• Sanierung in Babelsberg: Schönheitskur für das Schlösschen am See

Sanierung in Babelsberg : Schönheitskur für das Schlösschen am See

Das Kleine Schloss war ein Ort zum Träumen und Planen. Jetzt will die Stiftung das Haus im Park Babelsberg grundlegend sanieren.

Das Kleine Schloss bekommt in den kommenden Monaten einen frischen Putz und einen neuen Anstrich.
Das Kleine Schloss bekommt in den kommenden Monaten einen frischen Putz und einen neuen Anstrich.Foto: Ottmar Winter PNN

Babelsberg - Gartenhaus, Baubüro, Hofdamenquartier, Café am scharf bewachten Grenzzaun: Das Kleine Schloss im Park Babelsberg ist ein Gebäude mit einer kuriosen Bau- und Nutzungsgeschichte. Das meiste sieht man ihm heute nicht mehr an, höchstens die Gastronomie. Bis vor einem Jahr wurde das weiße Schlösschen im englischen Tudorstil noch als Café genutzt. Jetzt ist coronabedingt Pause. 

Die Wiedereröffnung wird jedoch erst in drei Jahren sein. Bis dahin wird das Kleine Schloss im Rahmen des Masterplans 2020 der Schlösserstiftung grundsaniert. Die Arbeitsbedingungen für die Gastronomie werden sich danach erheblich verbessert haben, von technischen Voraussetzungen bis Brandschutz und Barrierefreiheit.

Projektleiter Steffen Domalski.
Projektleiter Steffen Domalski.Foto: Ottmar Winter PNN

Die Ziertürmchen kehren zurück

Die Hüllensanierung umfasst die komplette Erneuerung von Putz und weißem Anstrich. Außerdem werden die 2007 aus Sicherheitsgründen abgebauten Ziertürmchen, von denen nur eines noch steht, wieder aufs Dach kommen, und ein heute nicht mehr existierender Altan über dem Seiteneingang ersetzt. Das weithin strahlende Kleine Schloss, in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts von Ludwig Persius in seiner heutigen Form entworfen, wirkt dann wieder in seiner ganzen verspielten Pracht. Drei Jahre sind hierfür eingeplant, weil die Arbeit im Denkmalschutzbereich aufwändig und kompliziert ist. 

Spezielle Handwerker, die sich mit historischen Techniken auskennen, müssen nach europaweiter Ausschreibung gefunden werden. Zudem ist das Gesamtkonzept des Sanierungsziels etwas Besonderes. Denn für das Gebäude gibt es keinen definierten historischen Zustand, der als Vorbild für die Restaurierung gilt. „Es gab hier immer große Um- und Überformungen. Vieles ist dabei verlorengegangen“, sagt Steffen Domalski, Projetleiter Sanierung und Architektur. „Wir werden jetzt bewusst auf dem aufbauen, was zur DDR-Zeit entstanden ist, auch die Raumaufteilung bleibt.“ 

Hier wird also kein wie auch immer gearteter historischer Schmuck- und Zierrat einziehen. Stattdessen bleiben das DDR-Parkett in den Gasträumen und die praktische Doppelverglasung der historischen Fenster erhalten, und auch die eingebauten Heizkörper, einst modern, heute schon retro, werden nicht verschwinden.

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Frühere historische Spuren sieht man im Inneren ohnehin kaum. Jede Epoche hat für ihre Nutzung etwas verändert. Seine Entstehungsgeschichte ist dem Hause kaum mehr anzusehen. Anfangs steht hier nur das Gartenhaus eines Webers nach Bauart der Kolonistenhäuser in Nowawes. Als die königliche Familie in den 1830er Jahren den Babelsberg für sich entdeckt und Schloss und Nebengebäude errichtet werden, wird im Gartenhäuschen am Havelufer das Baubüro eingerichtet. 1834 wird unter Persius erstmals großzügig angebaut und eine zweite Etage aufgesetzt. Das eingeschossige Haus bleibt dabei im Kern erhalten, was man heute nur noch innen am Grundriss und an der Dicke der Wände erkennt.

