• Potsdamer Mitte: Sanierungsträger verklagt Investor Lelbach
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Potsdamer Mitte : Sanierungsträger verklagt Investor Lelbach

Das umstrittene Bauprojekt des Berliner Investors Abris Lelbach ist zum Teil in Verzug. Deswegen geht der Fall nun vor Gericht.

Foto: Andreas Klaer

Potsdam - Das ohnehin umstrittene Bauvorhaben des Berliner Investors Abris Lelbach an der Alten Fahrt ist nun auch zum Mittelpunkt juristischer Auseinandersetzungen geworden. Der Sanierungsträger, eine Tochter der kommunalen Pro Potsdam, der die Grundstücke am Havelufer im Auftrag der Stadt verkauft hatte, hat Lelbach wegen Bauverzug verklagt. Das bestätigten beide Seiten auf PNN-Anfrage. Dem Vernehmen nach soll es um eine fünf- bis sechsstellige Summe gehen, die Lelbach im Falle einer Niederlage an den Sanierungsträger zahlen müsste, weil er sein Bauvorhaben aus Sicht des Sanierungsträgers nicht fristgemäß fertiggestellt hat.

Brauerstraße 3 hat Eigentümer gewechselt

Doch geht es in dem Konflikt überraschenderweise nicht um das Projekt Brauerstraße 4-6, jenen wegen seiner Dimensionen umstrittenen Gebäuderiegel, der das Ensemble an der Alten Fahrt nach Osten hin abschließt. Im Fokus stehen vielmehr die benachbarten, wesentlich kleineren Grundstücke Brauerstraße 2 und 3. Die dortige Bebauung bildet gemeinsam mit der Brauerstraße 1 – entwickelt von der Bürgerstadt AG – das Bindeglied zwischen Lelbachs Großprojekt und dem Museum Barberini. Für die Brauerstraße 2 habe der Bauherr den vollständigen Bauantrag mit einer 14-monatigen Verspätung eingereicht, bei der Brauerstraße 3 habe der Verzug sogar 23 Monate umfasst, sagte eine Sprecherin des Sanierungsträgers den PNN.

Der Lelbach-Komplex neben dem Barberini ist wegen seiner Dimensionen umstritten. 
Der Lelbach-Komplex neben dem Barberini ist wegen seiner Dimensionen umstritten. Foto: Andreas Klaer

Complan hatte den Zuschlag bekommen

Das ist auch insofern bemerkenswert, weil den Zuschlag für die Brauerstraße 3 im Vergabeverfahren gar nicht Lelbach, sondern die Potsdamer Kommunalberatungsfirma Complan AG bekommen hatte. Auf der Internetseite des Sanierungsträgers wird die Complan GmbH noch immer als Eigentümerin geführt. Tatsächlich hat sie das mit knapp 600 Quadratmetern vergleichsweise kleine Grundstück bereits vor Jahren abgegeben – und zwar an Lelbach. Zwar sei das Grundstück nicht verkauft worden, so die Sanierungsträger-Sprecherin. Doch bei der von Complan für die Entwicklung des Grundstücks gegründeten GbR habe ein Gesellschafterwechsel stattgefunden. Einer der neuen Gesellschafter – und damit auch Miteigentümer – ist Lelbach.

Die Gründe für das Ausscheiden von Complan hängen wiederum mit der Vergabe der Nachbargrundstücke in der Brauerstraße 4-6 an Lelbach zusammen. Der Investor hatte die seinerzeit kommunalen Flächen im Jahr 2013 ohne Ausschreibung erwerben können. Der Grund: Damals war Lelbach noch Eigentümer des Barberini-Grundstücks, in dem Hasso Plattner sein Museum einrichten wollte. Lelbach bekam den Zuschlag für die lukrativen Nachbargrundstücke, weil für die Museumsbesucher dort eine Tiefgarage entstehen sollte. Bekanntlich kam es dazu nicht: Lelbach schied wenig später aus dem Museumsprojekt aus.

