• Potsdamer Sportkomplex: Rote Zahlen: Luftschiffhafen wird zum Millionengrab

Potsdamer Sportkomplex : Rote Zahlen: Luftschiffhafen wird zum Millionengrab

Wuchernde Kosten und verärgerte Anwohner an Potsdams Sportkomplex: Bekommt die Stadt die Probleme am Luftschiffhafen noch in den Griff?

Potsdam-West - Im Potsdamer Luftschiffhafen wird an sportlichen Höchstleistungen gearbeitet. So gesehen hat das Areal eine Erfolgsgeschichte. Doch der Sportkomplex ist auch seit Jahren ein Quell der Probleme. Pfusch am Bau, Kosten für die Kommune und verärgerte Anwohner – um nur einige zu nennen. Die PNN geben einen Überblick, was derzeit vor Ort geschieht.

MBS-Arena

Die 2012 für 18,5 Millionen Euro aus dem Konjunkturpaket errichtete MBS- Arena entwickelt sich für die Stadt zu einem Millionengrab, das der defizitären Tropenhalle Biosphäre kaum nachsteht. Insgesamt musste die Stadt in den vergangenen vier Jahren 6,44 Millionen Euro zuschießen. In diesem Jahr geht man von 1,67 Millionen Euro aus.

Bei der Luftschiffhafen GmbH, einer Tochter der städtischen Immobilienholding Pro Potsdam, ist man sich über das Problem im Klaren. „Die MBS-Arena als Hallenkomplex wird nie kostendeckend betrieben werden können“, so Sprecherin Jessica Beulshausen. Sie sei Schulsporthalle und Trainingszentrum für Schwerpunktsportarten des Olympiastützpunktes sowie für den Vereinssport.

Ein Grund für die miese Bilanz ist die Sportstätten-Nutzungsverordnung der Stadt, die für normale Schulturnhallen ebenso gilt wie für die moderne Multifunktionsarena, in die rund 2900 Besucher passen. Sie besagt, dass Veranstalter in der Regel nur zehn Prozent der Einnahmen für die Nutzung der Halle zahlen müssen. Das gilt beispielsweise für die Spiele der Potsdamer Handball- oder Volleyballteams. Laut Zuwendungsbescheid ist die Halle primär für den Schulsport vorgesehen. Andere Nutzungen kommen nur infrage, wenn es Kapazitäten gibt.

Die gibt es sogar. Doch selbst das kann zu der kuriosen Konsequenz führen, dass das Defizit noch wächst: Denn für „übrige Veranstaltungen gelten gemäß der Sportstätten-Nutzungsverordnung die Stundenmietsätze von 148 Euro für Sportveranstaltungen sowie 296 Euro für nicht sportliche Veranstaltungen, so die Stadtverwaltung. „Die daraus generierten geringen Einnahmen decken oftmals nicht einmal die im Rahmen der Veranstaltung anfallenden Betriebskosten“, so Beulshausen.

Eine Änderung der Verordnung hatte die frühere Sportbeigeordnete Iris Jana Magdowski (CDU) bereits Ende 2016 ins Spiel gebracht und damit prompt Widerspruch von SPD, Linken und Sportvereinen geerntet. Hinter den Kulissen sucht man nun nach PNN-Informationen im Ressort der neuen Sportbeigeordneten Noosha Aubel (parteilos) an einer Lösung – die Verordnung könnte modifiziert werden, um der Luftschiffhafen GmbH mehr Einnahmen zu verschaffen.

Turnerhalle

Zwischen Parkhaus und alter Turnerhalle ist eine Baugrube ausgehoben. Dass es die Baustelle überhaupt gibt, ist für die Entwicklung des Luftschiffhafens ein gutes Zeichen. Denn bereits im Dezember 2013 hatte die kommunale Bauholding Pro Potsdam, zu deren Verbund die Luftschiffhafen GmbH gehört, das 4700 Quadratmeter große Grundstück an das Land verkauft. Die Halle soll vor allem von der Universität Potsdam für die Sportlehrerausbildung genutzt werden. 8,5 Millionen Euro aus dem Landeshaushalt stehen für den Neubau zur Verfügung.

