• Potsdamer Wappenkunde: Symbolträchtige Ortszeichen

Potsdamer Wappenkunde : Symbolträchtige Ortszeichen

In Fahrland läuft die Abstimmung über das Ortswappen. Andere Ortsteile haben bereits ein eigenes Emblem.

Entwürfe für das Fahrländer Wappen.
Entwürfe für das Fahrländer Wappen.Foto: promo

Potsdam - Wasser oder Windmühle? Vor dieser Entscheidung stehen die Fahrländer derzeit bei der Wahl ihres Ortswappens. Andere Potsdamer Ortsteile sind da längst weiter, ihre Signen gehen teilweise auch auf ihre frühere Eigenständigkeit. Die PNN geben einen Überblick:

FAHRLAND

Eine Windmühle mit zwei Apfelblüten oder lieber ein Pflug und ein Fisch? Die Einwohner von Fahrland können derzeit über das künftige Wappen dieses nördlichen Potsdamer Ortsteils abstimmen. An mehreren Stellen in Fahrland stehen Wahlurnen. Bis zum 31. März können die Fahrländer ihr Votum abgeben. Drei Entwürfe des Beeskower Heraldikers Uwe Reipert stehen zur Auswahl. Die Flyer, aus denen sich die eigentlichen Stimmzettel heraustrennen lassen, wurden im Ort verteilt und sind unter anderem auch im Internet herunterzuladen. 

Der Ortsbeirat wolle über das künftige Wappen nicht allein entscheiden und lade daher zu dieser Abstimmung ein, heißt es in dem Flyer. Initiatorin des Projekts ist Ortsbeiratsmitglied Tina Lange (Die Linke). Das neue Wappen diene hauptsächlich der „Identitätsstiftung im Ort“, sagt Lange. „Wir haben hier schon auch eine recht hohe Fluktuation in den neuen Wohngebieten“, sagt die Kommunalpolitikerin.  

Der konkrete Anlass für die Schaffung des Wappens ist die 825-Jahr-Feier Fahrlands im kommenden Jahr. Obwohl der Ortsteil also auf eine viele Jahrhunderte währende Geschichte blicken kann, gibt es nach Angaben von Lange bislang kein Wappen. In zwei der drei nun vorliegenden Entwürfe werden ein Pflug und ein Fisch dargestellt. Sie symbolisieren die Landwirtschaft und die Fischerei. 

Die Windmühle im dritten Entwurf nimmt Bezug auf die noch heute existierende Mühle in Fahrland. Die Apfelblüten stehen für den Obstanbau. Die Farben Rot und Gelb, die in allen drei Entwürfen vorkommen, verweisen auf die Farben des Potsdamer Stadtwappens – und damit auf die Zugehörigkeit Fahrlands zur brandenburgischen Landeshauptstadt. 

GRUBE

Erst wenige Jahre alt ist das Wappen von Grube. Es wurde vom Heraldiker Uwe Reipert im Jahre 2016 geschaffen und zeigt ein Spatenblatt auf rotem und einen Fisch auf blauem Grund. Laut Ortsvorsteher Stefan Gutschmidt (parteilos) wird damit an den Tonabbau und den Fischfang erinnert – beides einst prägend für den Ort. 

GOLM

Das Wappen von Golm.
Das Wappen von Golm.Foto: promo

Ein überwiegend weißer Reiher prägt das Wappen von Golm. Er erinnert an den im Ortszentrum gelegenen Reiherberg. Der Vogel steht im Wappen auf einer leichten Erhöhung. Wie Ortschronist Siegfried Seidel zu berichten weiß, ist auch dies ein Hinweis auf den 68 Meter hohen Hügel zwischen Geiselberg- und Reiherbergstraße. Das Blau im unteren Teil des Wappenschildes deutet auf die Lage Golms am Wasser hin. Das Wappen wurde in den 1990er-Jahren von dem Heraldiker Frank Diemar gestaltet.

MARQUARDT

Das Wappen von Marquardt.
Das Wappen von Marquardt.Foto: promo

Auch Marquardt hat den Wasser liebenden Reiher als Wappentier. Das passt zur Lage des Ortes am Schlänitzsee sowie am Sacrow-Paretzer-Kanal. Prägend für Marquardt ist zudem der Obstbau – zu DDR-Zeiten noch mehr als heute. Hier war das Obstbauinstitut der Berliner Humboldt-Universität angesiedelt, es gab überdies eine Landwirtschaftliche Produktionsgenossenschaft und das Institut für Obstforschung Pillnitz unterhielt in Marquardt eine Außenstelle – ebenso wie die Zentralstelle für Sortenwesen mit Hauptsitz im sächsischen Nossen. 

