• Potsdamer helfen beim Bau einer Schule in Togo

Reisegruppe aus Potsdam : Potsdamer helfen beim Bau einer Schule in Togo

Eine Potsdamer Gruppe ist in das togoische Dorf Balanka gereist, um dort eine Berufsschule aufzubauen. Zunächst war der Einsatz von Macheten nötig.

Kinder aus dem Dorf, in dem die Potsdamer beim Aufbau geholfen haben.
Kinder aus dem Dorf, in dem die Potsdamer beim Aufbau geholfen haben.Foto: Privat

Potsdam/Balanka - Das togoische Dorf Balanka, das unmittelbar an das Nachbarland Benin grenzt, ist genau genommen gar kein Dorf. Jedenfalls nicht nach deutschen Vorstellungen: Rund 12.000 Menschen leben hier, etwas weniger als die Hälfte sind Kinder. Als die fünfzehnköpfige Reisegruppe um die Potsdamerin mit togoischen Wurzeln, Koko N'Diabi Affo-Tenin, Mitte Oktober in Balanka eintrifft, wird sie von allen Bewohnern herzlich empfangen. „So schnell konnten wir gar nicht gucken, wie unsere Sachen ins Haus getragen wurden“, erinnert sich Steffi Ribbe. Die Künstlerin war mit dabei – drei Wochen Togo, das heißt drei Wochen Entwicklungshilfe bei 36 Grad im Schatten und 89 Prozent Luftfeuchtigkeit. Für Ribbe war es das erste Mal in dem westafrikanischen Staat am Golf von Guinea. Zu der Gruppe gehörten Schüler von der Friedrich-Wilhelm-von-Steuben-Gesamtschule sowie von der Leonardo-da-Vinci-Gesamtschule, ein Französischlehrer, Ingenieure von der Hilfsorganisation „Ingenieure ohne Grenzen“ und eine Journalistin. Das gemeinsame Ziel: eine Berufsschule im Dorf aufbauen.

Koko N'Diabi Affo-Tenin (2. v. l.) ist mit ehrenamtlichen Helfern aus Potsdam in ihr Heimatdorf Balanka gereist. 
Koko N'Diabi Affo-Tenin (2. v. l.) ist mit ehrenamtlichen Helfern aus Potsdam in ihr Heimatdorf Balanka gereist. Foto: Andreas Klaer

Affo-Tenin ist in Balanka groß geworden, nur durch die Hilfe ihrer Tante konnte sie in der Hauptstadt Lomé Abitur machen. Vor über dreißig Jahren kam die heute 59-Jährige dann nach Deutschland und gründete 1999 den Verein Bildung für Balanka (BiBa e.V.). Zunächst organisierte sie Schulbücher für die Kinder in ihrem Heimatdorf. 2006 fand die erste Togo-Reise mit Schülern der Steuben-Gesamtschule statt. Im selben Jahr begann der Aufbau einer Bibliothek – 2008 konnte der Bau mit Solarpanels für das Leselicht fertiggestellt werden. Es folgten eine weiterführende Schule sowie zwei Grundschulen. 50 Euro benötigt ein Kind in Togo pro Jahr, um zur Grundschule gehen zu können, 120 Euro für den Besuch einer Oberschule. Doch diese Kosten seien für die Meisten in Balanka zu hoch, insbesondere Mädchen würden deswegen oft zu Hause bleiben, sagt Affo-Tenin. Mit ihrem Verein versucht sie, auch einzelnen Kindern finanziell unter die Arme zu greifen.

„Koko ist im Dorf hochangesehen. Wenn sie ins Dorf kommt, wissen die Leute: Jetzt passiert wieder was“, erzählt Ribbe. Der Bau der Berufsschule soll 2020 beginnen. Das Grundstück hat die Gemeinde bereits zur Verfügung gestellt. Während ihres Aufenthalts in Balanka hat die Potsdamer Gruppe das Gelände mit Macheten gesäubert und einen groben Plan erstellt – mit Einzelheiten darüber, was alles getan werden muss. Alle Vorhaben erfolgen in Absprache mit dem Dorfältestenrat und einem Dorfgremium, das sich um die Entwicklung des Dorfes kümmert. Und auch die Arbeiter aus Balanka seien wie bei anderen Projekten direkt miteinbezogen worden, berichtet Affo-Tenin und grinst: „Bei so einer Baustelle sind aber sowieso alle sofort auf den Beinen.“ Weil sich etwas tut und natürlich, weil Geld verdient werden kann.

Schönen Erfahrungen haben überwogen

Jonas Völkel hat noch immer Spuren von Blasen an seinen Händen, bemerkt er, während er Fotos von der Reise am Rechner durchklickt. Balanka sieht idyllisch aus: strahlend blauer Himmel, rötlicher Boden, saftiges Grün. Völkel hat sich vollends verguckt. Der 19-Jährige ist im kommenden Jahr fertig mit der Schule. Danach will er ein Freiwilliges Soziales Jahr in Togo machen. „Er hat längst das Afrika-Fieber“, lacht Affo-Tenin. Anstrengende Momente habe es auch gegeben – die Hitze, der Müll, der Lärm am Morgen –, aber die schönen Erfahrungen hätten überwogen, so Völkel.

Affo-Tenin selbst fliegt in Bauphasen manchmal vier Male im Jahr in ihre Heimat. Für die Berufsschule muss sie mit ihrem Verein nun mindestens 62.500 Euro zusammenkriegen, denn 25 Prozent der Baukosten muss der Verein selbst aufbringen. Von den Gesamtkosten müssen auch die Lehrer bezahlt werden, für deren Familien außerdem Unterkünfte errichtet werden sollen. Um Eindrücke von dort wichtigen Berufen zu sammeln, hat sich die Gruppe aus Potsdam auch Betriebe angeschaut: etwa eine Schälfirma, in der Cashewnüsse für den Verzehr vorbereitet werden. Es gebe mittlerweile sechs Schulen im Dorf, so Affo-Tenin, aber nach der zehnten Klasse seien die Kids dann wieder zu Hause. Deswegen wünsche sie sich schon seit langer Zeit eine Berufsschule. Mit der Reise ist dieser Traum ein bisschen näher gerückt.

» Informationen gibt es unter: www.balanka.org/mitgliedschaft