Pro&Contra : Raucherabzug? Das Pro

Peter Tiede

Zum Beispiel Waldhornisten. Stellen wir uns also Folgendes vor: Waldhornisten soll verboten werden, unter den Dächern von Bus- und Straßenbahnhaltestellen in Potsdam Waldhörner zu blasen. Begründung: weil es Mitmenschen im unmittelbarer Nähe des Tonaustrittstrichters belästigt und auch zu ernst- und dauerhaften Gehörschäden führen kann. Bei Kindern seien Spätfolgen unabsehbar. Ohrenärzte sind dafür, militante Jagd- und Klassikmusikgegner erst recht – aber auch der überwältigende Rest der Normalhörenden. Gut, der Gehörlosenverband spielt Schweiz: Ihm ist es egal. Nur eine Handvoll blassüchtiger und zwei Fingervoll militanter Waldhornisten zetern: Diskriminierung! Dabei dürfen die Hornisten weiterblasen – nur nicht direkt in Krachweite für diejenigen unter den Haltestellendächern. Wer neben der Überdachung nicht vollgelärmt werden will, kann ja unters Dach gehen. Abgelehnt wurde der Vorschlag, der Verkehrsbetrieb möge an Haltestellen Oropax-Spender installieren. Waldhorn blasen: Ja; aber bitte allgemeinverträglich.

So, nun ersetzen wir Waldhornisten durch Raucher, Blasen durch Ziehen&Pusten, Krach durch Gestank und Ohrenärzte durch Lungenfachärzte. Wo ist das Problem? Es soll ja nicht verboten werden. Selbst im Bereich der Haltestellen nicht. Nur eben im überdachten Bereich. Was also ist dabei, von Rauchern das zu zu erwarten? Die meisten machen das und berauchen ihre Umwelt nicht bei jeder Stehgelegenheit. Aber vom militanten Rest muss man es eben einfordern können: dort zu Rauchen, wo die Belästigung für Nichtraucher und vor allem Kinder sowie olfaktorisch nicht völlig Desensibilsierte so gering wie möglich ist. Es geht nur um ein bisschen Rücksicht und das Recht darauf. Mehr nicht.

PS: Das schrieb ein Ex-Raucher, der weiß, wie einem der Ast pfeifen kann.

WAS MEINEN SIE? Stimmen Sie ab in unserer Online-Umfrage

 

Mehr lesen? Hier die PNN gratis testen.