• Retter aus Brandenburg in der Eifel: Hilfe dankbar angenommen

Retter aus Brandenburg in der Eifel : Hilfe dankbar angenommen

Der Potsdamer Sebastian Frenkel und der Katastrophenschutz Mittelmark packten in der Krisenregion Eifel mit an.

Bautrockner, Stromgeneratoren, Kabel und Motorsäge brachten Sebastian Frenkel und seine Helfer in die Krisenregion. 
Bautrockner, Stromgeneratoren, Kabel und Motorsäge brachten Sebastian Frenkel und seine Helfer in die Krisenregion. Foto: privat

Potsdam - Zurück aus dem Katastrophengebiet: Von Freitag bis Samstagabend war Sebastian Frenkel zusammen mit seinen neun Helfern aus dem Freundes- und Bekanntenkreis in der Eifel, um in von der Überschwemmung besonders zerstörten Orten Hilfe zu leisten und technisches Gerät zu verteilen: „Als wir ins obere Ahrtal gekommen sind, hat man gesehen, zu was für einem Monster dieser friedliche Fluss geworden ist. Die Straße, Schilder, Leitplanken – alles nicht mehr da.“

In einer Woche 50.000 Euro Spenden gesammelt

Der Potsdamer Werbeagenturchef hatte eine Woche zuvor die Aktion „Potsdam hilft der Eifel“ gestartet und rund 50.000 Euro eingesammelt, mit denen er insgesamt 129 Bautrockner, 41 Stromgeneratoren, 50 Kabel und eine Motorsäge besorgt hat, um sie vor Ort den Menschen zu geben, die ihre überfluteten Häuser versuchen zu retten. Pro Familie spendeten sie jeweils zwei bis drei Bautrockner, sagt Frenkel: „Die Leute sind dankbar, aber sie sind auch fertig. Die haben jetzt eine Woche lang ihre Häuser ausgepumpt und kriechen auf dem Zahnfleisch.“

Am frühen Samstag fuhren die Potsdamer mit den orangenen Huckleberrys-Transportern Richtung Erftstadt, kamen mit ihrem Konvoi in Antweiler jedoch nicht mehr weiter. „Am Straßenrand stand ein Mann im Unterhemd, verschmutzt und abgekämpft, und hat uns erklärt, wie wir am schnellsten weiterkommen“, sagt Frenkel. „Er hat uns dann mit dem Auto über Felder und Höfe geführt, ein abenteuerlicher Weg, den hätten wir alleine nie gefunden.“

Auf dem Weg ins Katastrophengebiet: Hilfsgüter im Wert von 50.000 Euro waren an Bord.
Auf dem Weg ins Katastrophengebiet: Hilfsgüter im Wert von 50.000 Euro waren an Bord.Foto: privat

Der hilfsbereite Anwohner hatte ebenfalls sein Haus verloren, wo das Wasser 1,60 Meter hoch gestanden hatte. „Ich hab in das Haus reingeschaut, das war unbeschreiblich. Der Mann hatte alles verloren“, sagt Frenkel. „Er sagte zu uns, er muss seine Kinder zum Psychologen schicken, die sind total traumatisiert.“ Spontan legten Frenkel und seine Helfer 500 Euro zusammen und spendeten dem Anwohner zudem zwei der Trockner und dazugehörige Infrarotplatten. „Und ich habe ihm versprochen, dass ich ihm einen neuen Fußboden beschaffe, ich arbeite für einen großen Fußbodenhersteller in Brandenburg“, so Frenkel.

300 Menschen halfen beim Entrümpeln eines Seniorenheims

In Erftstadt ging die Verteilaktion weiter, die Potsdamer waren beeindruckt über die Solidarität vor Ort: „Da war ein Seniorenheim, das ausgepumpt worden war, und über einen Facebook-Aufruf waren über 300 Menschen gekommen, um den Keller und das Erdgeschoss auszuräumen“, sagt Frenkel. „Innerhalb von drei Stunden war alles raus. Es ist unglaublich, was zu schaffen ist, wenn Leute zusammen anpacken.“ Und Frenkel möchte weitermachen: Derzeit versucht er an 70 weitere Bautrockner heranzukommen und will dafür demnächst einen neuen Aufruf starten.

Generatoren, Bautrockner, Kabel - all das brachten Potsdamer in die Überschwemmungsregion.
Generatoren, Bautrockner, Kabel - all das brachten Potsdamer in die Überschwemmungsregion.Foto: privat

Mehr als 130 Helfer aus Mittelmark im Katastrophengebiet

Auch aus Potsdam-Mittelmark kam Hilfe: Bereits am Mittwochabend war ein großer Verband aus insgesamt 139 Helfer:innen und 37 Fahrzeugen in die Eifel aufgebrochen, bestehend unter anderem aus Mitgliedern des Katastrophenschutzes, der Feuerwehr, dem Technischen Hilfswerk und verschiedenen Sanitätsdiensten. „Die Lage war unübersichtlich, die Emotionen nicht in Worte zu fassen und was bleibt, ist das Gefühl, noch mehr Hilfe leisten zu können“, heißt es auf der Facebook-Seite des Katastrophenschutzes Potsdam-Mittelmark. „Der Einsatz war auf 48 Stunden begrenzt, aber wir hätten gerne noch länger geholfen“, sagt Andy Laube, einer der Einsatzleiter.

"Gefragt haben, ob wir zu essen geben können"

Am frühen Donnerstagmorgen war der Konvoi am Nürburgring angekommen und koordinierte sich mit den örtlichen Einsatzkräften: „Die haben unsere Hilfe dankend angenommen“, sagt Laube. „Viele der Feuerwehrleute dort haben selbst ihre Häuser verloren. Auch viele Feuerwachen waren zerstört.“ Was ihn besonders schockierte, war die desolate Lage der Bevölkerung: „Wir wurden von Menschen angesprochen, die Hunger hatten und uns gefragt haben, ob wir ihnen etwas zu essen und zu trinken geben können.“ Alles, was man an überschüssigem Essen dabei hatte, wurde gespendet, viele Kamerad:innen hätten an diesem Tag auf ihr Essen verzichtet, so Laube.

Auch eine Woche danach noch Leben retten

Die Einsatzkräfte aus Potsdam-Mittelmark halfen, wo sie konnten, räumten Keller aus, leisteten technische Hilfe, erkundeten abgelegene Orte und Gehöfte. Tote wurden dabei nicht gefunden, aber auch eine Woche nach den Überschwemmungen mussten noch Leben gerettet werden: „Eine Einheit von uns hat in einem Haus ein 17-jähriges Mädchen gefunden, das völlig dehydriert und unterkühlt war“, sagt Laube. „Es wurde sofort nach Bonn in die Uni-Klinik gebracht.“

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Lobgesang auf der Autobahn-Raststätte

Alle Einsatzkräfte sind wieder heil und gesund zu Hause angekommen, nur ein „Verlust“ ist zu beklagen: Ein Löschfahrzeug musste aufgrund eines Getriebeschadens zunächst von der Bundeswehr geborgen und schließlich vor Ort zurückgelassen werden, da in der Kürze der Zeit keine Reparatur möglich war. Kurz vor der Rückkehr erlebten die Helfer:innen noch eine Überraschung, als sie gerade auf Autohof Coswig einen Stopp eingelegt hatten: Auf einmal hielt ein Reisebus und eine Gruppe von BFC Dynamo-Fans stieg aus und sang „Ein Hoch auf die Feuerwehr!“. Die Einsatzkräfte waren sprachlos und gerührt: „Das erlebt man auch nicht alle Tage“, sagt Laube.


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