• Pulse of Europe: Potsdamer Stimmen für ein vereintes Europa

Pulse of Europe : Potsdamer Stimmen für ein vereintes Europa

Pulse of Europe hat an der Glienicker Brücke für die Europawahl am nächsten Sonntag geworben.

An der Glienicker Brücke war Europa jahrzehntelang geteilt. Am Sonntag wurde dort dafür geworben, die Idee der europäischen Einheit weiterzuverfolgen. Mehr als 200 Potsdamer nahmen an der Kundgebung teil, trugen die Europaflagge und sangen gemeinsam.
An der Glienicker Brücke war Europa jahrzehntelang geteilt. Am Sonntag wurde dort dafür geworben, die Idee der europäischen...Foto: Andreas Klaer

Berliner Vorstadt - Der Ausflugsverkehr wurde am Sonntagnachmittag auf der Glienicker Brücke für ein paar Minuten unterbrochen. Die Polizei stoppte Autos auf beiden Seiten. Denn in der Mitte wurde eine riesige blaue Fahne mit gelben Sternen gespannt. Hintergrund der Straßensperrung war eine Kundgebung von Pulse of Europe Potsdam an der Nike auf der Potsdamer Seite der Brücke. Mit der Veranstaltung wollten die Organisatoren eine Woche vor der Europawahl am 26. Mai noch einmal werben – dafür, zur Wahl zu gehen und für das europäische Projekt im Allgemeinen. Den Ort der jahrzehntelangen Teilung Europas hatte man symbolisch gewählt.

Mehr als 200 Teilnehmer waren bei Sonnenschein und 26 Grad gegen 14 Uhr gekommen. Viele suchten den Schatten der Bäume am Ufer der Havel und hielten so Abstand zur Bühne in der prallen Sonne an den Kolonnaden. Schon von weitem konnte man hören, dass Europa besungen wurde – nach der Melodie von „Friends will be friends“ von Queen. Die Organisatoren hatten zu der Veranstaltung auch Chöre, Chormitglieder und Menschen, die gerne singen oder Instrumente spielen, eingeladen. Später wurde dann auch noch John Lennons „Imagine“ intoniert und natürlich die Europahymne „Ode an die Freude“ – die jeweiligen Texte wurden vorher verteilt.

Doch es wurde nicht nur gesungen, sondern auch geredet. So wurde die EU-Charta zitiert: „Die Völker Europas sind entschlossen, auf der Grundlage gemeinsamer Werte eine friedliche Zukunft zu teilen, indem sie sich zu einer immer engeren Union verbinden.“ Dafür kämpfe man. Organisatorin Marie-Luise Glahr, die Potsdamer Schriftstellerin Julia Schoch („Schöne Seelen und Komplizen“) und der Präsident der Universität Potsdam, Oliver Günther, fanden überwiegend persönliche Worte. So beschrieb Schoch wie sie als Kind in der DDR von Reisen nach Rom, Paris oder London träumte. Später sei das wahr geworden. Sie habe dann in Paris und Rumänien eine Zeit lang gelebt. Europa biete viel Verschiedenes auf engem Raum. Das gelte es zu bewahren, so Schoch. Glahr berichtete, wie es sie nach dem Fall der Mauer nach Osten zog. Europa habe so viele Chancen ermöglicht. Die Mitgliedschaft in der EU sei nicht das Ende einer Geschichte, sondern der Anfang.

inige Teilnehmer reisten am Sonntag auch auf dem Wasserweg zur Kundgebung von Pulse of Europe an der Glienicker Brücke an (oben).
inige Teilnehmer reisten am Sonntag auch auf dem Wasserweg zur Kundgebung von Pulse of Europe an der Glienicker Brücke an (oben).Foto: Andreas KLaer

Uni-Präsident Günther plädierte in seinem Redebeitrag für eine kritische Auseinandersetzung auch mit den Gegnern eines freien Europas. „Es ist wichtig offen zu sein und nicht auszugrenzen“, sagte er. Jedes Gespräch helfe dabei aufzuklären. Reaktionäre Tendenzen zeigten sich innerhalb wie außerhalb der EU. Er nannte die USA, China, die Türkei, Ungarn und Polen. Nach Jahrzehnten der Liberalisierung schlage das Pendel zurück in Richtung des Autoritären. „Der Widerstand auch gegen die weitere Integration Europas hat sich aufgeschaukelt.“ Dabei zeige die europäische Union beispielhaft, wie unterschiedliche Religionen und Ethnien friedlich zusammenleben können. „Wir praktizieren das an der Universität Potsdam.“ Es sei wichtig, ein klares Signal für die Traditionen der Aufklärung zu senden.

Zwei Kundgebungen am Brandenburger Tor, eine davon mit Fahrradcorso, hatten in den vergangenen Wochen bereits stattgefunden. Zuvor war es um Pulse of Europe still geworden. Anfang 2017 hatte es in der Stadt regelmäßig Kundgebungen gegeben. In Zeiten der Brexitabstimmung, der Wahl von Donald Trump und der Wahlen in Frankreich und den Niederlanden sollte ein Zeichen gegen nationalistische Kräfte gesetzt werden. Die Idee kam 2016 von den Frankfurter Rechtsanwälten Sabine und Daniel Röder. Schnell verbreitete sich die Initiative, in zahlreichen Städten in Deutschland und Europa gründeten sich lokale Initiativen.

Bis zur Wahl am 26. Mai wird es in Potsdam erstmal keine weitere Aktion gegen, hieß es. Dann organisiert Pulse of Europe um 18 Uhr eine Wahlparty im Kunsthaus Sans Titre in der Französischen Straße 18. Für die Party anmelden kann man sich unter www.sans-titre.de. „Wir würden uns aber wünschen, dass am Sonntag viele Menschen auch die Europaflagge aufhängen“, sagte Glahr.