• Schlösserstiftung investiert Millionen: Schweres Welterbe

Schlösserstiftung investiert Millionen : Schweres Welterbe

Die Schlösserstiftung blickt auf ein schwieriges Jahr zurück. Nun zog sie Bilanz und gab einen Ausblick auf kommende Vorhaben. Die PNN geben einen Überblick. 

Die Pandemie hat in den Schlössern in Brandenburg und Berlin zu einem Besucherrückgang geführt.
Die Pandemie hat in den Schlössern in Brandenburg und Berlin zu einem Besucherrückgang geführt.Foto: ZB

Potsdam - Klimawandel, Vandalismus, Pandemie und Tarifkonflikt – die Schlösserstiftung blickt auf ein spannungsreiches Jahr zurück. Viele der Probleme werden bleiben, nicht für alles gibt es eine Lösung. Am Mittwoch zog die Stiftung Bilanz und gab einen Ausblick auf kommende Vorhaben. Die PNN geben einen Überblick.

HAUSTARIF BEI FRIDERICUS

Die bis zu 500 Mitarbeiter der Fridericus Servicegesellschaft (FSG) in den preußischen Schlössern und Gärten können ab 1. Juli mit mehr Geld rechnen. Wie Brandenburgs Kulturministerin und Stiftungsratsvorsitzende Manja Schüle (SPD) am Mittwoch sagte, soll dann der Haustarifvertrag gelten. Brandenburg stellt als einer der drei Gesellschafter dafür jährlich 1,4 Millionen Euro extra bereit. Im Haushalt des Landes Brandenburg ist das Geld schon eingeplant, in Berlin und beim Bund müssen die Haushalte noch verabschiedet werden. 

Manja Schüle (SPD), Kulturministerin und Stiftungsratsvorsitzende.
Manja Schüle (SPD), Kulturministerin und Stiftungsratsvorsitzende.Foto: Ottmar Winter

Der Tarifkonflikt hatte 2019 begonnen. Zur Servicegesellschaft, die 2006 aus der SPSG ausgegliedert worden war, gehören mehr als 500 Beschäftigte, die in den Schlössern und Gärten für Sicherheit sorgen, sie reinigen und Besucher führen. Sie sollen künftig zwischen 12,50 Euro und 18,50 Euro pro Stunde erhalten. Der Vertrag läuft bis Ende 2024 und beinhalte weitere Steigerungsschritte. Außerdem soll es noch eine gestaffelte Sonderzahlung geben. Schüle nannte den Haustarif einen Durchbruch. Die bessere Bezahlung solle auch dazu beitragen, auch künftig genug Mitarbeiter zu finden.

JAHRESBILANZ UND PANDEMIE

2021 war kein einfaches Jahr. Aufgrund der Pandemie sanken die Besucher:innenzahlen stiftungsweit in den Schlössern erneut um zwei Prozent auf weniger als ein Drittel des Niveaus vor der Pandemie. In den Potsdamer Schlössern macht sich der Rückgang sogar noch stärker bemerkbar. 199 340 Besucher:innen wurden im vergangenen Jahr gezählt, im Jahr 2020 waren es noch 248 662 gewesen. Überraschend kommt das nicht. Von Januar bis Mai waren die Schlösser gänzlich geschlossen, anschließend gab es Zugangsbeschränkungen.

VANDALISMUS IN DEN PARKS

Genraldirektor Christoph Martin Vogtherr wählte drastische Worte. „Durch die Art wie die Schlossgärten in Potsdam von vielen Besuchern genutzt werden, besteht eine existenzielle Gefahr“, sagte er. 1,4 Millionen Euro Schäden entstehen pro Jahr durch Vandalismus und Fehlnutzungen – ein Schwerpunkt ist der Neue Garten mit dem Heiligen See. 

