• Potsdamer Garnisonkirche: Kirchturm mit Ausstellung soll 2023 öffnen

Potsdamer Garnisonkirche : Kirchturm mit Ausstellung soll 2023 öffnen

Der theologische Vorstand der Garnisonkirchenstiftung über die Baufortschritte und das große Potenzial des Kompromissvorschlags für die Gestaltung der Umgebung des neuen Garnisonkirchturms.

Yvonne Jennerjahn
Der Turm der Garnisonkirche ist derzeit 56 Meter hoch.
Der Turm der Garnisonkirche ist derzeit 56 Meter hoch.Foto: Ottmar Winter

Potsdam - Nach dem Baustart im Oktober 2017 wird inzwischen im fünften Jahr am neuen Potsdamer Garnisonkirchturm gebaut. Von insgesamt knapp 90 Metern seien inzwischen 56 erreicht, sagte der theologische Vorstand der Garnisonkirchenstiftung, Martin Vogel, dem Evangelischen Pressedienst (epd) in Potsdam. Derzeit werde von einer Eröffnung im Herbst 2023 ausgegangen.

Was ist beim Wiederaufbau des Garnisonkirchturms inzwischen geschafft und was für Bauschritte sind 2022 bis zum fünften Jahrestag des Baubeginns noch geplant?
Aktuell hat der Turm eine Höhe von 56 Metern erreicht und wird äußerlich verputzt. Außerdem wurden die Treppen im Turmschaft bis zur Höhe der Aussichtsplattform fertiggestellt. Es wurde bereits mit dem Einbau verschiedener Fenster begonnen, zum Beispiel in der Kapelle, in Seminar- und Ausstellungsräumen und in der Bibliothek. Im Januar und Februar ist der Einbau der großen Fenster Richtung Ost, West und Süd vorgesehen. Eine Vielzahl von Ausbaugewerken, beispielsweise Heizung, Beleuchtung, Lüftung, Gebäudeautomation, Fernmeldung und Informationstechnik, bringen den Innenausbau voran.

Die Baupreise steigen - wie viel Geld fehlt Ihnen noch für die Fertigstellung des Turms?
Die Stiftung geht momentan von Gesamtkosten für den Turm ohne Glocken, Glockenspiel und additive Schmuckelemente von 40,6 Millionen Euro aus. Um diese Kosten zu finanzieren, ist bei der Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien im vergangenen Jahr ein Antrag auf Bewilligung von 4,5 Millionen Euro etatisierter Mittel gestellt worden.

Martin Vogel im Vorjahr auf der Baustelle der Garnisonkirche.
Martin Vogel im Vorjahr auf der Baustelle der Garnisonkirche.Foto: Sebastian Gabsch

Wie sieht der aktuelle Zeitplan bis zur Eröffnung aus?
Im Moment gehen wir davon aus, dass der Turm mit ausgestalteter Kapelle, Räumen für Jugend- und Bildungsarbeit und der Ausstellung im Herbst 2023 geöffnet werden kann.

Anfang Dezember wurde ein Kompromissvorschlag für die Gestaltung des Areals am historischen Standort der Garnisonkirche vorgestellt, der unter anderem einen Neubau mit Plenarsaal für die Stadtverordneten statt eines Kirchenschiffs vorsieht. Wann werden die Gremien von Stiftung und Fördergesellschaft darüber entscheiden, ob sie ihn mittragen?
Dazu wird es im Januar wichtige Beratungen geben. Am Ende wird es aber in besonderer Weise darauf ankommen, ob sich die Potsdamer Stadtverordnetenversammlung die Perspektive eines Forums an der Plantage zu eigen macht.

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Es gibt viel Lob, aber auch Kritik an dem Kompromissvorschlag - einige Kritiker wollen sich nicht mit einem Verzicht auf das historische Kirchenschiff abfinden, andere vermuten eine Finanzierung von Stiftung und Kirchturm durch die Hintertür, mit Mitteln der Stadt. Wie wollen Sie die Kritiker, die aus ganz unterschiedlichen Bereichen kommen, überzeugen?
Wir brauchen gegenwärtig viele Gespräche, um Missverständnisse auszuräumen und gegenseitig Argumente abzuwägen. Darauf kommt es jetzt an. Die Stiftung konzentriert sich nach wie vor auf den Wiederaufbau des Turms und hat damit eine doppelte Aufgabe übernommen: Den beeindruckenden Turm in die Skyline der Stadt zurückzuholen und vor allem die geschichtliche Aufarbeitung anzustoßen und Akzente für eine Friedens- und Versöhnungsarbeit zu setzen. Damit wird zum Wohle Potsdams gearbeitet.

Es gibt Berichte, dass der Kompromiss mit einem „Haus der Demokratie“ statt eines Kirchenschiffs und dem weitgehenden Erhalt des benachbarten DDR-Gebäudes an alten Vertragsklauseln scheitern könnte. Wie schätzen Sie das ein?
In Potsdam könnte ein hochattraktives Forum für Demokratie und Geschichte entstehen. Hier schlummert großes Potential für eine starke Visitenkarte, mit der die Brandenburger Landeshauptstadt zukünftig punkten könnte. Sollten die Gremien in den nächsten Wochen entsprechende Grundsatzbeschlüsse fassen, müssten danach in der Tat diverse Aufgabenstellungen und Fragen beraten und geklärt werden. Da läge viel Arbeit vor allen Beteiligten. (epd)

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