Sacrower See : Restaurant sperrt Badegäste aus

Dicke Luft am Strand: Am Sacrower See gibt es Ärger um fehlende Toiletten und Parkplätze. Gleichzeitig leidet das Ufer.

André Görke
Gerade bei der Hitze in diesen Tagen sehr beliebt: Baden im Sacrower See.
Gerade bei der Hitze in diesen Tagen sehr beliebt: Baden im Sacrower See.Foto: Ottmar Winter

Potsdam - Am Strand des Sacrower Sees in Groß Glienicke tummeln sich zurzeit viele Badegäste – nicht nur aus Potsdam. Und die ärgern sich: Der Weg über das Restaurant-Gelände ist plötzlich gesperrt, die Pommesbude – zumindest vorübergehend – dicht. Wer mal kurz aufs Klo will, muss ins pieksige Gebüsch. „Es gibt hier gerade kein anderes Thema“, heißt es am schönen Badestrand. Warum schotten die sich plötzlich ab?

Mit dem 5-Meter-Kanu über die Terrasse

„Wir sind ein Restaurant, keine Badeanstalt“, erklärt Slavisa Suvajac die Lage. Er ist seit 2012 Geschäftsführer im Restaurant „Landleben“. „Der See ist wunderschön, das stimmt. Ich will auch keinen Ärger mit Badegästen, aber es ging nicht mehr so weiter“, sagt er. „Mich ärgert es, als Buhmann dazustehen, aber wir sind nicht die Badeanstalt für die Stadt Potsdam“, sagt er. Daher haben sie den Restaurant-Parkplatz sowie die Terrasse nun gesperrt. „Wissen Sie, wie sich die Hände unserer Kellner anfühlen, wenn Sie drei heiße Teller in der Hand haben und plötzlich ganz langsam ein fünf Meter langes Kanu über die Terrasse getragen wird?“, nennt er ein Beispiel. Schwierig sei es auch, wenn sich Badegäste in dem Restaurant mit Schlamm an den Füßen zum Klo durchdrängeln oder wenn andere Gäste nicht mehr auf dem Parkplatz halten können, weil Badegäste dort seit 10 Uhr den ganzen Tag ihr Auto abstellen. „Soll ich einen Parkwächter bezahlen? Gratis meine Toiletten freigeben?“, fragt Suvajac. „Wir sind nicht an die Kanalisation angeschlossen, weil das hier ein Naturschutzgebiet ist – wir müssen ständig mit Lkws abpumpen, auf unsere Kosten.“

Der Frust sitzt tief. Suvajac erzählt: „Nirgendwo gibt es Mülleimer am Sacrower See, nirgendwo Klos, nirgendwo Parkplätze – am gesamten acht Kilometer langen Uferweg.“ Manche Badegäste könnten sich außerdem nicht benehmen: Sie würden im Wald grillen und ihren Dreck einfach am Strand liegenlassen. „Zwei Schubkarren Müll musste ich letzten Sommer entfernen – Tag für Tag.“ Das koste Zeit und Geld. „Ich habe im Sommer 20 Leute im Einsatz, die müssen ihr Gehalt bekommen.“

Der Sacrower See aus der Luft.
Der Sacrower See aus der Luft.Foto: Sebastian Gabsch

Flora und Fauna bedroht

Zwar gibt es am Sacrower See die geduldete Badestelle südlich von Groß Glienicke, wo auch das „Landleben“ liegt, allerdings wird vor allem das Wildbaden für das Gewässer immer mehr zum Problem. Das geht wie berichtet auch aus dem Anfang Juni im Potsdamer Institut für Binnenfischerei veröffentlichten Zwischenbericht zum Managementplan für das Gebiet Sacrower See und dem angrenzenden Königswald hervor. In dem 100-Seiten-Papier der Stiftung Naturschutz Brandenburg und des Berliner Umweltbüros Umweltvorhaben in Brandenburg Consult GmbH seien See und Ufer bereits stark in Mitleidenschaft gezogen. An vielen Stellen sei die Vegetation beeinträchtigt, das Ufer laut den Naturschützern ein Pflegefall. Und das, obwohl der Sacrower See eigentlich durch die sogenannte Flora-Fauna-Habitatrichtlinie (FFH) der Europäischen Union von 1992 geschützt ist. Die Richtlinie soll vor allem wildlebende Arten schützen.

Nicht nur die Wildbader sind an dem See ein Problem, immer öfter komme es laut den Umweltschützern auch vor, dass in dem Gebiet wild übernachtet werde. Dabei ist das verboten, wie die Stadt Potsdam in einer Pressemitteilung klarstellen. „Waldseen wie der Sacrower See, ohne nennenswerten Zu- und Abfluss, sind wegen ihrer verhältnismäßig geringen Ausdehnung sehr empfindlich und können nur eine begrenzte Belastung unbeschadet vertragen“, heißt es darin. Deshalb wolle man nun verstärkt mit Kontrollen reagieren. Außerdem soll die Beschilderung verbessert werden, um auf die Regeln im Naturschutzgebiet hinzuweisen. Da es sich bei den Uferbereichen außerhalb der geduldeten Badestelle um geschützte Biotope handele, dürften diese nicht von Badegästen genutzt werden. Auch Stand-up-Paddling, Kajaks und andere Wasserfahrzeuge sind auf dem See verboten, das Tauchen ist nur mit einer Sondergenehmigung erlaubt. Zelten, Angeln oder offenes Feuer werden ebenfalls geahndet.

Neuer Stadtteil vergrößert Probleme

Arne Korthals vom Naturschutzfonds Brandenburg sorgt sich außerdem noch um ein anderes Problem: Wenn in einigen Jahren Potsdams neuer Stadtteil Krampnitz im Norden der Stadt die ersten Bewohner zählt, wird der Sacrower See auch für sie eine Anlaufstätte im Sommer werden. 10.000 Menschen sollen einmal in dem Stadtteil wohnen. Dann könnte sich die Zerstörung des Seeufers noch mehr ausweiten, befürchtet der Umweltschützer.
Der jüngst vorgestellte Zwischenbericht enthält noch keine konkreten Maßnahmen, wie man Tier- und Pflanzenwelt am See erhalten kann, er ist nur eine Bestandsaufnahme. Konkrete Maßnahmen sollen jetzt geplant werden.

Geht es nach den Naturschützern, sollte das Baden im Sacrower See wesentlich strenger reguliert werden. Bei den weiteren Planungen der Maßnahmen zum Schutz sollen nun Waldeigentümer und -nutzer einbezogen werden. Das sieht auch die europäische FFH-Richtlinie vor. Wenn sich die Eigentümer verweigern, sind den Umweltschützern allerdings die Hände gebunden, sagt Korte. Im nächsten Jahr soll laut den Planungen der endgültige Managementplan samt konkreter Maßnahmen für den Uferschutz vorgelegt werden.