• Potsdamerin hilft ihrem Heimatdorf in Togo: 150 Schüler und ein Lehrer

Potsdamerin hilft ihrem Heimatdorf in Togo : 150 Schüler und ein Lehrer

Die Potsdamerin Koko N’Diabi Affo-Tenin stammt aus Togo. Mit ihrem Mann hat sie dort vor vier Jahren eine Schule gebaut – doch weil diese schon jetzt aus allen Nähten platzt, soll ein Anbau geschaffen werden.

Koko N’Diabi Affo-Tenin kam mit drei Jahren zu ihrer Tante. Von ihr wurde sie gefördert, und machte als eine der wenigen aus Balanka Abitur. Für das Studium kam sie nach Deutschland.Alle Bilder anzeigen
Foto:Johanna Bergmann
02.02.2016 21:15Koko N’Diabi Affo-Tenin kam mit drei Jahren zu ihrer Tante. Von ihr wurde sie gefördert, und machte als eine der wenigen aus...

Potsdam - Es war im vergangenen Oktober, als die Potsdamerin Koko N’Diabi Affo-Tenin einen Hilferuf aus ihrem Heimatdorf Balanka im westafrikanischen Togo bekam. Der Direktor der örtlichen Schule war am Telefon und berichtete ihr von den Szenen, die sich zu Schuljahresbeginn abspielten. Allein in dem Klassenraum der siebten Klasse hätten sich 150 Kinder gedrängt, berichtete der Schulleiter. Der Raum platze aus allen Nähten und die Lehrer würden die Hände über den Köpfen zusammenschlagen.

Dass sich der Direktor gerade an Koko N’Diabi Affo-Tenin wandte, war kein Zufall. Die 56-Jährige lebt seit über 30 Jahren in Deutschland und hat gemeinsam mit ihrem Mann einen Verein gegründet, der Bildungsprojekte in ihrer Heimat unterstützt. Zu den größten gehörte die Errichtung einer Schule in den Jahren 2011 und 2012. Genau diese ist es, die jetzt zu klein geworden ist. Deshalb plant Affo-Tenin nun gemeinsam mit ihrem Mann einen Erweiterungsbau, die Schule soll doppelt so groß werden. Noch ist sie dabei, die nötigen Spendengelder zusammenzusammeln.

Bis vor vier Jahren gab es nur eine Grundschule in dem Dorf

Eine Schule an sich gab es schon lange in dem 8000-Einwohner-Ort Balanka. Allerdings handelte es sich dabei nur um eine Grundschule mit den Klassen eins bis sechs. Kinder, die eine weiterführende Schule besuchen wollten, mussten in eine andere Stadt ziehen. Dort waren sie nicht nur von ihren Familien getrennt, die Eltern mussten auch für Fahrtkosten, Unterbringung und Verpflegung in der Ferne aufkommen. „Die Konsequenz war, dass kaum eine Familie ihre Kinder auf eine weiterführende Schule schickte. Und wenn, dann nur für ein oder zwei Jahre“, sagt Affo-Tenin.

Sie weiß, wovon sie spricht, Affo-Tenin stammt selbst aus einer Familie mit zwölf Kindern. Das Geld war immer knapp, und für eine Schule außerhalb Balankas reichte es für keines der Kinder. Nur die kleine Koko N’Diabi hatte Glück: Ihre Tante, selbst kinderlos, nahm sie als Dreijährige zu sich und förderte ihre Nichte nach Kräften. „Meine Tante war eine respektierte Händlerin in Balanka und hatte vergleichsweise viel Geld“, erzählt Affo-Tenin. Sie schickte das Mädchen nicht nur auf die weiterführende Schule in die nächstgrößere Stadt Sokodé, sondern sogar zum Abitur in die Hauptstadt Lomé.

Der Verein baute auch eine Bibliothek - lange das einzige Gebäude mit Strom

Doch Koko N’Diabi Affo-Tenin wollte noch weiter. Mit einem Touristenvisum reiste sie nach Deutschland, belegte einen Sprachkurs und schrieb sich für das Fach Betriebswirtschaft an der Technischen Universität Berlin ein. Sie absolvierte ihr Studium und verliebte sich in ihren heutigen Mann, einen gebürtigen Hamburger. Die beiden heirateten und zogen schließlich von Berlin nach Potsdam – seit 17 Jahren leben sie mittlerweile in Bornim.

