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Potsdamer Oktoberfest : Volksfest nach tödlichem Sturz wieder offen

Nach dem tödlichen Sturz einer jungen Frau von einem Fahrgeschäft ist das Potsdamer Volksfest wieder geöffnet. Unterdessen bot die Feuerwehr Unterstützung für Augenzeugen an.

Das Fahrgeschäft am Tag nach dem Unglück. 
Das Fahrgeschäft am Tag nach dem Unglück. Foto: Katharina Wiechers/PNN

Potsdam - Einen Tag nach dem tödlichen Unglück hat das Potsdamer Volksfest am Montagnachmittag wieder geöffnet. Der Betrieb ging um halb vier wieder los, wie Veranstalter Thomas Müller den PNN sagte. Die Kriminalpolizei habe den Bereich rund um das Fahrgeschäft "Playball" wieder freigegeben. Man habe sich geeinigt, das Fest trotz des Todesfalls "mit ruhigerem Charakter" fortzuführen. Das Fahrgeschäft, auf dem sich das Unglück ereignete, bleibe aber bis auf weiteres geschlossen und werde eingezäunt, so Müller. 

Die 29-jährige Rumänin war Mitarbeiterin des Fahrgeschäfts. Am Sonntagnachmittag fiel sie aus noch ungeklärter Ursache um 16.30 Uhr mehrere Meter in die Tiefe. Sie starb noch vor Ort, Wiederbelebungsmaßnahmen eines zufällig anwesenden Arztes blieben erfolglos. Was genau die Ursache für das Unglück war, ermittelt derzeit noch die Kriminalpolizei, so eine Sprecherin am Montag. Ermittelt wird wegen des Verdachts der fahrlässigen Tötung. 

Womöglich hatte die Verunglückte die Fahrchips von den Fahrgästen in den Gondeln eingesammelt und war noch nicht von der Plattform gestiegen, als das Fahrgeschäft losging. Bei "Playball" handelt es sich um eine drehende Plattform, auf der sich Gondeln befinden, die sich ebenfalls drehen. 

Der Lebensgefährte musste den Sturz mitansehen

Veranstalter Müller hat gegenüber einen Stand. Gesehen habe er den Unfall nicht, wohl aber den Aufprall gehört, sagte er den PNN. Offenbar war die Frau gegen ein Geländer geschleudert worden. Müller selbst hatte die Rettungskräfte alarmiert. Er sagte den PNN, die Tote sei fest angestellt bei den Schaustellern gewesen. Selbes gelte für ihren Lebensgefährten, dieser habe den Unfall mit eigenen Augen gesehen, so Müller. "In 30 Jahren Schaustellertätigkeit hab ich so etwas Furchtbares noch nicht erlebt." Die Polizeisprecherin bestätigte den PNN lediglich, dass sich "ein Angehöriger" vor Ort befunden habe. 

Müller ist Vorsitzender des Schaustellerverbandes Brandenburg "Sanssouci", der das Volksfest im Lustgarten veranstaltet. Es findet von 27. September bis 20. Oktober statt. Das Potsdamer Oktoberfest hingegen, das im Wesentlichem aus einem Festzelt neben dem Rummel besteht, hat nur an zwei Wochenenden geöffnet: nämlich am vergangenen und am kommenden. Wegen des Feiertags am Donnerstag ist das kommende Wochenende verlängert und beginnt für die Oktoberfestbesucher schon am Mittwochabend.

Notfallseelsorger waren vor Ort

Am Sonntag nach dem Unfall war ein Notarztteam mit sieben Mitarbeitern und eine Löschgruppe mit sieben Feuerwehrleuten vor Ort. Zudem waren sieben Notfallseelsorger aus der Stadt Potsdam und Potsdam-Mittelmark an der Unglücksstelle, vor allem um die Fahrgäste zu betreuen. Offenbar soll es sich bei diesen überwiegend um Teenager gehandelt haben. Die Feuerwehr Potsdam veröffentlichte am Montag einen Aufruf an mögliche Augenzeugen, sich zumelden, sollten sie Hilfe benötigen. "Augenzeugen kann es unter Umständen schwer fallen, das Gesehene zu verarbeiten", hieß es in einem Tweet. Sie könnten sich an die Leitstelle unter 0331/3701-0 wenden.

Das Fahrgeschäft, das nach früheren Angaben des Festbetreibers dem Traditionsunternehmen Meyer und Sohn aus Stahnsdorf-Gütersfelde gehört, hatte erst vor zwei Jahren den Besitzer gewechselt, wie damals das Branchenportal kirmes-total vermeldete. Es gehörte demnach zuvor rund 30 Jahre der Münchener Familie Clauß und war unter anderem auf dem dortigen Oktoberfest im Einsatz.

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