• Rückblick 2021: April, Mai, Juni: So lief das zweite Quartal in Potsdam

Rückblick 2021: April, Mai, Juni : So lief das zweite Quartal in Potsdam

2021 liegt hinter uns - was Potsdam im zweiten Jahr der Pandemie bewegt und geprägt hat. Ein Rückblick in vier Teilen. Teil 2: April, Mai, Juni.

Am 28. April wurden in einer Oberlin-Wohneinrichtung vier schwer behinderte Menschen ermordet.
Am 28. April wurden in einer Oberlin-Wohneinrichtung vier schwer behinderte Menschen ermordet.Foto: Ottmar Winter

April. Schock und Trauer: Gewalttat im Oberlinhaus und Bundes-Notbremse

Der April endet in Potsdam mit einer schockierenden Nachricht: Im Babelsberger Thusnelda-von-Saldern-Haus werden am Abend des 28. April vier Bewohner getötet und ein weiterer Mensch schwer verletzt. Eine tatverdächtige Mitarbeiterin wird in die Psychiatrie eingewiesen. Am Abend findet in der Oberlinkirche ein Trauergottesdienst statt.

Den ganzen Monat über hat die dritte Corona-Welle Potsdam im Griff. Das macht sich in vielerlei Hinsicht bemerkbar. Die Freundschaftsinsel, aber auch die Schlössergärten und Schutzgebiete sind gut besucht, leiden allerdings unter Abfall. Die Stadt lässt deshalb die Mülleimer häufiger leeren. Das Rathaus will zudem weiter investieren und bringt ein Programm in Höhe von 300 Millionen Euro für Schulen und Kitas auf den Weg. Zur Kontaktverfolgung möchte die Stadt derweil gern die Luca-App einsetzen, doch es gibt kein grünes Licht vom Land. Mit Hilfe der Hasso-Plattner-Stiftung soll Potsdams Klinikum außerdem zum Modell in Sachen Digitalisierung werden. Kulturbeigeordnete Noosha Aubel sucht unterdessen nach Modellprojekten, um die Kultur wieder zu öffnen.

Politisch wird es spannend. Die Potsdamerin Annalena Baerbock wird erste Kanzlerkandidatin der Grüne. Damit treten mit ihr und Olaf Scholz (SPD) in Potsdam erstmals bei einer Bundestagswahl zwei Kanzlerkandidat:innen in einem Wahlkreis direkt gegeneinander an.

Außerdem:

Corona-Status im April

Die dritte Welle beschäftigt Potsdam. Immer mehr Kinder und Jugendliche sind infiziert. Anfang April weitet die Stadt ihr Angebot an Teststellen massiv aus. Brandenburg hat bundesweit die vierthöchste Inzidenz. Auch Virusmutationen breiten sich weiter aus. Weiterführende Schulen werden wieder geschlossen. Hoffnung macht, dass die Impfkampagne besser läuft. Am 8. April fangen in Potsdam auch die Hausärzte mit den Impfungen an. Ab 22. April greift die neue Notbremse des Bundes.

Mai. Potsdam macht auf: Mehr Impfungen und neue Diskussionen

Coronalockerungen am Pfingstwochenende in Potsdam: Vanessa Jakobi und Christel Schmuck zu Gast bei den "Bar Fritz'n".
Coronalockerungen am Pfingstwochenende in Potsdam: Vanessa Jakobi und Christel Schmuck zu Gast bei den "Bar Fritz'n".Foto: Andreas Klaer

Zu Pfingsten ist es soweit: Dank gesunkener Inzidenzen kann in Potsdam die Außengastronomie wieder öffnen. Zur Kontaktverfolgung wird die Luca-App genutzt, die aber von Datenschützern und Informatikexperten kritisiert wird. Die Krise hat der Attraktivität Potsdams indes offenbar nicht geschadet: Die Preise für Wohnimmobilien sind deutlich gestiegen. Bis zum Jahr 2030 erwartet die Stadt bis zu 14 500 Beschäftigte mehr in der Stadt. Am alten Tramdepot beginnen unterdessen die Bauarbeiten für Hunderte Wohnungen. Vorher muss dort allerdings noch eine Fliegerbombe entschärft werden. Es ist die 205. in Potsdam seit 1990. Der Bund für Umwelt und Naturschutz kündigt zudem Klagen gegen die Pläne für einen neuen Stadtteil in Krampnitz an. Eine Prognose zeigt: der Stadt könnte der Platz für Neubauten ausgehen. Umstritten sind auch Pläne für die Neubebauung der Insel in Neu Fahrland.