Eigentlich hätte bereits im Frühjahr 2016 mit dem Bau begonnen werden sollen. Aufgrund der Anforderungen und Auflagen der Denkmalschutzbehörde und der Stadt Potsdam sei es anfänglich zu Verzögerungen bei der Erteilung der Baugenehmigung gekommen, heißt es zur Erklärung aus dem zuständigen Finanzministerium. Dadurch hätten sich weitere Verschiebungen ergeben.

Mit dem nun ausgewählten Entwurf des Architekturbüros Behzadi + Partner Architekten aus Leipzig hätten sich alle Partner einverstanden erklärt. Er werde durch unterschiedlich ausgeprägte Baukörperkuben bestimmt. Die Hauptfunktionsflächen werden durch eine in freier Form gestaltete vorgehängte Fassadenstruktur geprägt.

Vor drei Wochen haben nun die Bauarbeiten begonnen. Im Mai 2019 soll die neue Halle fertig sein. Das Finanzministerium verspricht eine Vollausstattung. „Die Sportgeräte werden fest mit dem Baukörper verbunden sein“, sagte ein Sprecher. In der Haupthalle sollen unter anderem Sprunggruben, Reckanlagen, Barren und Pauschenpferd sowie weiterführende Ausstattungen für den klassischen Gerätesport untergebracht werden. „Um diesen Hauptraum herum sind zwei separat abgeteilte Mattenhallen für die rhythmische Sportgymnastik und ein Kraftsportraum gruppiert.“ Im Obergeschoss sind gesonderte Schulungs- und Trainerräume vorgesehen.

Für die Sportler dürfte die neue Halle eine deutliche Verbesserung mit sich bringen, auf die lange gewartet wurde. Denn die bisherige Halle mutet wie eine Kulisse aus einem Film über die Nachkriegszeit an. Der graue Putz bröckelt, an den hölzernen Fensterrahmen zeigt sich Schimmel und das Fensterglas ist so matt, dass man kaum hindurchblicken kann. Seit 1961 wird in dem drei Stockwerke hohen Bau geturnt. Auch der Märkische Turnerbund hatte die Verhältnisse als „nicht angenehm“ eingeschätzt – vor allem in Bezug auf die sanitären Anlagen.

Parkhaus

Mehr Einnahmen hatte sich auch der Betreiber des Parkhauses auf dem Gelände erhofft. Die bundesweit tätige Firma Apcoa hatte die mangelnde Frequentierung darauf zurückgeführt, dass Besucher des Veranstaltungsareals häufig die kostenlosen Parkflächen im Umfeld nutzen. Auch Anwohner in Potsdam-West beschwerten sich. Ob sich die Auslastung zuletzt verbessert hat, war nicht zu erfahren. Eine PNN-Anfrage blieb unbeantwortet. Augenscheinlich hat sich nicht viel getan.

Der Betreiber hatte vor mehr als einem Jahr ein Anwohnerparkkonzept und eine Parkraumüberwachung gefordert. Doch trotz eines Beschlusses der Stadtverordneten passierte nicht viel. Die Stadt setzt bisher auf gutes Zureden: Auf Nachfrage hieß es aus der Stadtverwaltung, es habe in Zusammenarbeit mit der Luftschiffhafen GmbH eine Flyeraktion gegeben. Statt Knöllchen klemmten Ordnungsamt-Mitarbeiter die Papiere hinter die Scheibenwischer der Falschparker. Es sei „für die Nutzung alternativer Verkehrsmittel geworben“ worden. Allerdings habe man bei der Aktion im Juli nur 20 Falschparker entdeckt. Auch in der MBS-Arena werde über Bandenwerbung auf alternative Verkehrsmittel und geeignete Parkplätze hingewiesen.

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