Schon seit 1999 sammeln die beiden, die gemeinsam eine Hausverwaltung in Berlin führen, Spenden für Balanka. Anfangs ging es zunächst um Bücher und andere Lernmaterialien, 2006 begannen sie mit dem Bau einer Bibliothek, die im Jahr darauf fertiggestellt wurde. Auch die Ausbildung von zwei Bibliothekaren finanzierte der Verein, ihr Gehalt wurde mit einer Handy-Aufladestation finanziert. Denn bis 2014 war die Bibliothek dank einer Solaranlage das einzige Gebäude mit Strom in Balanka. Für 15 Cent konnten die Bewohner dort ihr Mobiltelefon aufladen, das reichte für die Gehälter der Bibliothekare.

Seit der Strom aber zumindest in einigen Häusern Balankas angekommen ist, kommen nur noch wenige zum Handy-Aufladen. Jetzt hält sich die Bibliothek mit einer Internetstation, einem Kopierer und einem Beamer zum Ausleihen über Wasser. Außerdem übernehmen die Bibliothekare Schreibdienste für diejenigen in Balanka, die Analphabeten sind, und lassen sich zum Beispiel Behördenbriefe gegen ein kleines Gehalt diktieren. Geplant ist auch ein Laden mit Schreibwaren und Schulmaterialien. Koko N’Diabi Affo-Tenin ist es wichtig, dass die Einrichtung von selbst läuft und nicht von weiteren Spenden aus Deutschland abhängig ist. „Das Geld soll dort generiert werden“, sagt sie.

Einige Jahre nach der Bibliothek folgte der Schulbau. Das Dorf stellte dem deutschen Verein ein Grundstück etwas außerhalb zur Verfügung, die Hauptfinanzierung kam aus Deutschland. 50 Prozent übernahm das deutsche Centrum für internationale Migration und Entwicklung (CIM), der Rest wurde durch Spendengelder beziehungsweise Eigenleistungen beigesteuert. „Die Handwerker kamen alle aus Balanka“, sagt Affo-Tenin. Und auch die, die keine handwerkliche Ausbildung hatten, halfen mit. „Jede Familie hat mindestens einen Helfer geschickt“, sagt sie. Auch Familien ohne Schulkinder? Klar, sagt sie. „Sie wussten ja: Das ist etwas für das ganze Dorf.“

Auch Schüler aus Potsdam halfen mit beim Schulbau

Und auch ein paar Potsdamer packten mit an. Denn der Verein hat eine Partnerschule in der Stadt, die Friedrich-Wilhelm-von-Steuben-Gesamtschule. Schon seit zehn Jahren reist immer wieder eine kleine Gruppe aus der Abiturklasse nach Balanka – so auch während des Schulbaus. Sie halfen dabei, Wasser vom Fluss zu holen oder Sand zu transportieren – und lernten ganz nebenbei das Leben in Balanka kennen. Nach einem Jahr Bauzeit war es geschafft: Das langgezogene Gebäude mit vier Klassenräumen, einem Sekretariat, einem Direktorenbüro und einer speziellen Biotoilette stand.

Nun wollen Koko N’Diabi Affo-Tenin und ihr Mann einen fast ebenso großen Anbau danebenstellen, jede Klasse soll zweigeteilt werden. Dann wären in den siebten Klassen noch jeweils 75 Kinder – für deutsche Verhältnisse immer noch sehr viele, doch eine deutliche Verbesserung zu vorher.

Im Prinzip soll der neue Bau nach demselben Muster wie der erste entstehen: Koko N’Diabi Affo-Tenin und ihr Verein sammeln Spenden und beantragen dann eine Förderung durch das CIM. Der Bau soll wie gehabt von den Menschen vor Ort realisiert werden, und auch eine Gruppe der Steuben-Schule will wieder dabei sein. 25000 Euro muss der Verein sammeln, um noch einmal dieselbe Summe an Fördermitteln zu bekommen. Momentan ist sie bei etwa 8000 Euro, sagt Affo-Tenin. Bis Ende des Jahres will sie den Rest zusammenhaben, im Herbst 2017 könnte dann der Bau beginnen. „Es ist noch viel zu tun.“

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