• Potsdamer Stadtentwicklung: Kritik an Speicherstadt ohne Uferweg

Potsdamer Stadtentwicklung : Kritik an Speicherstadt ohne Uferweg

Pläne von Investor und Gestaltungsrat gefallen im Potsdamer Bauausschuss nicht jedem. Kein Wunder: Ein neuer Uferwege-Streit droht der Stadt.

Guido Berg
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08.06.2011 22:15

Potsdam - An der städtebaulichen Gestaltung der Potsdamer Speicherstadt erhitzen sich die Gemüter. Dabei zeigte sich im Bauausschuss am Dienstagabend eine noch nie dagewesene Konstellation: Während sich der Investor, die Berliner Groth-Gruppe, und der Potsdamer Gestaltungsrat nach drei Sitzungen auf eine Architektur für die mittlere Speicherstadt einigen konnten, findet das Ergebnis dieser Einigung keinen Gefallen bei Mitgliedern des Bauausschusses. Und mehr noch: Kritische Nachfragen zogen sogar die Basis allen architektonischen Nachdenkens in Zweifel, den bislang allseits gelobten Masterplan von Christoph Kohl vom Architekturbüro Krier & Kohl. Der Stadtverordnete Wolfhard Kirsch (Bürgerbündnis), der wegen seines Privatgrundstücks am Griebnitzsee als Experte in Sachen Uferweg gelten darf, fragte am Dienstagabend angesichts der neuesten Grafiken von Investor Klaus Groth völlig irritiert: „Bin ich doof oder ist da gar kein Uferweg geplant?“

Stadtplanungschef Andreas Goetzmann erinnerte die Stadtverordneten an einen Workshop mit Vertretern aller Fraktionen, bei dem der bisherige Masterplan des Büros Hilmer & Sattler und Albrecht zugunsten des Plans von Kohl gekippt wurde. Kohl verzichtete auf den Uferweg und plante stattdessen einen Mittelweg entlang eines alten Schienenwegs innerhalb der Speicherstadt. Auf diesem Mittelweg gebe es „eine Blickrichtung direkt auf die Nikolaikirche, die damals sehr positiv aufgenommen wurde“, so Goetzmann. Thomas Albrecht von Hilmer & Sattler und Albrecht bestätigte gestern den Uferweg im eigenen Plan, zollte jedoch auch Kohls Idee Respekt. Der fast 18 Meter breite Kohlsche Mittelweg erschließe das Areal gut; mit einem zusätzlichen Uferweg wäre das Gebiet dagegen „übererschlossen“.

In der Frage der Bebauung einigte sich Groth mit dem Gestaltungsrat auf Gebäude am künftigen Persiusplatz, die über vier Vollgeschosse plus ein abgestaffeltes Dachgeschoss verfügen, wie Groth erläuterte. Kohls Masterplan ließ noch fünf Geschosse plus Staffelgeschoss zu. Jedoch gebe es noch einen Dissens mit dem Landesamt für Denkmalpflege, das in der Nähe des Persiusspeichers nur drei Vollgeschosse zulassen wolle. Dazu Groth: „Beide Lösungen gehen.“ Der Berliner Projektentwickler will am 20. Juni die Bauanträge für geplante 270 Wohnungen in der mittleren Speicherstadt stellen. „Am 15. August beginnen wir mit dem Bauen, im Juli 2013 sind wir komplett fertig“, sagte Groth zuversichtlich.

Allerdings grummelte es im Bauausschuss noch gewaltig, wenn auch derzeit völlig unklar ist, wie die Politik noch Einfluss nehmen kann. „Es wäre schon katastrophal, wenn das, was wir mit dem Gestaltungsrat ausgemacht haben, nun nicht mehr gelten würde“, fasste Kohl das Dilemma zusammen. Der Gestaltungsrat, der sich aus renommierten Architekten zusammensetzt, war eigens zur Hebung der architektonischen Qualität des Bauens in Potsdam ins Leben gerufen worden. Und nun das: „Es stimmt mich traurig, was der Gestaltungsrat da empfohlen hat“, erklärte Martina Engel-Fürstberger (FDP). Die gleichen Traufhöhen, die architektonische Ruhe „finde ich persönlich nicht notwendig“. Saskia Hüneke (Bündnisgrüne) erklärte, der Gestaltungsrat sei „der Gefahr zu großer monolithischer Strukturen durchaus erlegen“. Grundübel sei die stete „Ideenfindung im geschlossenen Raum“, erklärte Steffen Pfrogner (Die Linke). Der Gestaltungsrat sei „nicht das Allheilmittel“, er könne auch nur eine Lösung erarbeiten. Gebraucht würden offene Wettbewerbe für einen freien Prozess der Ideenfindung.

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