• Potsdamer Generalsuperintendentin: Heilgard Asmus wird am Sonntag verabschiedet

Potsdamer Generalsuperintendentin : Heilgard Asmus wird am Sonntag verabschiedet

Potsdams Generalsuperintendentin verabschiedet sich in der Nikolaikirche. In ihrer 16-jährigen Amtszeit engagierte sie sich gegen Rechtsextremismus und begleitete Fusionen von Kirchenkreisen.

Benjamin Lassiwe
Heilgard Asmus in der Potsdamer Nikolaikirche.
Heilgard Asmus in der Potsdamer Nikolaikirche.Foto: Manfred Thomas

Potsdam - Wenn Heilgard Asmus am Sonntag (23.8.) ihr Amtskreuz auf den Altar der Nikolaikirche legt, geht für sie ein Lebensabschnitt zu Ende: Fast 16 Jahre lang war die Theologin als Generalsuperintendentin an der Leitung der Evangelischen Kirche Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz beteiligt – zunächst im Sprengel Cottbus und dann, seit 2010, in Potsdam. „Ich war eine generelle Superintendentin“, erklärt sie den etwas sperrigen Titel ihres Leitungsamtes.

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Ihre Aufgabe war es, die Entscheidungen der Kirchenleitung in die Region zu tragen, und die Region in der Kirchenleitung zu vertreten. Angehende Pfarrerinnen und Pfarrer hat sie mitordiniert, also in einem feierlichen Gottesdienst in den Dienst der Kirche aufgenommen. Zahllose Predigten hat sie gehalten, zu Jubiläen von Dorfkirchen und Orgeln, zu Gemeindefesten und Kreiskirchentagen. Und doch hat sie es nicht geschafft, in allen 770 Kirchen zwischen dem Fläming, der Uckermark und der Prignitz auf der Kanzel zu stehen. „Bei durchschnittlich 50 Sonntagen im Jahr, an denen ich predige, geht das in zehn Jahren ja schon mathematisch nicht“, sagt Asmus. Ein Fan von Brandenburg ist die gebürtige Lehninerin trotzdem. „Ich liebe die Weite und Schönheit des Landes mit seinen Bewohnern“, sagt Asmus. „Hier gibt es viele Regionen, wo die Menschen einfach treu sind – zu Grund und Boden, ihrem Land, ihrer Geschichte mit all ihren Brüchen und auch zu ihren Kirchen.“

Für ihr Engagement gegen Rechts erhielt sie den Landesverdienstorden

Im Land war Asmus viele Jahre als Vorsitzende des Aktionsbündnisses gegen Rechtsextremismus und Fremdenfeindlichkeit aktiv. 2016 erhielt sie dafür den Verdienstorden des Landes Brandenburg – und Ministerpräsident Dietmar Woidke (SPD) würdigte sie als „Botschafterin für Weltoffenheit und Toleranz“. In ihrer Kirche engagierte sie sich für das Gedenken an die friedliche Revolution, zum Beispiel beim Festgottesdienst „Freiheit im Fluss“, der im vergangenen Jahr im November auf der Elbfähre in Lenzen stattfand.

Doch auch manche Herausforderung wartete auf die Theologin: Etwa die Fusion von Kirchenkreisen. Als sie vor zehn Jahren ihren Dienst antrat, gab es im Sprengel Potsdam noch 14 Kirchenkreise, heute sind es noch neun. Und nicht alle Fusionen gingen geräuschlos vor sich. Mancher Konflikt bereitete schlaflose Nächte, kostete Kraft: Etwa die Gründung des heutigen Kirchenkreises „Mittelmark-Brandenburg“. „Ich musste auf der Synode des Vorgänger-Kirchenkreises Lehnin-Belzig damals deutlich sagen: So weiter wie bisher kann es nicht gehen“, erinnert sich Asmus.

Künftig will sie in der Erwachsenenbildung arbeiten

Nun aber beginnt ein neuer Lebensabschnitt für die 61-jährige Theologin. Denn eine Verlängerung ihres auf zehn Jahre befristeten Leitungsamtes bis zur Rente hatte sie bewusst abgelehnt. „Ich nehme es ernst, dass Leitungsämter in unserer Kirche nur für einen befristeten Zeitraum vergeben werden“, sagt Asmus. Künftig wird sie eine Stelle in der evangelischen Erwachsenenbildung innehaben, und dort auch mit der Heimvolkshochschule Seddiner See zusammenarbeiten.

Was sie den Menschen in der Mark für die Zukunft mitgibt? „In der Bibel heißt es: Stellt Euer Licht nicht unter den Scheffel“, sagt Asmus. Die Kirchenmitglieder sollten mehr davon berichten, was sie im Leben trage. Aber nicht nur die: „In vielen Regionen des Landes habe ich wunderbare, kreative Menschen kennengelernt, Menschen, die in der Kirche waren, und Menschen, die nicht in der Kirche waren“, sagt Asmus. „Sie alle unternehmen viel für den Zusammenhalt des Landes und die gute Nachbarschaft – und darauf könnten alle gern ein bisschen stolzer sein.“

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