• Ranking zu Wirtschaftskraft: Potsdam sackt ab - nicht mehr unter den Top 100

Ranking zu Wirtschaftskraft : Potsdam sackt ab - nicht mehr unter den Top 100

In einer Untersuchung des Kölner Instituts der deutschen Wirtschaft (IW) rutscht die Stadt von Platz 49 auf Rang 128 ab. Das sind die Gründe.

Potsdam wird stark von Bildung und Verwaltung geprägt.
Potsdam wird stark von Bildung und Verwaltung geprägt.Foto: Andreas Klaer

Potsdam - Potsdam ist im Niveauvergleich des Regionalrankings des Kölner Instituts der deutschen Wirtschaft (IW) abgerutscht. In der jüngsten Untersuchung belegt die Landeshauptstadt unter allen 401 Landkreisen, kreisfreien Städten und Stadtstaaten nur noch Platz 128. Zwei Jahre zuvor war Potsdam noch auf einem respektablen 49. Platz gelandet. Nun reicht es gerade noch knapp für das vordere Drittel. „Die Stadt profitiert sehr als Wissenschafts- und Verwaltungsstandort. Das wirkt sich aber (noch) nicht auf die gemeindliche Steuerkraft aus“, erklärte IW-Geschäftsführer Hanno Kempermann den PNN.

Das Institut der deutschen Wirtschaft gibt alle zwei Jahre das sogenannte Regionalranking heraus. Untersucht wurden demnach 55 Einzelindikatoren, wobei 14 davon als relevant klassifiziert in das Ranking einflossen. Sie gliedern sich in die drei Bereiche Wirtschaftsstruktur, Arbeitsmarkt und Lebensqualität. Das Regionalranking beinhaltet zwei Vergleiche: Der Niveauvergleich gibt den aktuellen Stand wieder, der Dynamikvergleich die Veränderungen der jüngsten Zeit. Das IW wird von Verbänden und Unternehmen der Wirtschaft finanziert. Trägervereine sind die Bundesvereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände und der Bundesverband der Deutschen Industrie.

Im Bereich Arbeitsmarkt schneidet Potsdam gut ab

Potsdams mäßige Platzierung rührt vor allem an seinem Abschneiden im Bereich der Wirtschaftsstruktur. Dort landet die Stadt nur auf Platz 354. Hier wirkt sich insbesondere der niedrige Gewerbesaldo in der stark von Verwaltung und Bildung geprägten Stadt aus. Auch um die Steuerkraft der Kommune ist es infolgedessen schlecht bestellt. Da hilft dann auch ein hoher Anteil der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten in wissensintensiven Dienstleistungen nicht.

Deutlich besser, nämlich bundesweit auf Rang 7, schneidet Potsdam im Bereich Arbeitsmarkt ab. Das Verhältnis der 20- bis unter 60-Jährigen zu den ab 60-Jährigen ist vergleichsweise gut. Aber vor allem glänzt Potsdam mit einem hohen Anteil an hochqualifizierten Beschäftigten. Auch der Bereich Lebensqualität bringt der Stadt mit Rang 26 eine sehr gute Platzierung ein. Vor allem der Zuzug vieler Menschen im Alter zwischen 25 und 30 Jahren schlägt dabei zu Buche.

Darum ist die Stadt abgerutscht

Im Grundsatz hatten sich die Stärken und Schwächen der Stadt auch in vorangegangenen Rankings ähnlich verteilt. Dass Potsdam nun derart abgerutscht ist, liegt vor allem an der viel schlechteren Platzierung im Vergleich des Gewerbesaldos und der Steuerkraft. Eine Rolle dabei könnten Gewerbeabmeldungen im Zuge des ersten Coronajahrs 2020 spielen, in dem die Daten für diesen Teil des Vergleichs erhoben wurden. 

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Wichtiger noch könnte allerdings ein bundesweiter Trend sein: Gerade Städte und Kreise im Norden und Westen haben gegenüber dem starken Süden aufgeholt. Insgesamt liegen 55 der 67 erfolgreichsten Regionen Deutschlands in Bayern oder Baden-Württemberg, doch auch in Schleswig-Holstein und Niedersachen mehren sich die Städte und Kreise mit guten bis sehr guten Platzierungen. Brandenburg ist das einzige Bundesland im Osten, dessen Kreise es sogar in die Spitzengruppe schaffen: Potsdam-Mittelmark, Teltow-Fläming und der Flughafenkreis Dahme-Spreewald landen beispielsweise im ersten Sechstel.

Wenige Gewerbeanmeldungen als Schwachpunkt

Etwas freundlicher sieht das Ranking für Potsdam aus, wenn es um die sogenannte Dynamik geht – also darum, wie sich die Indikatoren seit der letzten Erhebung entwickelt haben. Das soll sozusagen den Trend beschreiben. Insgesamt landet Potsdam im Dynamikvergleich auf Platz 62. Auch bei diesem Punkt bleiben die wenigen Gewerbeanmeldungen ein Schwachpunkt, doch konnte Potsdam beim Anteil hochqualifizierter Beschäftigter weiter hinzugewinnen. Und bei den ohnehin starken Werten zur Lebensqualität gab es obendrein im Vergleichszeitraum auch noch eine überdurchschnittlich stark sinkende Kriminalitätsrate.

Champion im Dynamikranking ist die schleswig-holsteinische Landeshauptstadt Kiel. Sie steht damit symbolisch für das starke Abschneiden von Städten und Landkreisen im Norden und Westen Deutschlands. Aber auch Brandenburg muss sich nicht verstecken: Immerhin zehn von 18 Landkreisen und kreisfreien Städte schaffen es in die vordere Hälfte – so viele wie in keinem anderen Bundesland im Osten.

Wie ein Vergleich ausfällt, hängt natürlich auch davon ab, was und unter welchen Gesichtspunkten verglichen wird: So hatte Potsdam noch im Herbst in sogenannten Städteranking gut abgeschnitten. Dabei bewertet ebenfalls das IW zusammen mit dem Internetportal ImmoScout24 und der Zeitschrift Wirtschaftswoche 71 deutsche Städte mit mehr als 100.000 Einwohnern. Mit Platz 19 stand Potsdam darin sogar vor vielen westdeutschen Großstädten wie Hannover, Leverkusen, Aachen oder Bremen. Hilfreich war dabei, dass die Mieten in Potsdam trotz aller Steigerungen immer noch niedriger waren als in vielen Städten im Süden, Westen und Norden. Im neuen Regionalranking wurde dieses Kriterium aber nicht gewichtet.

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