Potsdam : Schlösserstiftung muss sich beugen

Der Garten der Villa Henckel ist auch an den Wochenenden öffentlich – Springerchef Döpfner zäunt nur sein Grundstück ein

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Nauener Vorstadt - Für die Schlösserstiftung ist es eine Niederlage. Statt wie geplant an fünf Tagen muss der Park der Villa Henckel nach seiner Wiederherstellung künftig an sieben Tagen in der Woche für Besucher zugänglich sein.

Erst in der vergangenen Woche hatten es Stiftungschef Hartmut Dorgerloh und Springer-Vorstand Mathias Döpfner, der das verwilderte Areal am Pfingstberg im Auftrag der Stiftung denkmalgerecht wiederherstellen soll, etwas anderes vereinbart: Weil Döpfner das Grundstück, das in Stiftungsbesitz verbleibt, mit eigenem Geld saniert, sollte er es an den Wochenenden auch privat nutzen dürfen. Ungeachtet des massiven öffentlichen Protestes – auch aus dem Rathaus – hatte sich Dorgerloh im PNN-Interview weit aus dem Fenster gelehnt: Der geltende Bebauungsplan, der das Areal als öffentliche Grünfläche ausweist, sei nur eine Rahmenvereinbarung, die nichts über die Öffnungszeiten aussage.

Doch Experten gaben der Auffassung von Oberbürgermeister Jann Jakobs (SPD) recht, wonach die Schließung des Parks an den Wochenenden gegen den B-Plan verstoße. Jura-Professor und Kommunalrechtsexperte Thorsten Ingo Schmidt von der Universität Potsdam sagte den PNN, eine Öffnung des Parks nur an Werktagen reiche nicht aus, denn damit werde der „Charakter als öffentliche Grünanlage ausgehöhlt“, wie sie im B-Plan vorgegeben sei. „Denn wann, wenn nicht am Wochenende, benötigt die Bevölkerung einen öffentlichen Park?“, sagte Schmidt.

Am Dienstagabend gab es dann einen Krisengipfel. Am Tisch saßen neben Jakobs und Dorgerloh auch Brandenburgs Kulturministerin Sabine Kunst (parteilos), die derzeit den Stiftungsratsvorsitz innehat, und ein Vertreter Döpfners.

Im Ergebnis musste die Stiftung zurückrudern. Der Park werde, wie die Stadt es fordert, täglich geöffnet. „Das tragen wir so mit“, sagte Stiftungssprecher Frank Kallensee den PNN. Über die konkreten täglichen Öffnungszeiten müsse allerdings noch gesprochen werden. Auch seien Ausnahmen möglich.

Aus denkmalpflegerischer Sicht hat die jetzt vereinbarte Lösung allerdings einen Haken. Der Garten der Villa Henckel werde künftig getrennt, so Kallensee. Döpfner, der als Chef des Springer-Konzerns als besonders gefährdete Person gilt, wird den Teil des Parks, der die Villa umgibt und der ihm gehört, einzäunen. Damit werde der private von dem in Stiftungsbesitz befindlichen Teil des Gartens getrennt, was im Widerspruch zur gartendenkmalpflegerischen Zielstellung liege, den Park in Gänze erlebbar zu machen.

Die Einzelheiten der Wiederherstellung des Parks wollen die Stiftung, das Land und die Stadt in einem Werkstatt- und Verwaltungsverfahren klären. Das entsprechende Konzept soll im kommenden Frühjahr vorliegen. Bis dahin soll auch über die Frage entschieden sein, wie und in welcher Form der Garten der Villa Henckel künftig eingezäunt wird.

Gegen den Zaun hat sich bekanntlich eine Bürgeriniative gegründet. Auch hier werden pikante neue Hintergründe bekannt. So gehört zu den wichtigsten Mitgliedern der Anwohner Christoph Hörstel, seine Frau ist die Sprecherin. Der frühere ARD-Korrespondent hat die Kleinstpartei Deutsche Mitte gegründet, wurde als Verschwörungstheoretiker kritisiert und hat in der Vergangenheit immer wieder massiv die deutsche Israel-Politik angegriffen. Pfingstberg-Investor Mathias Döpfner hat sich dagegen als Springer-Vorstandschef regelmäßig für Anliegen Israels starkgemacht. Hörstel teilte dazu mit, seine politische Auffassung habe mit der Initiative nichts zu tun: „Viele wissen dies gar nicht, weil wir die Dinge nicht vermischen.“ Für die Gegnerschaft gegen den Zaun reiche ihm die Betroffenheit seiner Kinder völlig aus. „Meinungsverschiedenheiten mit Döpfner sind da weder notwendig noch ursächlich.“ (mit HK)