• Potsdamer Klimapreis: Wie Potsdam grünt

Potsdamer Klimapreis : Wie Potsdam grünt

Mehr als 130 Akteure haben beim Umweltfest im Volkspark Potsdam nachhaltige Ideen vorgestellt. Der Laden "FairVerpackt" wurde mit dem Klimapreis ausgezeichnet.

Sophie Laaß
Beim Umweltfest im Volkspark.
Beim Umweltfest im Volkspark.Foto: Sophie Laaß

Bornstedter Feld - Gegen Müllberge vorgehen, die man vom Weltall aus sehen kann – das ist die Mission von „kathi&käthe FairVerpackt“. Dahinter stehen Katharina Kaiser und Katja Skurcz, die mit ihrem verpackungslosen Einkaufsladen den Potsdamer Klimapreis 2019 gewonnen haben. Kunden können in dem Laden in Babelsberg beispielsweise Getreide, Salz und Shampoo in Gläser füllen und somit ohne Einweg-Verpackung kaufen.

Schubert: Persönliches Engagement fürs Klima wichtiger als Demonstrationen

Kaiser und Skurcz sind aber nicht die Einzigen, die beim Umweltfest am Sonntag im Volkspark ihre Initiative vorgestellt haben. Mehr als 130 Akteure aus der Region waren bei der zehnten Auflage vertreten. Oberbürgermeister Mike Schubert (SPD) lobte das Engagement der Potsdamer für mehr Nachhaltigkeit in ihrer Stadt. „Die Kinder und Erwachsenen von Fridays for Future haben eine tolle Entwicklung angestoßen, für die wir uns bedanken wollen“, sagte er bei der Preisverleihung. Gemeinsam mit ihnen und der Stadtverwaltung wolle er nun besprechen, wie Potsdam noch früher als geplant 2050 klimaneutral werden kann. Viel wichtiger als Demonstrationen seien dafür praktische Beispiele, wie Bürger persönlich Verantwortung übernehmen können, so Schubert.

Sebastian Liesecke will in Potsdam-West einen "Bildungsacker" aufbauen.
Sebastian Liesecke will in Potsdam-West einen "Bildungsacker" aufbauen.Foto: Sophie Laaß

Einige dieser Beispiele sind gerade erst in Planung. So soll in Potsdam-West in der Stormstraße, gefördert von den Ökonauten, ein „Bildungsacker“ entstehen. Sebastian Liesecke will dort gemeinsam mit vielen Ehrenamtlichen und einigen angestellten Gärtnern eine ökologische Landwirtschaft mit Acker und Tierhaltung aufbauen. Neu an dem Konzept sei, Menschen aller Altersgruppen und Erfahrungsstufen dort mithelfen zu lassen. „Im Frühjahr schaut jeder, was er tun kann“, sagt der Student Liesecke, „und kann im Sommer die Früchte seiner Arbeit mit nach Hause nehmen.“ Das sei ein besserer Ausgleich zum Büroalltag als das Fitnessstudio und sorge gleichzeitig für ein besseres Verständnis für Nahrungsmittel und deren Wertschätzung.

Auf zwei Hektar sollen Potsdamer ackern können

Um sein Konzept umzusetzen, will Liesecke sich an die Stadtverordnetenversammlung wenden. Die Verwaltung plane nämlich, auf der verlassenen, rund zwei Hektar großen Fläche eine Kleingartenanlage. Einen „ökologischen und solidarischen Vernetzungsort“ zu schaffen, findet der Student aber wichtiger.

Klimasieger. „kathi&käthe“, Kerstin Zwirn, Astrid Buzin und Christian Koch (v.l.n.r.).
Klimasieger. „kathi&käthe“, Kerstin Zwirn, Astrid Buzin und Christian Koch (v.l.n.r.).Foto: Sophie Laaß

Auch die Zweit- und Drittplatzierten des Potsdamer Klimapreises engagieren sich für eine solche Vernetzung: Astrid Buzin bringt Kindern und Erwachsenen mit essbaren Wildpflanzen das Wissen über Nahrungsmittel des Waldes zurück. Und die Baugemeinschaft Dieselstraße, beim Umweltfest repräsentiert durch Christian Koch und Kerstin Zwirn, baute 18 nachhaltige Doppelhäuser mit recyclebarem Fensterglas, Solar- und Erdwärmeenergie und überdurchschnittlichen Dämmwerten.


Neben Ständen der Stadtwerke, von Parteien und bekannten Umweltorganisationen wie dem Nabu und dem WWF präsentierten auch Konzerne wie Hyundai ihre Innovationen. Besucher konnten ein zu 100 Prozent mit Wasserstoff betriebenes Auto begutachten, das bereits auf dem Markt ist. Viele Eindrücke also für eine nachhaltige Lebensweise.

Die Gründerinnen Katharina Kaiser und Katja Skurcz versuchen in ihrem Laden täglich, einen Anreiz dafür zu schaffen: „Es ist gut, Orte zu schaffen, an denen man die Leute schrittweise begleiten kann, ohne dabei total streng zu sein.“ Die 1000 Euro Preisgeld werden ihnen dabei helfen.