Jede dieser vier Institutionen wird im Marquardter Wappen von einem der Äpfel am stilisierten Apfelbaum dargestellt, weiß Ortschronist Wolfgang Grittner zu berichten. Der fünfte Apfel im Wappen stehe für den individuellen Obstbau im Ort. Ganz amtlich sei diese Erklärung wohl nicht, sagt Grittner, aber seiner Kenntnis nach gehe die Anzahl der Äpfel auf diese Überlegungen zurück. Das Wappen, das um die Jahrtausendwende geschaffen wurde, stammt von dem Heraldiker Frank Diemar. 

UETZ-PAAREN

Das Wappen von Uetz-Paaren.
Das Wappen von Uetz-Paaren.Foto: promo

Ein Fährmann mit Pagenschnitt und blauer Jacke ziert das Wappen von Uetz-Paaren. Er erinnert an die Zeit, als die Wublitz bei Uetz noch nicht so verlandet war wie heute. Auf dem Weg zu seinem geliebten Paretz setzte hier König Friedrich Wilhelm III. mit der Fähre über das Wasser. Im Wappenschild sind neben dem Fährmann zwei schwarze Haken abgebildet. Sie erinnern an die einstigen Rittergutsbesitzer, die Familie von Hake. Auch dieses Wappen wurde von Frank Diemar gestaltet. 

SATZKORN

Das Wappen von Satzkorn.
Das Wappen von Satzkorn.Foto: promo

Das Wappen von Satzkorn zeigt im oberen Teil drei rote Tulpen auf gelbem Grund und erinnert damit an die Tulpenzucht, die zu DDR-Zeiten im Ort betrieben wurde. Der gelbe Hintergrund verweist nach Angaben von Ortsvorsteher Dieter Spira (SPD) auf die Felder in der Umgebung. Der darunter abgebildete Krug auf grünem Grund nimmt Bezug auf den Fund 8000 Jahre alter Keramik im Erdreich des Ortes. Das Grün im Hintergrund steht laut Spira für die Wiesen und den Wald rund um den Ortsteil. „Es gibt auch Einwohner, die sich eigene Fahnen mit dem Satzkorner Wappen angeschafft haben“, berichtet Spira. 

GROSS GLIENICKE

Das Wappen von Groß Glienicke.
Das Wappen von Groß Glienicke.Foto: promo

Der Schild des Wappens von Groß Glienicke ist besonders bunt und vielfältig. Gleich vier Motive sind hier abgebildet. Burkhard Radtke, ehemaliger Vorsitzender des Gemeindekirchenrates der evangelischen Ortsgemeinde, erklärt deren Bedeutung so: Der Schwan „ist der Hinweis auf die Seen“. 

Das rot-weiß schraffierte Feld im Wappen beziehe sich auf die Farben des örtlichen Fußballvereins. Der Baum wiederum verweise auf den Wald in der Umgebung. Der abgebildete Mönch erinnert laut Radtke an die Zisterzienser des Klosters Lehnin, die einst geholfen hätten, die Landschaft urbar zu machen, „um sie bewirtschaften zu können“. Das Wappen entspricht nach Einschätzung von Uwe Reipert allerdings nicht den Regeln der Heraldik – unter anderem deshalb, weil es zu viele Motive und Farben besitze.

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NEU FAHRLAND

Ganz ohne Wappen kommt Neu Fahrland aus, wie Ortsvorsteherin Carmen Klockow (Bürgerbündnis) bestätigt. Zur Zeit werden in dem Ortsteil bekanntlich die Pläne für eine Straßenbahn nach Krampnitz deutlich kritisiert. Sollte es eines fernen Tages doch einmal ein Wappen für Neu Fahrland geben, wäre eine Tram im Wappenschild nach Meinung vieler heutiger Neu Fahrländer aber vermutlich eine ganz schlechte Idee. 

EICHE

Der östlich von Golm gelegene Potsdamer Ortsteil Eiche hat bislang kein eigenes Wappen. Man denke allerdings darüber nach, sich ein solches Signum zuzulegen, sagt Ortsvorsteher Werner Pahnhenrich (CDU) auf Anfrage. 

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