• Potsdams Synagoge: So – oder gar nicht

Potsdams Synagoge : So – oder gar nicht

Das Land hat einen neuen Synagogenentwurf vorgelegt. Doch auch ein Scheitern steht nun im Raum.

Potsdam - Nach jahrelangem Streit zwischen den jüdischen Gemeinden in Potsdam über den Synagogenneubau hat die Landesregierung nicht nur einen neuen Entwurf, sondern auch ein neues Konstrukt für den Betrieb des Gotteshauses vorgeschlagen. Demnach könnte eine Stiftung gegründet werden, in deren Gremien auch das Land und die Stadt vertreten wären. Damit würde sichergestellt, dass auch jene Gemeinden, die nicht offiziell Träger der Synagoge sind, in dem Haus Gottesdienste abhalten und Räume beziehen können, wie Kulturstaatssekretär Martin Gorholt (SPD) am Mittwoch bei einer Pressekonferenz sagte. Rund zwei Wochen haben die Gemeinden nun Zeit, sich zu diesem Vorschlag zu positionieren. Mitte Juni will Gorholt dann über die Zukunft des Neubaus entscheiden.

Die Stiftung würde dem Vorschlag zufolge die Baukosten in Höhe von bis zu 6,4 Millionen Euro sowie die jährlichen Betriebskosten von rund 300 000 Euro übernehmen. Sowohl der Vorstand, der Stiftungsrat als auch das Stiftungskuratorium würden mit Vertretern Brandenburgs und Potsdams besetzt. Den Vorsitz soll eine Persönlichkeit übernehmen, die keiner jüdischen Gemeinde angehört. „Wichtig ist uns, dass wir ein offenes Haus haben und auch die Gemeinden, die sich nicht an der Stiftung beteiligen, das Haus nutzen können“, sagte Gorholt. Der Staatssekretär präsentierte außerdem einen neuen Entwurf des Architekten Jost Haberland, der seine ursprünglichen Pläne noch einmal überarbeitet hat und das Gebäude mit einer Art goldenen Krone versehen hat. Jetzt strahle die Synagoge „mehr Erhabenheit und Sakralität“ aus, sagte Gorholt.

Schon seit mehr als vier Jahren wird in der Stadt heftig über den geplanten Bau an der Schloßstraße 1 debattiert. Akteure sind die jüdische Gemeinde mit offiziell 400 Mitgliedern und die Synagogengemeinde mit 180 Mitgliedern. Seit vergangenem Jahr sitzt auch die Gesetzestreue Jüdische Landesgemeinde wieder mit am Verhandlungstisch, die eigenen Angaben zufolge 250 Mitglieder hat.

Die drei Gemeinden konnten sich bislang nicht auf eine gemeinsame Nutzung des Gebäudes einigen. So herrscht nicht nur Uneinigkeit über die Gestaltung der Fassade – sie war einigen zu wenig sakral –, sondern auch über die Raumaufteilung im Inneren. Ein Streitpunkt ist die Lage des Synagogenraums, den die Synagogengemeinde in der ersten Etage einrichten will, die beiden anderen Gemeinden jedoch in der zweiten und dritten Etage. In dem nun von Gorholt präsentierten Entwurf befindet sich der Synagogenraum im zweiten und dritten Stock.

2011 hatte das Land wegen des Konflikts einen Baustopp verhängt, seitdem versucht Gorholt zu vermitteln. Trotz zahlreicher Gespräche zeichnet sich aber keine Einigung ab. „Die Unterschiede zwischen den Gemeinden sind zu groß“, bilanzierte der Staatssekretär am Mittwoch. Für Grundsatzdiskussionen sei nun auch keine Zeit mehr. Eine Lösung könnte aus seiner Sicht die Stiftung sein. Gorholt schließt aber auch nicht aus, das Projekt komplett abzusagen oder aber es vorerst ruhen zu lassen und es der nächsten Landesregierung zu überlassen. Im Herbst endet die derzeitige Legislaturperiode.

Dass sich alle drei Gemeinden auf die Stiftungslösung einlassen, erscheint unwahrscheinlich. Die Einmischung des Staates hatten bereits die Gesetzestreuen kritisiert, am Mittwoch legte die Synagogengemeinde nach. Wenn das Land den Entwurf baue und eine Stiftung gründe, werde die Gemeinde vor dem Verfassungsgericht klagen, kündigte der Vorsitzende Ud Joffe bei der Pressekonferenz an. Außerdem verteilte er mehrere Schreiben an die Anwesenden, eines davon trug die Überschrift „Synagoge der Lüge“. Darin wird auch das Ministerium scharf kritisiert, weil dieses den selbst auferlegten Fahrplan nicht eingehalten habe. Sowohl die anderen beiden Gemeinden als auch Haberland hätten zudem eine Mitwirkung verweigert. „Es ist nicht mehr hinnehmbar, dass den jüdischen Gemeinden immer der schwarze Peter zugeschoben und gleichzeitig die Verweigerungshaltung des Architekten verschwiegen wird“, sagte Joffe.
Will Gorholt den Neubau also noch in diesem Sommer angehen, muss er mit massivem Widerstand von der Synagogengemeinde und deren Unterstützern rechnen, nicht nur vor Gericht. Möglich ist, dass er es bei diesem letzten Versuch einer Einigung belässt – und das undankbare Projekt dann der nächsten Regierung überlässt. (mit epd/KNA)

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