• Prozess um Kindstötung in Potsdam: Angeklagte bricht ihr Schweigen: „Es war ein Mädchen“
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Prozess um Kindstötung in Potsdam : Angeklagte bricht ihr Schweigen: „Es war ein Mädchen“

Marina S. wird vorgeworfen, ihr Kind vor mehr als 20 Jahren kurz nach der Geburt getötet zu haben. Vor Gericht schilderte sie, wie sie den Tag in Erinnerung hat.

Die Angeklagte am ersten Prozesstag im Landgericht Potsdam.
Die Angeklagte am ersten Prozesstag im Landgericht Potsdam.Foto: Jens Kalaene/dpa

Potsdam - Im Kindstötungsprozess vor dem Potsdamer Landgericht hat die 61 Jahre alte Marina S. überraschend ihr Schweigen gebrochen. Am siebten Verhandlungstag wies die Angeklagte zurück, was ihr früherer Ehemann Klaus-Dieter St. als Hauptbelastungszeuge ausgesagt hatte und Kern der Anklage geworden war: sie habe in ihrer Wohnung im Schlaatz ein lebensfähiges Kind zur Welt gebracht und dann getötet. Er sei kurz danach dazu gekommen. Marina S. sagte dagegen, sie sei allein gewesen, habe im Badezimmer Wasser in die Wanne gelassen, dann sei das Kind „mit einem Flutsch“ geboren worden. 

Dies, so Marina S., sei im Mai oder Juni 1999 gewesen: „Es war ein Mädchen“. Das Baby, das sie mit einem Kollegen nach einer Feier gezeugt habe, sei bei der Geburt nicht mehr am Leben gewesen, es habe nicht geschrien. Sie habe es in den Armen gehalten, sei dann in der Badewanne ausgerutscht und mit ihrem Kopf gegen den Beckenrand gestoßen. 

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Sie habe das Baby mit der zuvor mit einer Schere abgetrennten Nabelschnur und einem Handtuch in eine Mülltüte gelegt und die Tüte im früheren Zimmer ihres Sohns René in einem Schrank versteckt. Ein oder zwei Tage später hätten ihr Sohn und ihr Mann die Tüte entdeckt, ihr Mann habe sie entsorgt.

Für Freitag geplanter Prozesstag verschoben

Auf die Frage des Gerichts, warum ihr früherer Ehemann Klaus-Dieter St. sie mit seiner Aussage schwer belastet habe, nannte die Angeklagte „Rache“ als Motiv.

Die Aussage der Angeklagten wurde vom Gericht als so spektakulär bewertet, dass der für den morgigen Freitag geplante Prozesstag verschoben wurde. Über die Gründe gab das Gericht keine Auskunft, möglicherweise muss Hauptbelastungszeuge Klaus-Dieter St. doch noch einmal gehört werden. Seine Darstellung des Geschehens weicht fundamental von der Aussage seiner früheren Ehefrau ab.

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