Complan, nunmehr eingekeilt zwischen zwei Lelbach-Projekten – die Brauerstraße 2 hatte er bereits 2011 im Zuge des aufwendigen Vergabeverfahrens an der Alten Fahrt erhalten, sah sich in der Zwickmühle. Hätte man zu bauen begonnen, hätte man schwere Schäden an den Gebäuden riskiert, wenn Lelbach anschließend mit dem Bau einer Tiefgarage begonnen hätte, sagte Complan-Chef Hathumar Drost den PNN. Seine Firma hatte mehrere Wohnungen in einer Bauherrengemeinschaft errichten wollen. Wegen der Risiken seien die potenziellen Interessenten jedoch abgesprungen. „Schweren Herzens“, so Drost, habe man das Projekt dann an Lelbach übergeben.

Lelbach sieht Teilschuld bei den Stadtwerken

Bei der Frage des Bauverzugs sieht Lelbach die Ursachen allerdings nicht bei sich. So seien die Zufahrten zu seiner Baustelle wegen verschiedener anderer Baumaßnahmen zwei Monate lang gesperrt gewesen, sagte der Investor den PNN. Zudem habe man wegen des schwierigen Baugrundes tiefer gründen müssen. Daher habe der Sanierungsträger zusätzliche archäologische Ausgrabungen verlangt. Zur Frage, wer dafür die Kosten trägt, streiten sich Lelbach und der Sanierungsträger ebenfalls.

Einen guten Teil der Schuld an der Verzögerung schiebt der Investor auch auf die Stadtwerke. Obwohl die Anträge für den Bau der Wasser-Hausanschlüsse bei der EWP bereits seit vier oder fünf Jahren vorlägen, habe das Unternehmen diese viel zu spät eingebaut. Der letzte Regenwasser-Anschluss sei erst Anfang dieses Jahres gelegt worden, sagte Lelbach.
Die Stadtwerke wiesen diese Vorwürfe zurück – und schoben den Schwarzen Peter ihrerseits dem Investor zu. Die Anschlüsse für die gesamte Brauerstraße seien bis zu den jeweiligen Grundstücksgrenzen bereits im März 2017 fertig gewesen, sagte ein Sprecher den PNN. Die Anschlüsse zu den Gebäuden habe man „nach der Gewährleistung der Baufreiheit durch den Bauherrn 2019“ hergestellt. „Hierbei wurden alle Termine fristgerecht eingehalten“, so der Sprecher.

Ensemble soll im Sommer fertig sein

Ursprünglich hatte Lelbach mit dem gesamten Ensemble im Sommer 2019 fertig sein wollen. Nun strebt er den Frühsommer dieses Jahres an. Wegen der Verzögerungen habe er noch nicht mit der Vermarktung begonnen, sie soll aber Ende Januar starten, sagte er. Während in der Brauerstraße 2 und 3 nur einige wenige Wohnungen und Gewerbeeinheiten entstehen, sind in dem L-förmigen, vier- bis fünfgeschossigen Gebäuderiegel in der Brauerstraße 4-6 40 Wohnungen, mehrere Gewerbeeinheiten und eine Tiefgarage mit 45 Plätzen geplant. Dieser Komplex ist wegen seiner Ausmaße städtebaulich umstritten, zumal er vom Bebauungsplan abweicht. Die Stadt hatte Lelbach eine Befreiung erteilt, weil das Ensemble das Ergebnis eines Architekturwettbewerbs war. Nach eigenen Angaben gewann er dadurch etwa 400 Quadratmeter Nutzfläche hinzu – in lukrativster Innenstadtlage am Wasser. Für den Wertzuwachs hatte Lelbach eigentlich eine Nachzahlung an die Stadt leisten sollen – wegen der genannten Streitigkeiten ist das Geld allerdings noch immer nicht geflossen.

Die zeitliche Verzögerung kommt den Bauherrn auch anderweitig teuer zu stehen. Wegen der stetig steigenden Baupreise habe sich auch die Investitionssumme von 30 Millionen Euro deutlich erhöht, erklärte Lelbach. Um wie viel genau, sagte er allerdings nicht.