Die Kostenschätzung für das Bürgerbegehren für einen Mietendeckel bei der Pro Potsdam ergibt, dass Mieter bis zu 30 Millionen Euro sparen würden. Die Rathaus-Kooperation ist dagegen, weil das Geld für Investitionen fehlen würde. Geld könnte auch der Stadt fehlen, weil Brandenburg die Regeln für den kommunalen Finanzausgleich ändern will. Der Verkehrsbetrieb braucht bald 25 neue Trams und 80 neue Busse. Ende Mai stellt sich der DHL-Erpresser, nachdem nach ihm mit einem Foto gefahndet wurde.

Außerdem:

Corona-Status im Mai

Notbremse und Impfkampagne scheinen Wirkung zu zeigen. In Brandenburg beginnt Anfang Mai die Inzidenz stetig zu sinken, in Potsdam dauert es noch etwas länger. Das Land stellt eine Million Corona-Tests für Kitakinder zur Verfügung. Die Belastung der Intensivstationen nimmt ab. Kassenärzte klagen über Mangel an Impfstoff. Am 20. Mai wird die erste Ansteckung mit der später Delta genannten Virusvariante nachgewiesen. Am Monatsende gehen die Grundschulen in den Präsenzunterricht über.

Juni. Endlich eine Synagoge: Lockdown-Ende und Lösung eines alten Problems

Ministerin Manja Schüle (SPD) und Abraham Lehrer (l.) von der Zentralwohlfahrtsstelle der Juden schließen eine Vereinbarung zum Bau der Synagoge.
Ministerin Manja Schüle (SPD) und Abraham Lehrer (l.) von der Zentralwohlfahrtsstelle der Juden schließen eine Vereinbarung zum...Foto: Andreas Klaer

Auf diesen Moment haben viele Potsdamer Juden und Jüdinnen lange gewartet: Der Streit um die neue Synagoge ist am 21. Juni Geschichte. An diesem Tag unterzeichnen Kulturministerin Manja Schüle (SPD) und Abraham Lehrer von der Zentralwohlfahrtsstelle der Juden in Deutschland im Beisein von Josef Schuster, dem Präsidenten des Zentralrats der Juden, die Vereinbarung zum Bau der Synagoge in der Schloßstraße. Noch im November wird der symbolische Grundstein gelegt werden, im Frühjahr 2024 soll das Gotteshaus nach dem Entwurf des Architekten Jost Haberland stehen. Das Land finanziert das Vorhaben mit 13,7 Millionen Euro und unterstützt auch den Betrieb mit jährlich 650 000 Euro. An den Planungen und insbesondere dem Aussehen des Gebäudes hatte sich seit 2005 ein heftiger innerjüdischer Streit entzündet, so dass das Land das Projekt 2011 vorläufig stoppte. Mehrere Vermittlungsrunden blieben ergebnislos. Josef Schuster bringt auf den Punkt, was der geglückte Neuanlauf gerade für die Älteren bedeutet: „Viele sehnen sich danach, die Fertigstellung ihres religiösen und kulturellen Zentrums noch zu erleben, darin zu beten und gemeinsam Gottesdienste und Feste zu feiern.“

In Werder (Havel) kommt eine andere unendliche Geschichte zum glücklichen Schluss: Die Blütentherme eröffnet. Weniger gut sieht es für Potsdams Großprojekt Krampnitz aus – nach diversen Klagedrohungen kündigt Oberbürgermeister Mike Schubert (SPD) einen „Stresstest“ an.

Außerdem:

Corona-Status im Juni

Die Inzidenzen stürzen ab wie Jogis Elf bei der Fußball-EM: Potsdam steht am Monatsende bei 1,1. Schrittweise öffnen Innengastro, Kultur- und Sporteinrichtungen sowie Hotels, ab 16. Juni dann ohne Testpflicht – der Lockdown ist vorbei. Schon ab 3. Juni ist in Potsdam draußen keine Maske mehr nötig. Die Impfpriorisierung fällt: Erst gibt es Kapazitätsprobleme, dann schwächelt die Nachfrage. Experten warnen jedoch weiter vor der Delta – Aufregung gibt es um volle EM-Stadien in Großbritannien, wo die Variante grassiert.

Hier finden Sie die weiteren Teile des Jahresrückblicks für Potsdam 2021: 1. Quartal, 3. Quartal4. Quartal.

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