Im Kern des Schlosses steckt ein altes Weberhaus, um das herum angebaut wurde.
Im Kern des Schlosses steckt ein altes Weberhaus, um das herum angebaut wurde.Foto: Ottmar Winter PNN


Als die Familie des späteren Wilhelm I. und seiner Gattin Augusta in den 1840er Jahren nach und nach ihr Schloss in Besitz nimmt, zieht sie Hofstaat mit sich. Im Kleinen Schloss unterhalb des Babelsbergs werden zunächst Bedienstete untergebracht und Besucher bei Bedarf dort bewirtet. Als Wilhelm von Preußen überraschend Thronfolger wird, braucht auch dessen Sohn Friedrich, geboren 1831, ein angemessenes Jugendzimmer - wieder wird ins Kleine Schloss investiert: „Prinzenphase“ nennt Ayhan Ayrilmaz, Direktor Abteilung Architektur der Schlösserstiftung, diesen Abschnitt. 

Ab etwa 1850 ist das Schlösschen Damenhaus für den Hofstaat von Prinzessin Augusta: Am längsten wohnt hier die portugiesische Hofdame Gräfin Oriola, von 1850 bis 1890. Viel Pomp gab es auch damals nicht, so Ayrilmaz. Die Damen bewohnten ihre zugeteilten Zimmer, Waschgelegenheit und Toilette für alle auf dem Flur. Architektonisch zeigen immerhin drei Treppenhäuser, dass es hier Dienstboten gab, die ihre eigenen, unsichtbaren Wege gehen sollten.

Selbst zu Mauer-Zeiten blieb das Schloss ein Café

Das Gebäude wird nach Auszug der königlichen Familie als Wohnhaus genutzt, von 1934 bis 1945 wohnt hier unter anderem der Komponist Hans Chemin-Petit. Die Kriege übersteht es unbeschadet. 1950 wird im Erdgeschoss eine Gaststätte eingerichtet, die Strandterrassen. Selbst als vor dem Haus der Grenzsteifen beginnt, bleibt die gastronomische Nutzung. 

In den 1980er Jahren erwacht das Interesse der DDR an ihrem historischen Erbe, es wird saniert, freilich nach den Regeln der Zeit – und mit den damals üblichen, leider giftigen Holzschutzmitteln. Diese aus dem Gebälk des Dachstuhls zu entsorgen wird ein großer Posten des Sanierungsvorhabens: „Die Balken werden gesäubert, anschließend der Schadstoffgehalt gemessen, dann über weitere Maßnahmen entschieden“, sagt Projektleiter Domalski.

Stiftungsdirektor Ayhan Ayrilmaz.
Stiftungsdirektor Ayhan Ayrilmaz.Foto: Ottmar Winter PNN


Im Gegensatz zur eher bescheidenen Innenausstattung – hier gab es weder Stuck noch prächtige Wandmalerei – steht das Kleine Schloss als Beispiel für die verspielte kleinteilige Architektur des 19. Jahrhunderts. Bewusste wurde Symmetrie vermieden, beide Flügel weisen unterschiedliche Geschosshöhen und Fenstergrößen auf. Ziergiebel, Türmchen und eine Wendetreppe, die lediglich auf das nicht zur Nutzung vorgesehene Dach führt, zeigen: Schön sollte es sein, auch wenn es nicht zwingend einem Zweck diente.

25 bis 30 Millionen Euro werden investiert

Kurioserweise kommt die ganze Pracht am besten zur Geltung, wenn man aus einiger Distanz vom Wasser aus auf das Gebäude schaut. Man wähnt sich plötzlich in einer englischen Landschaft – und so war es wohl auch gedacht. Als Baudenkmal erzählt es vom unterschiedlichen Umgang mit dem historischen Erbe, ein zeithistorisches Dokument. 

Bis 2030 will die Stiftung insgesamt 25 bis 30 Millionen in die Sanierung vom Schlösschen sowie weiterer Gebäude im Park wie beispielsweise Hofgärtnerei, Havelhaus mit Kuhstall, Marstall und Dampfmaschinenhaus investieren. Die Wohnungen im Obergeschoss des Kleinen Schlosses bleiben übrigens erhalten, die Stiftung vermietet sie an ihre Mitarbeiter. Auch wenn die originalen Grundrisse manchmal umständlich sind: „Wohnungen im Park sind heiß begehrt“, sagt Ayhan Ayrilmaz.

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