• Potsdamer Kreisverband unter Druck: Kleingärtnern droht die Schieflage

Potsdamer Kreisverband unter Druck : Kleingärtnern droht die Schieflage

Die finanziellen Rücklagen des Verbands der Gartenfreunde sind kleiner als Klageforderungen gegen ihn. Die Mitglieder müssen sich auf eine dauerhafte Erhöhung der Beiträge einstellen.

Ein Kleingärtner in der Sparte "An der Katharinenholzstraße".
Ein Kleingärtner in der Sparte "An der Katharinenholzstraße".Foto: Ottmar Winter

Potsdam - Vor der mit Spannung erwarteten Mitgliederversammlung des Potsdamer Kleingärtnerverbands am Dienstag werden neue Details zur angespannten Finanzlage des Vereins bekannt. Das zeigen an Mitglieder versandte Vorabunterlagen des Kreisverbands der Garten- und Siedlerfreunde (VGS), die den PNN vorliegen. Zugleich sollen die VGS-Mitglieder dauerhaft mehr Mitgliedsbeiträge zahlen. 

Wie berichtet wird der für knapp 6000 Gartenpartzellen zuständige Dachverband von Unternehmen attackiert, die früher vom VGS verpachtetes Gartenland ihr Eigen nennen und vom VGS Entschädigung fordern. Der VGS hätte das Land aus ihrer Sicht gar nicht verpachten dürfen, weil er sich – gerichtlich bestätigt – zu Unrecht als Nachfolger des DDR-Kleingartenverbands bezeichnet hatte. Daher seien den eigentlichen Eigentümern Pachtzahlungen entgangen. Vor diesem Hintergrund fordert zum Beispiel der Investor Tamax, dem die früheren Sparte Angergrund in Babelsberg gehört, Entschädigung. Insgesamt 330.000 Euro fordere man vom VGS, sagte ein Tamax-Anwalt den PNN. 

VGS vertritt rund 120 Kleingartensparten in Potsdam und Potsdam-Mittelmark

Sollte die Tamax damit vor Gericht siegen, könnte es eng für den VGS werden, denn Rücklagen für die Auseinandersetzung mit Tamax sind laut dem aktuellen Finanzplan nur mit 88 000 Euro angegeben. Und an Mitgliedereinnahmen hat der Verein für 2021 rund 370.000 Euro ausgewiesen – bei Personalkosten von knapp 120.000 Euro und rund 65.000 Euro Anwaltshonoraren. Insgesamt belaufen sich die verfügbaren Rücklagen auf knapp 417.000 Euro, wobei die besagte Tamax-Forderung von 330.000 Euro wie berichtet nicht die einzige Auseinandersetzung darstellt. 

Aufgeführt sind im Finanzplan zum Beispiel auch eine weitere Rücklage „Schadensersatz Pächter“ über fast 57.000 Euro plus weitere fünfstellige Rücklagen. Damit sind die Forderungen höher als die Rücklagen. 

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Es geht um keine Petitesse: Der VGS unter seinem Vorsitzenden Wolfgang Zeidler ist auch die Interessenvertretung für rund 120 Kleingartensparten in Potsdam und Potsdam-Mittelmark. Und schon in der Vergangenheit mussten die Mitglieder einspringen: 2018 hatte der Verein unter anderem wegen der drohenden Entschädigungen die Mitgliedsbeiträge deutlich anheben müssen, um eine finanzielle Schieflage zu vermeiden. 

Brisante Tagesordnungspunkte

Für die Vereinsversammlung steht eine dauerhafte Erhöhung der Mitgliederbeiträge auf der Tagesordnung. Da ein Beschluss aus dem vergangenen Jahr für die einmalige Finanzierung von „öffentlich-rechtlichen Lasten“ in Höhe von 15 Euro pro Parzelle eben nur 2021 greife, soll diese Zusatzfinanzierung verlängert werden – und auf den Mitgliedsbeitrag aufgeschlagen werden. Dieser würde dann von jetzt an auf dauerhaft 75 Euro steigen.  

Ebenso auf der Tagesordnung steht die Abwahl des stellvertretenden Vorsitzenden des Vereins, die die andere Vorstandsmitglieder beantragt haben. Grund ist unter anderem ein Brief des Vizechefs an den Landesverband der Kleingärtner, in dem er bereits vor einer drohenden Insolvenz des VGS warnte – und mehr Transparenz anmahnte. So aber würden alle Verhandlungen zu den Pachtverträgen erheblich erschwert, „wenn die Solvenz des Verbandes völlig zu Unrecht in Frage gestellt wird“, heißt es im Abwahlantrag gegen den vereinsinternen Kritiker.  

Auf eine PNN-Anfrage zu all den Vorgängen hatte sich der Verband zuletzt nicht äußern wollen und auf „vereinsinterne Angelegenheiten“ verwiesen. Zumindest scheint aber ein Umdenken stattzufinden: So könnten Journalist:innen der PNN aus Sicht des Vorstands an der Vereinssitzung teilnehmen, hieß es auf Anfrage.

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