• Potsdam belegt bundesweit den fünften Platz im Fahrradklimatest
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Radfahren in der Stadt : Potsdam ist im ADFC-Fahrradklimatest abgerutscht

Potsdam belegt bundesweit den fünften Platz im Fahrradklimatest. Allerdings stagniert die Entwicklung in der Stadt. Trotz guter Platzierung: Potsdam muss nacharbeiten. 

Potsdam hat Platz 5 im ADFC-Fahrradklimatest belegt. 
Potsdam hat Platz 5 im ADFC-Fahrradklimatest belegt. Foto: Andreas Klaer

Potsdam - Potsdam ist eine der Fahrrad-freundlichsten Kommunen in Deutschland - zumindest laut dem Fahrradklimatest des Allgemeinen Deutschen Fahrrad-Clubs (ADFC), der heute die Ergebnisse des Tests in Berlin vorstellte. Der Test wird alle zwei Jahre gemacht.

Platz 5 im bundesweiten Ranking

Mit einer Wertung von 3,6 ist Potsdam in der Kategorie 100.000 bis 200.000 Einwohner auf Platz 5 im bundesweiten Ranking gelistet. Mehr als 1229 Radler hatten sich an dem Test beteiligt, insgesamt 27 Fragen zum Thema Radfahren mussten die Teilnehmer beantworten. Vor zwei Jahren hatten die damaligen 911 Teilnehmer die Stadt noch im Durchschnitt mit 3,57 bewertet. 2014 gab es eine 3,4. Es geht also stetig bergab.

Entwicklung in der Stadt stagniert aber

„Im Einzelnen ergeben sich bei den 27 Fragen keine dramatischen Ausreißer im Vergleich zu 2016", sagt ADFC-Ortsgruppenchef Ulf Hildebrand. Obwohl Potsdam nochmal im Bundesranking im Vergleich zum letzten Test einen Platz nach vorne gerückt ist, sei die gesamte Bewertung aber leicht schlechter, so Hildebrand. „Das heißt, die Entwicklung in Potsdam stagniert, auch wenn sich die Stadt zu Recht als Vorreiter in Brandenburg sieht.“

Leihfahrräder sind Potsdams großes Plus

Die größten Stärken hat Potsdam laut der Befragung bei der Erreichbarkeit des Stadtzentrums, der Verfügbarkeit von Leihfahrrädern und bei der Möglichkeit, zügig Rad zu fahren. Auch im Vergleich zu ähnlichen Städten stach Potsdam bei der Befragung durch sein Angebot an Leihfahrrädern hervor und dadurch, dass sowohl junge als auch alte Menschen Fahrrad fahren. Schwächen sahen die Befragten unter anderem beim Sicherheitsgefühl und den eingeschränkten Möglichkeiten der Fahrradmitnahme in Bus und Bahn. Noten von 4 und schlechter gab es auch für mangelnde Kontrollen von falsch geparkten Autos auf Radwegen, die Breite der Radwege, Ampelschaltungen und beim Raddiebstahl. Letzteres war auch der größte Mangel im Vergleich mit anderen Städten.

In 22 von 27 Kategorien blieb Bewertung gleich

Seit der Erhebung im Jahr 2016 hat sich in den Augen der Teilnehmer in Potsdam nicht viel verändert. In 22 von 27 Kategorien blieb die Bewertung gleich. Allerdings war es bereits vor zwei Jahren in 17 von 27 Kategorien abwärts gegangen. Besser abgeschnitten hat die Stadt bei den Fahrraddiebstählen – allerdings kletterte sie dabei von einer miserablen 4,9 auf eine immer noch schlechte 4,7. Deutlich abwärts ging es hingegen in den Kategorien „Werbung für das Radfahren“ und „Fahrradförderung in jüngster Zeit“ – jeweils von 4,4 auf 3,8. Schlechter wurden auch die Noten für Wegweiser und öffentliche Fahrräder. 

Stadt will Kritik analysieren

Im Rathaus kommt die Gesamtbewertung gut an. „Zunächst einmal freuen wir uns im Sinne unseres Mottos ,bessermobil’ darüber, dass die Landeshauptstadt Potsdam im Ranking des Fahrradklimatests einen Platz gewonnen hat“, sagte Stadtsprecher Markus Klier. Man warte aber noch auf die Details der Bewertung und werde dann analysieren, wo genau aus Sicht des ADFC im Potsdamer Radverkehr Verbesserungsbedarf bestehe.

Fahrrad-Abstellen soll besser werden

Ein paar Schwachstellen hat die Stadtverwaltung ohnehin im Blick. So sollen in diesem Jahr wie berichtet in der Innenstadt vor allem die Abstellmöglichkeiten für Fahrräder verbessert werden – zum Beispiel am Alten Markt, in der Friedrich-Ebert-Straße, an den Einmündungen der Brandenburger Straße, der Charlottenstraße, vor dem Nikolaisaal und am Brandenburger Tor. Auch am Bahnhof Griebnitzsee sollen die Abstellmöglichkeiten besser werden – wann es losgeht, steht noch nicht fest. Das hänge von der Deutschen Bahn ab, wie Potsdams Radverkehrsbeauftragter Torsten von Einem jüngst mitteilte. 
Auch der Bau der Fuß- und Radbrücke zwischen Potsdam und Werder (Havel) soll in diesem Jahr beginnen. Ende 2021 soll sie fertig sein und von gut 1000 Fahrradfahrern täglich genutzt werden. 5,5 Millionen Euro soll das Projekt inklusive einer Zufahrt nach Golm kosten. Außerdem sollen die Übergänge für Fußgänger und Radfahrer zum Beispiel an den Kreuzungen Breite Straße/Zeppelinstraße, Gutenbergstraße/Berliner Straße und an der Langen Brücke/Humboldtstraße erweitert werden.

36 Brandenburger Kommunen haben an Auswertung teilgenommen

Insgesamt 36 Kommunen in Brandenburg haben dieses Jahr an der Auswertung teilgenommen, neun mehr als noch vor zwei Jahren. Im Landesschnitt besonders schlecht bewertet wurde die Sicherheit beim Radfahren (3,8), der Stellenwert des Radverkehrs (3,9) und der Komfort beim Fahren (4,1). Insgesamt 5629 Brandenburger haben abgestimmt - 45 Prozent mehr als noch bei der Erhebung 2016.

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