• Potsdamer Kunstmuseum verzögert sich: Mauerfragen an der Villa Francke

Potsdamer Kunstmuseum verzögert sich : Mauerfragen an der Villa Francke

Das geplante unterirdische Kunstmuseum an der Villa Francke kann wohl frühestens 2024 eröffnen. Was bis dahin passiert und warum es langsamer vorangeht als gedacht.

Auf dem Gelände der Villa Francke (rechts) soll neben der ehemaligen Remise (links) ein Kunstmuseum errichtet werden. 
Auf dem Gelände der Villa Francke (rechts) soll neben der ehemaligen Remise (links) ein Kunstmuseum errichtet werden. Foto: Andreas Klaer

Potsdam – Die Planungen für ein unterirdisches Kunstmuseum an der Villa Francke in der Gregor-Mendel-Straße in der Jägervorstadt haben sich verzögert. Für die Erarbeitung des sogenannten beschleunigten vorhabenbezogenen Bebauungsplanes liefen derzeit noch verschiedene Prüfungen, sagte der Architekt Wolfgang Keilholz den PNN auf Anfrage. „Wir sind aber zuversichtlich, dass wir das im ersten Quartal hinbekommen.“ Dann müsste – die Zustimmung der Stadtverordneten vorausgesetzt – der Bauantrag gestellt werden, für dessen Bearbeitung Keilholz weitere drei bis sechs Monate veranschlagt. 

Wenn alles glatt läuft, könne im Herbst Baubeginn sein und das Museum dann nach zweijähriger Bauzeit 2024/25 eröffnet werden. Die Stadt äußert sich, was den Zeitplan angeht, auf PNN-Anfrage vorsichtiger: „Auch aufgrund begrenzter Kapazitäten in der Planungsverwaltung kann ein zeitnaher Abschluss dieses Planverfahrens aktuell noch nicht in Aussicht gestellt werden“, teilte eine Sprecherin mit.

Parkanlage nach historischem Vorbild

Am ursprünglichen Plan, einem zum großen Teil unter der Erde befindlichen Museum, in dem auf rund 4500 Quadratmetern Kunst aus privaten Sammlungen ausgestellt werden soll, habe sich nichts geändert, bestätigte der Architekt. Außerdem soll die Parkanlage nach historischem Vorbild wiederhergestellt werden. Neben dem unterirdischen Museum ist oberirdisch ein neues Entree-Gebäude geplant, das noch in der Abstimmung ist. 

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Darüber hinaus soll die sogenannte Gewächshausremise wiederaufgebaut werden. Dort sollen später Künstlerwohnungen untergebracht werden. Erstmals öffentlich vorgestellt hatten Wolfgang Keilholz und der Berliner Unternehmer und Kunsthistoriker Matthias Klöppel ihre Pläne Anfang 2019. Im Sommer 2019 war von einer möglichen Eröffnung frühestens 2022/23 die Rede. Im September 2019 stimmten die Stadtverordneten der Aufstellung des besagten Bebauungsplans zu.

Das Museum an der Villa Francke soll unterirdisch entstehen. 
Das Museum an der Villa Francke soll unterirdisch entstehen. Visualisierung: W. Keilholz/Chayros

Dass es nun langsamer vorangeht als gedacht, habe nicht nur mit Corona zu tun, sagte Wolfgang Keilholz. Es gelte vor allem, eine Reihe verschiedener Detailfragen mit den jeweiligen Fachbehörden zu klären. So war unter anderem für ein geplantes kleines Museumscafé mit Tischen im Garten ein Schallgutachten nötig. Auch Umweltgutachten und die Frage der Altlasten auf dem früher auch von der Roten Armee genutzten Gelände spielten eine Rolle. 

Die Villa Francke

Die von Reinhold Persius entworfene Villa und das rund 15 000 Quadratmeter große Grundstück haben die heutigen Investoren 2018 von Nachfahren der Familie Francke erworben. Der Berliner Holzhändler Carl Francke hatte einst während des Baubooms in Berlin ein Vermögen gemacht und sich das herrschaftliche Domizil in Potsdam 1873/74 zunächst als Sommer- und Gesellschaftshaus bauen lassen.

1909 bis 1912 wurde die Villa durch Architekt Peter Behrens ausgebaut und umgestaltet. Die Anlage wurde zudem erweitert – unter anderem um einen Tennisplatz und die Remise, errichtet als Fahrzeughaus. Die Franckes sollen eines der ersten Automobile Potsdams besessen haben.

Die Familie wurde während der DDR-Zeit nicht enteignet, weil der damalige Besitzer, der in Namibia wohnte, britischer Staatsbürger war. Das Haus wurde unter anderem von den Sowjettruppen als Laborgebäude für das Militärlazarett genutzt.

Diskutiert worden sei über die Zufahrt über die Parkstraße und Parkplatzfragen. Für die Wiederherstellung des historischen Gartens habe geklärt werden müssen, an welcher der verschiedenen Fassungen man sich orientieren solle – Reinhold Persius oder Peter Behrens. Es wird nun Behrens, nach dem auch die auf dem Grundstück noch erhaltene Remise benannt ist.

Außerdem sei momentan die Umfriedung Thema: Das Gelände ist teilweise ummauert – Mauern seien heute in Potsdam aber grundsätzlich untersagt, berichtet der Architekt. Nun werde mit Unterstützung „mehrerer Spezialisten, einschließlich Archäologen“ geklärt, welche Mauer original ist – denn es gibt Gemäuer aus verschiedenen Epochen.

Villa wird auch für Dreharbeiten genutzt

Von der Bauverwaltung im Rathaus fühle man sich bei all dem aber vorbildlich unterstützt, betont Wolfgang Keilholz. „Die Stadt ist sehr gewissenhaft, prüft alles genau und kompetent.“ Im vergangenen März habe sich auch der Potsdamer Gestaltungsrat vor Ort ein Bild gemacht und verschiedene Fragen diskutiert. Das sechsköpfige Expertengremium berät Bauherren im Hinblick auf die städtebauliche und architektonische Qualität ihrer Vorhaben.

Architekt Wolfgang Keilholz.
Architekt Wolfgang Keilholz.Foto: Ottmar Winter

Aber auch vor dem Start der Bauarbeiten soll die Villa wieder für Publikum geöffnet werden. Es gebe für dieses Jahr erneut Pläne für eine künstlerische Nutzung, kündigte Keilholz an.  Schon in der Vergangenheit hatten in dem Haus Ausstellungen stattgefunden. Das denkmalgeschützte Gebäude wird zudem ab und an für TV-Produktionen vermietet. Groß beworben werde das nicht, aber „so bekommen wir ein bisschen Geld rein, um den Unterhalt abzudämpfen“, sagt Wolfgang Keilholz. 

So fanden in der Villa unter anderem Dreharbeiten für das RTL-Realityformat „Der Bachelor“ statt. Auch für die Serien „Torstraße 1“ und „Deutschland 89“ wurde dort gedreht. In der letztgenannten Serie war das Potsdamer Gebäude allerdings nur für Eingeweihte wiederzuerkennen, berichtet der Architekt: „Die Villa ist da ein Haus an der Küste.“

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