• Radverkehr: Potsdam schafft mehr Radstellplätze

Radverkehr : Potsdam schafft mehr Radstellplätze

Die neue Fahrradstation im Potsdamer Hauptbahnhof soll im September 2015 eröffnen. Eine zweite ist bereits geplant

Fahrradchaos. Die Abstellbügel am Haupbahnhof sind ausgelegt für 550 Fahrräder. Im Rathaus geht man davon aus, dass es in Wirklichkeit pro Tag doppelt so viele sind. Abhilfe soll zunächst eine Fahrradstation im Bahnhof schaffen.Alle Bilder anzeigen
28.10.2014 22:10Fahrradchaos. Die Abstellbügel am Haupbahnhof sind ausgelegt für 550 Fahrräder. Im Rathaus geht man davon aus, dass es in...

Um noch mehr Berufspendler zum Verzicht auf das Auto zu bewegen, baut Potsdam die Zahl der Fahrradstellplätze massiv aus. Am Hauptbahnhof und am Bahnhof Charlottenhof sollen 2015 insgesamt 700 neue Abstellmöglichkeiten geschaffen werden, in den kommenden Jahren soll der Ausbau weitergehen.

Allein am Hauptbahnhof wird die Zahl der Fahrradstellplätze im kommenden Jahr verdoppelt – auf insgesamt 1100. Im September soll die seit Langem geplante Fahrradstation mit Kapazitäten für 550 Fahrräder eröffnet werden. Für 650 000 Euro soll sie im Parkhaus der Bahnhofspassagen entstehen. Das Land fördert das Projekt mit 435 000 Euro, den Rest zahlt die Stadt. Am Dienstag übergab Brandenburgs Infrastrukturminister Jörg Vogelsänger (SPD) den Fördermittelbescheid an Baudezernent Matthias Klipp (Grüne). Es sei notwendig, eine „aufstrebende Stadt wie Potsdam“ finanziell zu unterstützen, damit sie der wachsenden Zahl von Pendlern gerecht werden könne, so Vogelsänger. Die Fahrradstation sei eine „Einladung, das Fahrrad zu benutzen“, denn dort stehe es künftig „trocken, warm und sicher“.

Insgesamt 1000 Quadratmeter des Parkhauses werden für die Fahrradstation genutzt, 44 Parkplätze müssen dafür geopfert werden, sagte Potsdams Fahrradbeauftragter Torsten von Einem. Die Einrichtung soll direkt und ebenerdig von der Babelsberger Straße aus zu erreichen sein, dafür wird eigens ein neuer Durchbruch zum Parkhaus geschaffen. Eigentümer der Flächen bleibt das Vermietungsmanagement der Bahnhofspassagen, die Firma WealthCap. Die Stadt mietet das Areal und sucht nun einen Betreiber. Im November soll die Ausschreibung starten, Interessenten gebe es bereits, sagte von Einem. Mit dem Umbau werde im Februar 2015 begonnen, im September soll die Fahrradstation eröffnen – inklusive eines Servicebereichs mit angeschlossener Werkstatt, in der man sein Fahrrad reparieren lassen kann.

Kostenfrei ist das Angebot allerdings nicht. Zwischen 70 Cent und einem Euro pro Tag werde man pro Fahrradstellplatz zahlen müssen, kündigte von Einem an. Monats- und Jahreskarten sollen den Preis für Dauerparker noch einmal drücken. Kostendeckend werde der Betrieb damit trotzdem nicht: 10 000 bis 15 000 Euro an jährlichen Betriebskosten werde die Stadt wohl zuschießen müssen. Von Einem ist sich sicher, dass das Angebot angenommen wird, obwohl es Geld kostet. „In anderen Städten funktioniert das auch“, sagte er. Allein in Nordrhein-Westfalen gebe es rund 100 solcher Stationen, in Brandenburg hat das Land bereits in Bernau den Bau eines Parkhauses für Fahrräder gefördert. Tatsächlich gibt es für die Fahrradstation eine neue Zielgruppe: all jene, die ein teureres Fahrrad besitzen, mit dem sie sich bislang nicht zum Bahnhof trauten, weil sie Angst hatten, dass es gestohlen werden würde. Denn um Diebstähle möglichst zu vermeiden, werde die Station auch videoüberwacht, so von Einem. In der Landeshauptstadt hatte die Zahl der Fahrraddiebstähle wie berichtet in den letzten Monaten deutlich zugenommen.

Neben Stellplätzen für normale Fahrräder, E-Bikes und Pedelecs soll es auch eine begrenzte Anzahl von Abstellmöglichkeiten für Sonderräder wie Tandems, Dreiräder oder Kinderanhänger geben. Über Schließfächer soll die Station ebenfalls verfügen, in denen etwa Fahrradhelme oder anderes Zubehör verstaut werden kann. In jedem Schließfach soll es zudem eine Steckdose geben, damit die Akkus für E-Bikes und Pedelecs aufgeladen werden können.

Die Fahrradstation sei ein „enormer Fortschritt“ für das erklärte Ziel der Potsdams, umweltfreundliche Verkehrsmittel zu fördern, weil Rad und Bahn miteinander verknüpft würden, sagte Baudezernent Klipp. Lob kam auch vom Verkehrsclub Deutschland (VCD). Eine jahrelange Forderung werde endlich erfüllt, sagte Brandenburgs VCD-Chef Krister Volkmann.

Tatsächlich deckt die Zahl der Fahrradstellplätze am Hauptbahnhof den Bedarf schon seit Jahren nicht einmal annähernd. 275 sogenannter Abstellbügel gibt es bislang rund um den Bahnhof, jeder ist eigentlich nur für das Abstellen von zwei Fahrrädern ausgelegt – eins auf jeder Seite. Tatsächlich sind es aber weitaus mehr. Mit der Fahrradstation decke man daher gerade den Bedarf auf der Nordseite des Bahnhofs, sagte von Einem. Innerhalb der nächsten fünf bis acht Jahre will die Stadt daher eine zweite Fahrradstation auf der Südseite des Bahnhofs einrichten. Nach einem geeigneten Standort werde bereits gesucht, so der Radbeauftragte.

Generell fehle es an allen Potsdamer Bahnhöfen an Fahrradstellplätzen. Am prekärsten sei die Lage am Bahnhof Charlottenhof. Dort werde man daher im kommenden Jahr etwa 150 neue Stellplätze schaffen, kündigte von Einem an. Auch an den S-Bahnhöfen Griebnitzsee und Babelsberg „drückt der Schuh“. Vor allem am Bahnhof Babelsberg sei es wegen des begrenzten Platzes schwierig, neue Stellplätze zu bauen. Immerhin: 24 konnten dort im Zuge der Sanierung der Schulstraße neu geschaffen werden.