• Refraktor in Potsdam: Neues unterm Sternenhimmel

Refraktor in Potsdam : Neues unterm Sternenhimmel

Nach einem Jahr ist nun auch das Kuppelgebäude des Großen Refraktors auf dem Telegrafenberg saniert. Mit einem Linsenteleskop aus dem Jahr 1899.

Neue Fassade: Das Gebäude des Großen Refraktors wurde saniert.
Neue Fassade: Das Gebäude des Großen Refraktors wurde saniert.Foto: B.Settnik/dpa

Potsdam/Teltower Vorstadt - Es ist etwa vier Wochen her, da legte Jörg Limberg das erste Mal seine Hand auf den glatten hölzernen Handlauf des sanierten Treppengeländers. Grün und gold ist das verschnörkelte Geländer darunter gestrichen. Eine Ära in der Arbeit des Denkmalpflegers geht zu Ende: Die Sanierung des Großen Refraktors auf dem Telegrafenberg. „Das wird gut“, habe Limberg bereits im Laufe der Planungen der Sanierung der Kuppel gewusst, erzählt er am gestrigen Mittwoch bei der Wiedereinweihung des Großen Refraktors. Nach dessen Instandsetzung von 2003 bis 2006 ist seit Mai auch die Kuppel und das Treppenhaus nach einem Jahr Sanierung fertig. Sie wurde nun vom Leibniz-Institut für Astrophysik Potsdam (AIP) feierlich eingeweiht. 900 000 Euro kostete das Projekt, das zu gleichen Teilen von Land und Bund finanziert wurde.

„Gebäude und Instrument sind eng miteinander verwoben“, sagte Limberg gestern. Seit 26 Jahren ist er als Denkmalpfleger für den Telegrafenberg zuständig, der Refraktor hat ihn lange begleitet. Seit 1968 wird er nicht mehr für die Wissenschaft genutzt und thront als Denkmal der Sternenforschung neben dem Einsteinturm. Hell scheint seine Kuppel durch die Bäume, kühl ist es, wenn man das Treppenhaus der Teleskopanlage betritt. Das sanierte Geländer führt den Besucher über mehrere Etagen nach oben. Und quasi als Höhepunkt im wahrsten Sinne des Wortes tritt man in die holzgetäfelte Kuppel, in der er thront: der große Refraktor, mehrere Meter hoch, in der Mitte. Hier entdeckte der Forscher Johannes Hartmann 1904, dass der Raum zwischen Sternen nicht leer ist, sondern mit Materie gefüllt, aus der neue Sterne entstehen.

Für den Betrieb der drehbaren Kuppel gab es ein eigenes E-Werk

Das Linsenteleskop wurde am 26. August 1899 in Anwesenheit von Kaiser Wilhelm II. als Hauptteleskop des Astrophysikalischen Observatoriums Potsdam eingeweiht. Noch heute ist der Refraktor das viertgrößte Linsenteleskop der Welt. Bis 2006 wurde es umfassend restauriert – auch der Innenraum der Kuppel. Jetzt wurde die Außenfassade überarbeitet und neu gestrichen, sowie das Treppenhaus. Besonders die Suche nach dem richtigen Farbton bereitete den Denkmalpflegern Kopfzerbrechen. Am Ende orientierten sie sich an alten Fotografien der Kuppel des Fotografischen Refraktors nebenan. Der Architekt Paul Spieker habe beide Gebäude geplant, die Farbgebung sei ähnlich gewesen, erklärt Limberg den Entschluss. Auch die Instandsetzung der Kacheln rund um die Kuppel erforderte Einfallsreichtum: Mit Zitronensäure mussten sie gereinigt werden, weil mit anderen Verfahren die Verkrustungen nicht verschwinden wollten. Rund ein Jahr lang wurde das Gebäude von Spezialfirmen saniert. Die 200 Tonnen schwere, drehbare Kuppel hat einen Durchmesser von 21 Metern. Für ihren Betrieb hatte man Ende des 19. Jahrhunderts sogar ein eigenes E-Werk auf dem Telegrafenberg gebaut.

„Der Große Refraktor und der Telegrafenberg waren nicht nur vor mehr als 100 Jahren bedeutende Wissenschaftsorte – sie sind es bis heute“, erklärte Wissenschaftsministerin Martina Münch (SPD) bei der Einweihung. Der Wissenschaftspark Albert-Einstein beherberge international agierende Forschungsinstitutionen, die zur Stärke und Dynamik der brandenburgischen Wissenschaft beitragen.

„Die Sternwissenschaft erlebt derzeit eine Renaissance“, sagte Matthias Steinmetz, Wissenschaftlicher Vorstand des AIP. Heute beginne man mit der Suche nach Sternen, auf denen Leben möglich sei. „Der Ausgangspunkt sind die Erkenntnisse durch den Großen Refraktor auf dem Telegrafenberg.“

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