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Potsdamer Kitas in der Corona-Krise : Kinderbetreuung mit vielen Hindernissen

Der eingeschränkte Regelbetrieb in Potsdamer Kitas und Horten hat begonnen: Wegen Personalmangel und Hygieneregeln ist das schwierig.

Die Kita-Betreuung in Potsdam ist weiterhin nur eingeschränkt möglich. 
Die Kita-Betreuung in Potsdam ist weiterhin nur eingeschränkt möglich. Foto: Monika Skolimowska/dpa

Potsdam - Der eingeschränkte Regelbetrieb in den Potsdamer Kitas stellt Kinder, Eltern und Träger vor große Herausforderungen, auch nach dem Start am Montag hakt es noch an vielen Stellen. Das hat eine PNN-Umfrage ergeben.

Von Problemen berichtete den PNN zum Beispiel die Sprecherin des Evangelischen Jugend- und Fürsorgewerks (EJF), einem Träger mit knapp zehn Einrichtungen in Potsdam. Auch im eingeschränkten Regelbetrieb könne man nicht alle Kinder betreuen. „Leider können wir den Familien noch kein Datum nennen, wann sich das ändern wird“, sagte die EjF-Sprecherin. Zwar sei der Spielraum zur Betreuung jetzt etwas größer – in Einrichtungen mit großen Räumen seien nun Gruppen mit bis zu 24 Kindern möglich, in kleinen Häusern nur bis zu zwölf. Allerdings sei es in den größeren Gruppen schwierig, alle Hygieneregeln einzuhalten. 

Zudem sei es nicht immer möglich, dass Kinder ihre Bezugserzieher erhalten. Zum Umgang mit Erziehern aus der Corona-Risikogruppe sagte die Sprecherin: „Wo Unsicherheiten bestehen, bieten wir Beratungen durch unseren Betriebsarzt an und haben unsere Einrichtungen mit Hygiene- und Schutzmaterial ausgestattet. Mitarbeitende, die nicht im Kinderdienst eingesetzt werden dürfen, arbeiten von zu Hause aus und stehen zum Beispiel von dort in Kontakt mit Eltern und Familien.“

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An der Kapazitätsgrenze

Ähnliche Schwierigkeiten schilderte auf Anfrage auch eine Sprecherin der Fröbel-Gruppe mit ihren mehr als zehn Kitas und Horten in Potsdam. So könne man nun fast zehn Plätze mehr pro Einrichtung bieten, sagte sie. Doch bei jeder Erhöhung der Gruppenstärke sei es schwieriger, die Hygienestandards einzuhalten. „Die größte Herausforderung liegt für uns in der Personalausstattung: Da wir feste Gruppen aus Fachkräften und Kindern haben, sind wir an der Kapazitätsgrenze“, so die Fröbel-Sprecherin.
Ferner könne man nicht die gewohnten Öffnungszeiten anbieten. „Statt bisher 11,5 Stunden liegen wir aktuell bei acht bis neun Stunden – je nach Standort.“ 

Gut funktioniere aber die Kommunikation mit den Eltern, obwohl auch da vielfach die Belastungsgrenze erreicht sei: „Es wird auf die Dauer immer schwieriger, Beruf und Kinderbetreuung miteinander zu vereinbaren.“ Erzieherinnen und Erzieher aus der Risikogruppe könnten aktuell noch frei wählen, wo und wie sie arbeiten. „Wir bieten ihnen die Möglichkeit, von zu Hause aus zu arbeiten“, so die Sprecherin. Dafür habe man auch Tablets besorgt, für Fachkräfte und Kinder. „Damit produzieren Erzieher von zu Hause Experimentiervideos, um Kinder in den verschiedenen Bildungsbereichen zu fördern.“

Betreuung nur im Garten

Seit dem Wochenende hatten sich nach der Berichterstattung im PNN-Newsletter „Potsdam Heute“ zahlreiche Eltern an die PNN gewandt und von ihren Erfahrungen berichtet. Einige schilderten dabei, dass sie bisher noch gar keine Rückmeldung oder nur Absagen erhalten hätten. 
So berichtete eine Familie mit zwei Kindern, dass nur der jüngere Sohn einen Betreuungsplatz erhalten habe. 

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Auch eine Friseurin und ihr selbstständig arbeitender Mann schilderten Probleme: „Uns wurden einmal die Woche vier Stunden von 8 bis 12 Uhr angeboten – das bringt uns und dem Kind gar nichts.“ 

"Stundenweise im Garten"

Eine Babelsberger Kita hatte vergangene Woche in einer Mail an Eltern angekündigt, man setze auf eine stundenweise Betreuung im Garten. Im Haus gebe es nicht ausreichend Platz zum Mittagessen und zum Schlafen: „Denken Sie an witterungsentsprechende Kleidung.“ Inzwischen hat sich auf PNN-Anfrage der Träger der Einrichtung gemeldet, die gemeinnützige Kinderwelt Gmbh. Bei dieser Mail habe es sich um eine Abfrage bei den Kindern gehandelt, "die bis zu diesem Zeitpunkt keinen Anspruch auf eine Notbetreuung hatten und denen zumindest ein Besuch ihrer Kita ermöglicht werden sollte", sagte ein Kinderweltsprecher. "Die Bedingungen verändern sich für uns wöchentlich und die neuen Bedingungen erhalten wir in der Regel sehr kurzfristig, was auch uns die Arbeit und die Kommunikation mit den Teams und den Eltern sehr erschwert." Nun starte man mit dem eingeschränkten Regelbetrieb unter neuen Bedingungen und mit mehr Betreuungsplätzen. "Alle Kitas haben ein klares Gesundheits- und Hygienekonzept, was vor Ort im Sinne der Allgemeinverfügung der Stadt Potsdam umgesetzt wird", so der Kinderwelt-Sprecher. Man hoffe "im Sinne der Kinder, dass es bald eine Rückkehr zu einem normalen Kitabetrieb geben kann."

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