• Potsdam: Restaurierte Putten wieder auf der Ringerkolonnade

Putten mit Spuren der Zeit : Restaurierte Figuren wieder auf der Ringerkolonnade

Die ersten restaurierten Figuren stehen wieder auf der Ringerkolonnade am Landtag in Potsdams Innenstadt. Für weitere Figuren steht die Finanzierung bereits.

Die Ringerkolonnade am Landtag.
Die Ringerkolonnade am Landtag.Foto: Ottmar Winter

Potsdam - Die eine Putte, von Blumen umgeben, blickt zum Schloss, reckt den Arm gen Himmel. Die Hand fehlt. Die andere neigt den Blick nach unten, sie greift einem Delfin ins weit aufgerissene Maul. Jahrelang waren die Figuren eingelagert, seit Herbst wurden sie restauriert und kurz vor Ostern wieder an ihren früheren Platz gestellt: Auf die Ringerkolonnade zwischen Landtagsschloss und Filmmuseum. Am Dienstag wurden sie der Öffentlichkeit vorgestellt und zugleich weitere Restaurierungen angekündigt. Zusammen mit einer Vase sind die Putten die ersten Skulpturen einer ganzen Reihe, die einst die Kolonnade zierten. Finanziert wurde die 55.000 Euro teure Restaurierung des Ensembles von zwei Stiftungen gemeinsam mit der Deutschen Stiftung Denkmalschutz (DSD). Neben der treuhänderischen Pietschker-Neese-Stiftung kam das Geld von der selbstständigen Jürg und Elisabeth Schacher-Stiftung.
Das Berliner Ehepaar Schacher hat 2015 eine private Stiftung gegründet.

Elisabeth Schacher und Jürg Schacher mit Potsdams Baubeigeordneten Bernd Rubelt vor den Ringerkolonnaden.
Elisabeth Schacher und Jürg Schacher mit Potsdams Baubeigeordneten Bernd Rubelt vor den Ringerkolonnaden.Foto: PNN / Ottmar Winter

Die Kolonnade ist das erste Projekt, das diese unterstützt. „Wir haben keine persönliche Verbindung zu Potsdam, sind aber gerne hier, vor allem seit der Eröffnung des Museum Barberini“, erklärte Elisabeth Schacher bei der Vorstellung. Die DSD habe den beiden mehrere Projekte vorgeschlagen, dieses überzeugte. „Ich sehe mit großer Freude die Bestrebungen in Potsdam, das alte Stadtbild wieder herzustellen“, sagte die 66-Jährige. Jürg Schacher hat sein Vermögen nach eigenen Angaben durch seine Tätigkeit im Management einer großen Kaffeerösterei und Investitionen in Immobilien erwirtschaftet. „Wir haben keine Kinder und haben uns gefragt, was bleibt, wenn wir einmal nicht mehr sind“, erklärte der 75-Jährige.
„Es braucht solches Engagement für das kulturelle Erbe, um dieses für alle erlebbar zu machen“, erklärte Potsdams Baubeigeordneter Bernd Rubelt (parteilos). Mit der öffentlichen Hand allein sei das nicht zu leisten.

Blick auf das restaurierte Puttenpaar mit eine Vase.
Blick auf das restaurierte Puttenpaar mit eine Vase.Foto: P Ottmar Winter

Rostrote Farbe an einigen Säulen

Wer nun blitzblanke Statuen erwartet, täuscht sich. „Uns geht es nicht darum, irgendeinen Zustand zurückzurestaurieren“, betonte Nadine Smukal von der DSD. „Das Denkmal darf seine Patina behalten“, sagt sie. Deshalb werde der fehlende Arm der Putte auch nicht ergänzt – das seien „Spuren der Zeit“. So auch die rostrote Farbe an einigen Säulen, die sie mit der Besprengung mit eisenhaltigem Wasser erklärt, als die Kolonnade am Lustgarten stand. Der rund vier Meter hohe Säulengang wurde 1744 bis 1746 nach Plänen von Georg Wenzeslaus von Knobelsdorff im Auftrag von Friedrich dem Großen gebaut. Neben den Skulpturen oben schmückten diese große Darstellungen von Ring- und Fechtkämpfen. In den 1970er Jahren wurden die Säulen an den Hafen versetzt, 2015 zurück an den ursprünglichen Standort gebracht.
Die Instandsetzung der beiden Putten und der Vase war der erste Schritt zur Wiederherstellung des Figurenreigens auf der Kolonnade. Am Dienstag wurde symbolisch ein Scheck über 65.000 Euro überreicht, wieder finanziert aus Mitteln der beiden Stiftungen.

Ob das für die beiden weiteren Puttengruppen und drei Vasen reicht, sei noch nicht klar, betonte Thomas Bolze, der die Planung im Auftrag der Stadt durchführt. Die Restaurierung sei aufwendig. Zunächst werde mit Kompressen das Salz aus dem Stein gezogen, dann das Material gefestigt. Mit der Aufstellung rechnet er in etwa einem Jahr. Sollten die Mittel nicht ganz ausreichen, so sagte das Ehepaar Schacher am Rand der Vorstellung, könnten sie sich vorstellen, privat noch etwas zuzuschießen.