• Refugee-Radio : Eine Stimme für Flüchtlinge in Potsdam

Refugee-Radio : Eine Stimme für Flüchtlinge in Potsdam

Der diesjährige Landesintegrationspreis ist am Mittwoch verliehen worden – auch an ein besonderes Projekt aus Potsdam.

Engagiert für Flüchtlinge. In der Radiosendung geht Obiri Mokini auf die Schwierigkeiten geflüchteter Menschen im Alltag ein.
Engagiert für Flüchtlinge. In der Radiosendung geht Obiri Mokini auf die Schwierigkeiten geflüchteter Menschen im Alltag ein.Foto: PNN / Ottmar Winter

Potsdam - Die Themen Flucht und Integration haben sich seit einiger Zeit fest in den Medien etabliert und sind Teil der öffentlichen Berichterstattung. Dabei sind es aber vor allem Menschen ohne Fluchterfahrung, die darüber schreiben, sprechen oder diskutieren. Bei „Refugee-Radio Potsdam“, 2014 gegründet, ist das anders. Einmal im Monat wird die Sendung über das Freie Radio Potsdam in mehreren Sprachen gesendet. Obiri Mokini, der selbst eine Fluchtgeschichte hinter sich hat, richtet den Fokus auf sämtliche Themen, die sich um Flucht, Migration und Integration drehen.

Am Mittwoch wurde das Projekt in der Kulturkirche in Luckau mit dem Landesintegrationspreis 2018 ausgezeichnet und belegte den zweiten Platz. „Die regelmäßige Sendezeit des Refugee-Radio im Freien Radio Potsdam lädt Geflüchtete zur aktiven Mitgestaltung der Sendungen ein. „Das Refugee-Radio gibt Flüchtlingen eine Stimme“, sagte Magdolna Grasnick, Potsdamer Beauftragte für Migration und Integration, bei der Preisverleihung. Der mit 2000 Euro dotierte Preis ging an zwei weitere Projekte in Brandenburg, darunter der Verein Mensch Luckau, der den ersten Platz belegte, sowie der Verein ESTAruppin, der auf dem dritten Platz landete.

Obiri Mokini, der 1996 von Nigeria nach Deutschland gekommen ist, freut sich über die Auszeichnung. „Wir haben noch viele Aktivitäten vor uns“, sagte er. Das Geld könnten sie daher gut gebrauchen. Schließlich erhalten die Mitwirkenden, die in der Regel vorher keine Radioerfahrung hatten, Sprechtrainings oder nehmen an verschiedenen Workshops teil. Zurzeit gebe es insgesamt drei weitere Mitarbeiter. Das wechsle aber ständig, sagte Mokini, der hauptberuflich für den Verein samo.fa für die Integration Geflüchteter arbeitet. Mokini, seit 2016 beim Refugee-Radio, übernimmt die Redaktion und Moderation in englischer Sprache, unterstützt wird er von Erich Benesch, der sich um die Technik kümmert und im Deutschen unterstützt.

Themen wie Gesundheit oder Wohnungssuche

Themenanregungen und Fragen zu verschiedenen Alltagsproblemen kämen vor allem von Geflüchteten, die in der Region leben, erzählt Mokini. Für die Radio-Sendungen gehen er und die anderen Mitarbeiter daher oft in Flüchtlingsheime, um die dortigen Bewohner oder Heimleiter zu interviewen. Genauso gibt es auch Diskussionsrunden live im Freiland-Studio. Das Programm richtet sich an die Geflüchteten, die in Deutschland als Neuankömmlinge den Alltag bewältigen müssen. Themen wie Gesundheit oder Wohnungssuche werden daher aufgegriffen – oder auch, wie der nicht immer einfache Alltag in den Wohnheimen sinnvoll gestaltet und organisiert werden kann. Genauso gibt es verschiedene Themenschwerpunkte wie zum Beispiel über die Schwierigkeit mancher, die aufgrund der Kinderbetreuung keine Deutschkurse besuchen können.

Hörer gibt es aber nicht nur in der Region, sondern auch in afrikanischen Ländern wie Ghana, Nigeria oder Kenia, wo die Sendung über das Internet verfolgt wird. Also Länder, aus denen die Menschen nach Europa fliehen. Mokini geht es auch darum, diesen Menschen zu vermitteln, was Flucht bedeutet und wie die Situation nach der Ankunft ist. Sie sollen auch erfahren, dass viele Menschen bei der Überfahrt über das Mittelmeer ertrinken, sagt er.

Die reale Situation schildern

Viele Afrikaner würden außerdem denken, dass man in Deutschland sofort einen Arbeitsplatz bekommt, sagte der 53-Jährige. „Wir wollen, dass sie richtige Informationen bekommen, bevor sie entscheiden.“ Vor allem die Schleuser, die aus der Flucht vieler Menschen Profit schlagen und zum Teil bis zu 7000 Euro kassieren, würden bewusst ein falsches Bild von Deutschland vermitteln, sagt er. Wie zum Beispiel, dass man nach der Ankunft in Deutschland sofort eine schöne Wohnung erhalte. Sein Ziel sei es daher, die reale Situation zu schildern und außerdem legale Wege der Flucht zu vermitteln.

Der Redaktion mangelt es nie an Themen. Eigentlich bräuchten sie noch eine weitere Stunde, sagt Mokini. „Die Zeit reicht nicht aus.“ Jeden dritten Montag im Monat von 20 bis 21 Uhr ist die Sendung über die Frequenz 90,7 oder per Stream über www.88vier.de zu hören. Der nächste Termin ist der 18. Februar.