aufforderung, Ruhe zu bewahren,  von offiziellen Stellen keine weiteren Weisungen gegeben, heißt es in der Mitteilung. Das Gymnasium stelle es jedoch Schülern frei, bis zum Vorliegen eines Befundes voraussichtlich Donnerstagnachmittag zuhause zu bleiben.

Rettungskräfte in Schutzanzügen im Einsatz

Ob es sich um einen sogenannten begründeten Verdachtsfall handelt, ist derzeit noch unklar. Dieser liegt vor, wenn die betroffene Person in China war oder mit entsprechenden Personen Kontakt hatte.  Das Schiller-Gymnasium pflegt Kontakte zu China, 2008 unterhielt es ein Jahr lang eine Außenstelle im chinesischen Tianjin. 

Nach PNN-Informationen waren am frühen Mittwochabend die Rettungskräfte alarmiert worden, weil die Schülerin entsprechende Symptome bei sich festgestellt hatte. Daraufhin wurde sie von medizinischem Personal in Schutzanzügen im Potsdamer Ortsteil Fahrland abgeholt und ins Bergmann-Klinikum gebracht. 

Nun soll ein Schnelltest Aufklärung bringen

Damaris Hunsmann, Sprecherin des Bergmann-Klinikums, sagte den PNN auf Anfrage, dass die Patientin bereits in der Rettungsstelle in einem isolierten Zimmer erstversorgt und dann auf die Infektiologie verlegt wurde. Auch dort gebe es ein eigens eingerichtetes Isolationszimmer, zu dem der Zutritt nur durch Schleusen möglich ist. Geplant war am späten Mittwochabend, einen Schnelltest durchzuführen, der dann an der Charité in Berlin ausgewertet wird. Voraussichtlich am Donnerstag wird laut Hunsmann das Ergebnis vorliegen.

Ein Medikament gegen die Erkrankung gibt es bislang nicht

„Die Person ist im Bergmann-Klinikum gut versorgt“, sagte der stellvertretende Sprecher des Brandenburger Gesundheitsministeriums, Gabriel Hesse, gegenüber den PNN. Das Krankenhaus erfülle alle Voraussetzungen, falls sich der Verdacht bestätige. Wichtig sei jetzt, dass die Person isoliert bleibe und möglichst wenig Kontakt zu anderen Menschen habe. Falls sich der Verdacht bestätige, würden die Ärzte versuchen, den Verlauf so milde wie möglich zu gestalten. Ein Medikament gegen die Erkrankungen gibt es bekanntlich nicht.  Die Amtsärztin der Stadt habe die Aufgabe herauszufinden, mit wem die betroffene Schülerin Kontakt hatte.

Erst Anfang der Woche hatte das Bergmann-Klinikum erklärt, es sei gut auf mögliche Patienten mit der Virusinfektion vorbereitet. Man habe Mitarbeiter aller wichtigen Stellen genau informiert, so zum Beispiel von Rettungsstelle und Diagnostik. Auch eine reibungslose Zusammenarbeit mit der Berliner Charité sei sichergestellt.

Laut Gabriel Hesse habe der Fall aus Bayern gezeigt, dass auch Personen ohne Symptome ansteckend sein können - schließlich hatte die Chinesin, bei der sich der 33-jährige Mann dort vermutlich angesteckt hat, erst auf dem Rückflug von Deutschland erste Symptome gespürt. Seitdem seien auch sogenannte begründete Verdachtsfälle meldepflichtig, so Hesse. Davon spreche man, wenn eine Person, die im Risikogebiet war oder Kontakt zu Personen aus demselben hatte, Grippesymptome aufweise. 

Mehr als 6000 Menschen sind erkrankt

Am Mittwoch gab die Lufthansa bekannt, dass sie alle Flüge von und nach China streicht. Europas größte Fluggesellschaft mit ihren Töchtern folgt damit angesichts des Coronavirus ihrem Konkurrenten British Airways und anderen Fluggesellschaften, wie das Unternehmen am Mittwoch in Frankfurt bestätigte. Am Mittwoch war es zu einem Virusverdachtsfall in einer Lufthansa-Maschine gekommen.

Die Zahl der Krankheitsfälle durch das Coronavirus in China ist inzwischen höher als seinerzeit bei der Sars-Epidemie. In der Volksrepublik stieg die Zahl der Erkrankungen innerhalb eines Tages bis Mittwoch um 1459. Damit sind mehr als 6000 Fälle erfasst. Durch den Sars-Virus waren in den Jahren 2002 und 2003 in Festlandchina laut der offiziellen Bilanz 5327 Menschen erkrankt.

Deutsche werden aus Hubei ausgeflogen

Mehr als 130 Patienten starben nach Behördenangaben, die meisten lebten in Wuhan und Umgebung. Mittlerweile meldeten 18 weitere Länder erste Fälle, darunter neben vielen asiatischen Staaten auch die USA, Kanada und Australien sowie Frankreich, Finnland und Deutschland. Als erstes Land im Nahen Osten meldeten die Vereinigten Arabischen Emirate am Mittwoch ebenfalls vier Fälle.

Die Bundeswehr wird „in den nächsten Tagen“ Deutsche und ihre Angehörigen aus der chinesischen Provinz Hubei ausfliegen, von der aus sich das Coronavirus ausbreitet. Die Entscheidung für einen Evakuierungsflug mit einem Flugzeug der Luftwaffe sei am Montag vom Krisenstab des Auswärtigen Amts getroffen worden, sagte der stellvertretende Ministeriumssprecher, Christopher Burger, am Mittwoch in Berlin. Es müssten jetzt noch die letzten Fragen geklärt werden, um eine endgültige Genehmigung von chinesischer Seite zu bekommen. 

Unter den etwa 90 Deutschen und Angehörigen, die sich in der Region um die Millionenstadt Wuhan aufhalten, sind bisher keine Infektionen oder Verdachtsfälle festgestellt worden. Das Flugzeug der Bundeswehr soll in Frankfurt am Main landen. 

Darauf muss man jetzt achten

Till Schumacher, Oberarzt am Bergmann-Klinikum, empfiehlt vorbeugend gegen eine mögliche Erkrankung vor allem auf Hygiene zu achten: Dazu gehöre regelmäßiges Händewaschen. Das Tragen eines Atemschutzes sei im Moment aber nicht notwendig.

Typische Symptome bei einer Erkrankung mit Coronavirus sind Fieber, Husten und Atembeschwerden. Beim Hausarzt sollte man sich telefonisch melden, wenn man gerade von einer Reise aus China zurückgekehrt ist und Kontakt zu Menschen aus Zentralchina hatte. Wichtig: Kontakt mit anderen Patienten sollte vermieden werden, daher sollte man sich nicht ins Wartezimmer setzen, teilte das Landesgesundheitsministerium auf Anfrage mit.

Alles, was man zum Virus wissen muss, wo es weitere Informationen gibt und wann man zum Arzt muss findet man hier.

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