Fahrradfahren ist auf den meisten Wegen nicht erlaubt.
Fahrradfahren ist auf den meisten Wegen nicht erlaubt.Foto: Andreas Klaer

Wie berichtet ist der Ordnungsdienst mittlerweile auf sieben Mitarbeiter:innen aufgestockt, die auch Personalien von Parkbesuchern feststellen und Bußgelder verhängen können, ähnlich wie das Ordnungsamt der Stadt. Laut Ministerin Schüle ist der Erhalt des kulturellen Erbes nicht nur Aufgabe der Stifter. „Wir dürfen die Parkanlagen nicht runterrocken, sondern müssen pfleglich mit ihnen umgehen“, sagte sie.

Die Schlösserstiftung

Die Stiftung Preußische Schlösser und Gärten Berlin-Brandenburg (SPSG) wurde 1995 per Staatsvertrag zwischen Berlin und Brandenburg errichtet. Der Bund als größter Geldgeber ist gleichberechtigt mit Sitz im Stiftungsrat vertreten. Stiftungsratsvorsitzende ist Brandenburgs Kulturministerin Manja Schüle (SPD). 

Die SPSG verwaltet mehr als 30 Museumsschlösser in Berlin und Brandenburg, rund 750 Hektar Garten- und Parkflächen sowie rund 300 Gebäude und bauliche Anlagen. Ein Großteil der Liegenschaften ist seit 1990 Unesco-Welterbestätte. Dazu gehören etwa in Potsdam Schloss und Park Sanssouci, der Neue Garten, Schloss und Park Babelsberg, der Pfingstberg, die Russische Kolonie Alexandrowka sowie die Pfaueninsel und das Jagdschloss Glienicke mit Klein Glienicke in Berlin. 

Das Land Brandenburg unterstützt die Stiftung 2022 mit insgesamt 18,3 Millionen Euro und beteiligt sich mit weiteren rund 8,7 Millionen Euro am Sonderinvestitionsprogramm.

SCHÄDEN DURCH DEN KLIMAWANDEL

Die globale Erwärmung wird auch für die Schlösserparks ein immer größeres Problem. „In drei bis vier Wochen werden wir den Bäumen ansehen, welche es noch machen“, sagte Vogtherr. Schon die Jahre 2018 und 2020 waren von Trockenheit geprägt. Auch in diesem Frühjahr fehlt Niederschlag. In einem Forschungsprojekt werden bis 2023 Strategien zur Prävention entwickelt. Im Fokus stehen dabei Wege und Gehölze.

Generaldirektor Christoph Martin Vogtherr.
Generaldirektor Christoph Martin Vogtherr.Foto: Sebastian Gabsch

MASTERPLAN

Über das sogenannte Sonderinvestitionsprogramm werden bis zum Jahr 2030 insgesamt 400 Millionen Euro investiert. Allein in diesem Jahr seien für Planungs- und Bauleistungen 23,3 Millionen vorgesehen. Prominentestes Vorhaben in Potsdam sind die zwischen 1829 und 1841 nach Ideen von Kronprinz Friedrich Wilhelm IV. errichteten Römischen Bäder, die ab Anfang 2023 über mehrere Jahre für mehr als 15 Millionen Euro saniert werden

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Vorher ist noch eine Ausstellung unter dem Titel „DenkxPflege: Zukunft für das Welterbe Römische Bäder“ ab 1. Mai geplant. Wie berichtet wird bis 2024 auch der Turm der Friedenskirche saniert. Und bis 2027 will die Schlösserstiftung das Besucherzentrum an der Historischen Mühle unter anderem um eine Außengastronomie erweitern.

Die Römischen Bäder müssen unbedingt saniert werden.
Die Römischen Bäder müssen unbedingt saniert werden.Foto: Andreas Klaer

AUFARBEITUNG DER GESCHICHTE

Auch die Geschichte beschäftigt die Schlösserstiftung. Seit zwei Jahren untersuche man die Geschichte der Schlösser in der NS-Zeit, so Vogtherr. Mit Forschern der Humboldt-Universität habe man eine Projektskizze erarbeitet. Die Ergebnisse sollen bis 2025 in eine Ausstellung münden.

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