• „Schloss Einstein“ verliert seine Darsteller

Potsdam : „Schloss Einstein“ verliert seine Darsteller

Kinderserie zieht nach Erfurt / Askania und RBB vor vollendete Tatsachen gestellt / Schatz „verärgert“

„Schloss Einstein“ verliert seine bekannten Gesichter. Die Kinderserie zieht Mitte des kommenden Jahres von Babelsberg nach Erfurt um. Allerdings ohne die 30 Kinderdarsteller und auch ohne die Produktionsfirma Askania Media, wie gestern der Herstellungsleiter Peter Rothkopf den PNN sagte.

Eine solche Serie mit überwiegend Schauspielern im Schulalter könne nur in Wohnortnähe der Kinder produziert werden. Darum könnten sie nicht mit nach Thüringen ziehen. Auch der inzwischen neun Jahre währende Dauerauftrag der Askania Media ende nach dem letzten Drehtag am 2. Juni, erklärte der Herstelltungsleiter. In Erfurt übernehme die Saxonia Media die Produktion der Kinderserie. Saxonia und Askania gehören beide zur bayerischen Unternehmensgruppe Bavaria. Von der Verlegung der Produktion nach Erfurt hatte die Askania, die ebenfalls in der Medienstadt Babelsberg angesiedelt ist, erst erfahren, als das beschlossene Sache war, sagt Rothkopf. Die Umsiedlung werde nicht nur der fehlenden Darsteller wegen eine schwierige Sache. In Erfurt fehle auch der Außendrehort – der Innenhofs des Begabten-Internats. „Wahrscheinlich muss man etwas Neues erfinden“, schätzt der Herstellungsleiter. Die ganze Problematik werde man wohl erst nach dem Vollzug erkennen, so Rothkopf. Die Askania Media jedenfalls sei nun auf der Suche nach einem neuen Großauftrag.

„Schwer verärgert“ über den Ortswechsel von „Schloss Einstein“ ist auch Friedhelm Schatz, Geschäftsführer des Filmparks Babelsberg und Nutznießer der Internatsserie. Schatz baute eigens ein Fernsehstudio, in dem die Filmpark-Besucher vor laufender Kamera in einer Schloss-Einstein-Szene mitwirken konnten. „Dieser wunderbare Programmpunkt entfällt künftig“, sagt der Filmparkchef. Er erwarte deshalb, dass die ARD einen adäquaten Ersatz schaffen werde. „Schließlich haben die öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten auch eine Verantwortung für den Babelsberger Standort.“

Der Vorgang verstoße eindeutig gegen die Vereinbarung, erklärt auch der Medienbeauftragte für Berlin und Brandenburg, Erhard Thomas. Als vor sieben Jahren nämlich auf der ARD-Hauptversammlung entschieden wurden, den Kinderkanal (Kika) in Erfurt anzusiedeln, sei auch zugesagt gewesen, zum Ausgleich einen nennenswerten Anteil der Produktionen in Babelsberg stattfinden zu lassen. Thomas wundere sich auch, dass sich die Rundfunkanstalt Berlin-Brandenburg (RBB), die Anteile an der Produktionsfirma Askania Media hält, nicht für den Standort Potsdam eingesetzt hat.

„Wir wurden auch erst informiert, nachdem die Entscheidung gefallen war“, sagt Ulrich Anschütz, Unternehmenssprecher des RBB. Die Vorgehensweise werde auch noch ein Nachspiel haben, kündigte Anschütz an. In der nächsten Sitzung der ARD werde man die Sache in jedem Fall ansprechen und entsprechend kommentieren. Mit einer Aufhebung der Umzugspläne für „Schloss Einstein“ rechnet der RBB-Sprecher aber nicht.